Kommunikation

Forscher "bauen" mit Robotern die Evolution nach

3. Jänner 2012, 19:51
  • Artikelbild
    foto: walter karlen, laurent keller/université de lausanne, ecole polytechnique fédérale de lausanne

    Roboter scharen sich um eine "Nahrungsquelle". Schweizer Forscher haben mit ihnen untersucht, wie Tiere im Verlauf der Evolution miteinander kommunizieren lernen.

Roboter-Schar sucht nach "Nahrung" und lernt, miteinander darüber Informationen auszutauschen

Lausanne - Schweizer Forscher haben gleich eine ganze Armee von Robotern aufgeboten, um Schlüsselmechanismen der Evolution auf den Grund zu gehen. Konkret wollte das Team um Laurent Keller von der Universität Lausanne herausfinden, wie Tiere im Laufe der Zeit miteinander kommunizieren lernen. Die Resultate zeigen, dass der Zufall eine größere Rolle spielt als gedacht.

Die Wissenschafter nutzten für ihre Studie rollende Roboter. Jeder Roboter war ausgerüstet mit einer Kamera, einem Informationsprozessor, einem "Nahrungs"- Erkennungssensor sowie einem Ring, der grün oder blau leuchten konnte.

100 Gruppen zu je 20 Robotern wurden nun auf ein Spielfeld gesetzt, in dem sie "Nahrung" finden mussten, wie die Forscher im Fachblatt "PNAS" berichten. Im Verlauf von 1.000 Generationen wurden nun in einem evolutionsähnlichen Vorgang immer wieder jene Roboter für die nächste Spielrunde ausgewählt, die am meisten "Nahrung" sammelten.

Lichtsignale für Nahrungsquellen

Die Roboter bekamen am Anfang zufällige Informationscodes. Doch mit der Zeit setzten sich die besten Prozessorenvarianten durch. Zudem entwickelte sich ein Kommunikationssystem zwischen den Robotern. Mit Hilfe von Lichtsignalen zeigten die kleinen Maschinen ihren Kollegen an, ob sie sich gerade auf einer Nahrungsquelle befanden.

Obwohl die Anfangsbedingungen für alle Gruppen genau gleich waren, setzten sich zwei verschiedene Kommunikationssysteme durch: In der Hälfte der Populationen zeigten die Roboter lediglich mit einer Farbe an, dass sie gerade auf einer Nahrungsquelle saßen.

Bei den anderen signalisierten die Roboter mit der anderen Farbe zusätzlich, wenn sie gerade nicht auf einer Nahrungsquelle saßen. Das erste, einfachere System erwies sich dabei als effizienter: Roboterpopulationen mit nur einem Signal fanden die Nahrung im Durchschnitt rascher als Populationen mit zwei Signalen.

Komplexere Systeme weniger flexibel

Trotzdem veränderte sich das zweite System nicht mehr, sobald es einmal in einer Gruppe aufgetaucht war. Keller und seine Kollegen führen dies darauf zurück, dass die Veränderung solch komplexer Signalsysteme äußerst umständlich wäre. Auch eine Sprache kann nicht in kurzer Zeit gegen eine andere ausgetauscht werden.

Allerdings hat die Strategie mit zwei Farben auch ihre Vorteile, wie weitere Experimente der Lausanner Wissenschafter ergaben: Kämpfen nämlich "einfarbige" und "zweifarbige" Roboter im selben Spielfeld miteinander um "Nahrung", setzen sich jene mit den zwei Signalen meistens durch.

Laut Laurent Keller zeigen die Roboterexperimente, wie sich im Lauf von Jahrmillionen komplexe Kommunikationssysteme bei Lebewesen entwickeln. Es seien also nicht nur Unterschiede im Lebensraum oder in Umweltbedingungen, die zu einem bestimmten System führten. Auch der Zufall spielt eine entscheidende Rolle. (APA, red)

Kommentar posten
20 Postings
Samsa Schoras
00
17.1.2012, 12:58
Unterschied?

"Roboterpopulationen mit nur einem Signal fanden die Nahrung im Durchschnitt rascher als Populationen mit zwei Signalen." Es wurde leider nirgends festgehalten, was wirklich der Unterschied in den Populationen ist. Ob ein rotes Licht signalisiert "ich habe keine Nahrung", oder ob "es leuchtet kein Licht" signalisiert "ich habe keine Nahrung" macht einen optischen, aber keinen wesentlichen Unterschied. Die Ergebnisse sind zwar interessant, sie auf die Evolution umzulegen ist aber sehr gewagt, dort sind die Dinge doch ein wenig verzweigter.

StandardMeinung
04

Wozu das Ganze schnell am Rechner simulieren, wenn man sich von Apple bunte Roboter bezahlen lassen kann und damit auch noch in die Zeitung kommt! ...

Nevim
02

Alle Leute lieben Roboter!

angryOnion
 
00
Oh Gott, was hat sich der Verfasser des Textes dabei gedacht.

Nichts anscheinend. Umweltbedingungen sind ein "all"umfassender Begriff. Da ist auch der "scheinbare" Zufall, darin enthalten. Den Zufall gibt es nicht.

Zitronensaft
02

Der Artikel erinnert mich irgendwie an AntMe! mit Robotern xD

Meiner Meinung nach hat das ganze mehr Ähnlichkeit mit KI als Evolution

Für alle die wissen wollen was AntMe! ist hier zwei links

http://de.wikipedia.org/wiki/AntMe!
http://antme.net/

Wos d'ned sogst
00

Damit irgendwelche Rückschlüsse auf die Evolution ziehen zu wollen ist wohl etwas fragwürdig.

Ist aber wurscht, wie man sieht regen sich eh alle nur über den Apfel am Bild auf...

samuel vimes
00
juhuu - die haben doch tatsächlich eine theorie aus dem jahre 1973 wieder entdeckt:

http://en.wikipedia.org/wiki/Evol... e_strategy

in beiden gruppen stellt die gefundene kommunikation eine ESS dar... mischt man diese gruppen nun, so bleibt die stabilere letztendlich über...

warum sich zufällig 2 unterschiedliche strategien entwickelten - DAS wäre die eigentlich spannende frage...

Andreas Steinschaden
00
Wiederliche subtile Werbung

für eine Firma, die gerade versucht den Markt an sich zu reissen.......

McBlau
00
Roboter essen Apple auf..

another_stranger_me
01

an apple a day
keeps the doctor away

und ich hab bislang gemeint, das sprüchen bezieht sich auf obst...

Nutze den Tag
11
Erbärmliche Versuche

Jede Amöbe ist im Gegensatz zu diesem (Product Placement) Spielzeug ein Ausbruch an unerreichbarer High Tech.

angryOnion
 
00
"noch" unerreichbar

her wig
00

Am Anfang war... nein, nicht die Amöbe. Die ist viel zu komplex.

notsure
21
am ende bekommen sie die Ergebnisse die sie sich wünschen

.. Aber nicht weil sie sie finden, sondern weil sie im Grunde entscheiden was sie finden wollen. Sie wählen am Ende für die Roboter die Sprache, ihr Aussehen, ihr Verhalten, eben ihre Programmierung und die Technischen Features. Erst wenn sich die Roboter selbst weiter entwickeln könnten, bzw überhaupt nur durch die Nahrung am Leben erhalten werden (also nicht nur ein Programm das lernen kann, sondern auch ein Gehäuse, dass sich mit der Zeit selbst weiterentwickeln kann.. erst dann können wir zuschauen und wirklich was lernen oder eben auch nicht,.. ansonsten ist es höchst fraglich ob nicht wir uns die Antworten selbst erfinden.

angryOnion
 
01
Nein,

weil genau genommen ist der Mensch und jedes Lebewesen nichts anderes...als eine Maschine.

Old_Programmer
 
00
Der Zufall ist überall

Dass Kommunikation sehr stark vom Zufall geprägt ist, sieht man ja auch an der enormen Sprachenvielfalt, die wir Menschen hervorgebracht haben (mit oft völlig unverwandten Wörtern und Lauten auch in relativ geringem geografischen Abstand). Auch die Bedeutung bestimmter Gestiken (wie z.B. Kopfschütteln) ist immer nur lokal über eine zufällig entstandene Konvention definiert. Und so wird aus etwas was zufällig mal entstanden ist, irgendwann eine zumindest in einem bestimmten Umfeld gültige "Norm". Ich glaube das gilt in noch viel mehr Bereichen als nur in der Kommunikation. Das ist Evolution zum anfassen.

angryOnion
 
00
Was ist Zufall?

Genau genommen gibt es den ja nicht.

Rhaegar Targaryen
00
Was zahlt

Apple eigentlich für das ganze product placement im standard?

t 3
 
00
warum

fragen sie das nicht die schweizer forscher? immerhin stammt das bild von denen, wie unschwer zu sehen ist...

h 90
00

Viel wahrscheinlich

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.