Prekär oder nicht

WKÖ und Gewerkschaft streiten über Teilzeit

3. Jänner 2012, 14:18

WKÖ: Weg mit dem Märchen von der "bösen" Teilzeit - ÖGB: Nicht Wunsch, sondern Folge von schlechten Bedingungen

Wien - Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter sind sich nicht einig darüber, ob Teilzeitarbeit nun gut oder schlecht für die Beschäftigten ist.

Die Wirtschaftskammer will nichts mehr hören "von dem Märchen von der bösen Teilzeit". Der Sozialpolitik-Abteilungschef der Kammer, Martin Gleitsmann, kritisierte am Dienstag Kampagnen, die diese Arbeitsform schlechtredeten und fälschlich unter "prekäre Arbeitsverhältnisse" einreihten. Ein Märchen sei es auch, so die Kammer, dass Frauen mit Teilzeitjobs generell unzufrieden seien und deshalb mit allen Mitteln in Vollzeitstellen gedrängt werden müssten.

"Das Gegenteil ist der Fall: Frauen wollen mehr und nicht weniger Teilzeitjobs", meinte Gleitsmann in einer Aussendung. Das zeige die Statistik: Zuletzt sei die Zahl der arbeitslosen Frauen mit Teilzeitwunsch fast 10 mal so groß gewesen wie die Zahl der offenen Teilzeitstellen. Die Kluft zwischen dem Wunsch nach Teilzeit und der Realisierbarkeit werde immer größer. Die Zahl der arbeitslosen Personen, zumeist Frauen, die Teilzeitjobs suchten, sei von November 2010 auf 2011 um 2.495 Personen gestiegen.

Die Beweggründe der betroffenen Frauen sieht der Gewerkschaftsbund hingegen nicht unbedingt in der Freiwilligkeit: Vielmehr mangle es hierzulande an Kinderbetreuungsplätzen und familienfreundlichen Jobs.

Kinderbetreuungsplätze Voraussetzung

"Dass Frauen Teilzeitjobs suchen, bedeutet nicht automatisch, dass sie auch wirklich Teilzeit arbeiten wollen - sondern in vielen Fällen müssen, weil das Angebot an Kinderbetreuungsplätzen noch immer zu wünschen übrig lässt", entgegnete die ÖGB-Frauenvorsitzende Brigitte Ruprecht auf das "Jubellied", das Gleitsmann auf die Teilzeit singe. Die Wirtschaft sieht Ruprecht dort gefordert, wo Frauen wirklich Teilzeit arbeiten wollten: In hoch qualifizierten Berufen, wo man von Teilzeit auch leben könnte, biete die Wirtschaft nämlich meist nur Vollzeitstellen. Der ÖGB fordert deshalb das Recht auf Wechsel der Arbeitszeit. Zudem pocht er auf ein Recht auf Elternteilzeit in allen Betrieben.

Während 1994 jede vierte Frau in Teilzeit beschäftigt war, ist es jetzt beinahe jede zweite. Für Wiedereinsteigerinnen seien Teilzeitjobs "ideal", findet der Wirtschaftskämmerer Gleitsmann. Durch Teilzeit gelinge es weit besser, die Mehrfachaufgaben zwischen Familie und Beruf unter Dach und Fach zu bringen und auch, Stress bestmöglich zu vermeiden, schrieb er in der Mitteilung heute. Auch die Betriebe könnten besser und schneller auf neue Situationen reagieren, etwa auf erweiterte Öffnungszeiten. Auch für Männer wird laut WKÖ Teilzeit immer beliebter: ihr Anteil verdoppelte sich seit Mitte der 90er Jahre. Zudem nehmen immer mehr Studenten und Pensionisten Teilzeit in Anspruch. "Unfreiwillig" in Teilzeit arbeiteten in Österreich nur wenige, so die Kammer.(APA)

Radio Eriwan
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Wenn die Wirtschaftskammer genügend Vollzeitstellen schafft,

wird sich ihre Auffassung bestätigen lassen.

Tino1967
 
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Ich denke die Wahrheit liegt in diesem Fall irgendwo in der Mitte,

zwischen den beiden Interessenvertretungen. Richtig ist, dass sehr viele Frauen mit Kindern Interesse an Teilzeit haben (warum eigentlich nur die Frauen, da sind wir schon wieder bei einem Kernpunkt des Problems), zum Teil bleibt ihnen aber gar nichts anderes über bzw. sind sie sich gar nicht bewusst, dass das zahlreiche Nachteile bis zur Pensionshöhe hat, da hat die Gewerkschaft sicher Recht!!

Klara Ecker
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Teilzeit mit dem Gehalt von Vollzeit, das wäre es!

Super Teilzeit, wenn nicht dann die niedrige Pension waere:... Auch sollte der Hintergrund fuer den Teilzeitwunsch hinterfragt werden liegt es vielleicht daran, das Arbeitgeber nicht gern sehen, wenn die Mutter regelmaessig die Kinder mit zur Arbeit nimmt?

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