Nahezu verdoppelt

Immer mehr Frauen geringfügig beschäftigt

3. Jänner 2012, 13:45

Von 1997 bis Anfang 2010 in Österreich schon fast verdoppelt - Zwei von drei geringfügig Beschäftigten sind Frauen

Wien - Es ist eine stark ideologisch besetzte Diskussion: Ist es zu begrüßen, dass die Zahl der geringfügig Beschäftigten seit 1997 um 140.000 stark gestiegen ist? Im Vorjahr wurde erstmals die 300.000er-Grenze überschritten, 66 Prozent davon sind Frauen. Die Betroffenen sind jedenfalls durchaus zufrieden, zeigt eine aktuelle Studie der L&R Sozialforschung im Auftrag des Sozialministeriums.

Auf einer Skala von eins bis vier geben sie im Schnitt die Note 1,43 -und das, obwohl sie oft für die Jobs überqualifiziert sind. 80 Prozent der 300 Befragten wollen kein Standardbeschäftigungsverhältnis, nur 14 Prozent wünschen sich ein solches "sehr". Diese Zahlen haben sich im letzten Jahrzehnt kaum verändert.

Die Studie zeigt auch die kontroversielle Debatte um diese Arbeitsverhältnisse auf. Würden auf der einen Seite etwa die Schaffung von Jobs hervorgehoben, neue Chancen am Arbeitsmarkt oder auch eine mögliche "Brückenfunktion" zur Aufnahme regulärerer Beschäftigungsverhältnisse, würden andererseits kritische Fragen von "Working Poor" und Prekaritätsrisiken focussiert. Geringfügige Beschäftigung sei per Definition mit geringen Einkommen gleichgesetzt.

Weiterhin Trend zur Zunahme

Beispiellose Steigerungsraten dieser Form der atypischen Dienstverhältnisse hatte es in Österreich 2008 und 2009 mit Zuwächsen von 9,6 beziehungsweise 5,2 Prozent bei den "Geringfügigen" gegeben, geht aus der vorliegenden Studie hervor.

Anfang 2010 waren immer noch 66 Prozent der geringfügig Beschäftigten Frauen - vornehmlich in Dienstleistungs- und Verkaufsberufen, Büroberufen und Hilfsarbeiten. Akademische Berufe, die mit einem Anteil von nur acht Prozent an vierter Stelle liegen, wurden wiederum hauptsächlich von Männern ausgeübt. Deutlich gestiegen sind geringfügige Dienstverhältnisse bei Jugendlichen (bis 24 Jahre). Überdurchschnittliche Zuwachsraten in Österreich erwarten die Autoren weiterhin bei Männern, die im Schnitt zwischen einem und drei Prozentpunkten über denen der Frauen liegen dürfte.

Inhomogene Gruppe

Bei näherer Betrachtung zeigen sich die geringfügig Beschäftigten als inhomogene Gruppe. Nur 44 Prozent beziehen ausschließlich ein Einkommen aus geringfügiger Beschäftigung (die Grenze dafür liegt derzeit bei 376 Euro im Monat). 23 Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen verdienen sich in der Pension etwas dazu. Zehn Prozent der Männer und acht Prozent der Frauen bessern ihr Arbeitslosengeld auf. 12 Prozent aller geringfügig Beschäftigten gehen zusätzlich einem Vollzeitjob nach. Am häufigsten werden geringfügige Jobs aber erwartungsgemäß von Studenten und - bei Frauen - während Kinderbetreuungsverpflichtungen ausgeübt.

Einkommenssituation

Durch die diversen Tätigkeitskombinationen (und Sozialleistungen) sieht die Einkommenssituation der Geringfügigen nicht ganz so trist aus wie man vielleicht meinen könnte. Das Medianeinkommen (50 Prozent haben mehr, 50 Prozent weniger) lag 2009 bei 1167 Euro netto im Monat. Nur ein Drittel des also im Schnitt im geringfügigen Job. Zum Vergleich: Bei der Gesamtbevölkerung lag das Medianeinkommen im gleichen Jahr bei 1657 Euro netto monatlich.

Ausschließlich unfallversichert

Sozialversicherungsrechtlich sind geringfügig Beschäftigte, so sie nicht mehrfachversichert sind, ausschließlich unfallversichert. Sie sind aber nicht in die Krankenversicherung inkludiert, erwerben auch keine Pensions-Beitragszeiten. Seit 1998 besteht aber ein "opting in" für die freiwillige Kranken- und Pensionsversicherung. Eine Möglichkeit des Eintritts in die Arbeitslosenversicherung besteht grundsätzlich nicht. Werden mehrere geringfügige Beschäftigungen parallel ausgeübt und wird dabei die Geringfügigkeitsgrenze überschritten, besteht eine Pflichtversicherung zur Kranken- und Pensionsversicherung. Ebenso beitragspflichtig ist das geringfügige Einkommen, wenn es neben einem vollversicherten Beschäftigungsverhältnis verdient wird.

Arbeitszufriedenheit und psychische Belastung

42 Prozent der befragten Männer und Frauen arbeiten hauptsächlich zu so genannten Tagesrandzeiten - morgens bis 8:00 Uhr oder abends nach 18:00 Uhr. Die Autoren haben auch die Zufriedenheit der Befragten mit der Anzahl der Wochenstunden evaluiert. Nur zwölf Prozent der Befragten würden gerne um bis zu 14 Wochenstunden mehr arbeiten und weitere zehn Prozent um mehr als 14 Wochenstunden.

Ein Viertel der Befragten fühlt sich "mehrheitlich psychischen Belastungen im Arbeitsleben wie beispielsweise Stress und Zeitdruck" ausgesetzt. Migranten fühlen sich mit 44 Prozent signifikant stärker belastet. Das Alter hat einen leichten Einfluss: Über 50-jährige Befragte empfinden relativ seltener Stress und Zeitdruck als Belastung in ihrem Arbeitsleben. Auch die Zeit wann gearbeitet wird, beeinflusst das Empfinden von Belastungen: 39 Prozent der Studienteilnehmer, die mehrheitlich Schicht-, Nacht- und/oder Wochenendarbeit ausüben, fühlen sich durch Stress und Zeitdruck belastet. Das trifft auf lediglich 18 Prozent zu, die keine solche Arbeitszeit haben. Eine Rolle spielt ebenso die Arbeit zu Tagesrandzeiten, die mit einer erhöhten psychischen Belastung einhergeht (38 Prozent versus 16 Prozent).

Fehlende Entwicklungsmöglichkeiten

Schlecht sieht es bei den beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten von geringfügig Beschäftigten aus, resümieren die Autoren. Vor dem Hintergrund der gegebenen niedrigen beruflichen Qualifikationsstruktur in der Gruppe müsse davon ausgegangen werden, dass vergleichsweise wenig berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, beispielsweise im Bereich Weiterbildung vorhanden sind. Die Studienergebnisse bestätigen das: drei Viertel der Befragten geben an, keine solchen Möglichkeiten zu haben. (APA/red, DER STANDARD, Printausgabe, 4.1.2012)

Wissen: Definition der geringfügigen Beschäftigung

Eine geringfügige Beschäftigung ist in Österreich definiert als Arbeitsverhältnis, in dem die sozialversicherungsrechtliche Geringfügigkeitsgrenze nicht überschritten wird. Dieser Wert wird Jahr für Jahr angepasst und betrug 2011 monatlich 374,02 Euro oder 28,72 Euro pro Tag.

Der Mikrozensus wiederum definiert die geringfügige Beschäftigung in Österreich mit weniger als 12 Wochenstunden regelmäßiger Arbeit. 2009 waren das demnach 4,4 Prozent der unselbstständig Beschäftigten - konkret 7,1 Prozent der Frauen und zwei Prozent der Männer. Überdurchschnittlich verbreitet ist "marginale Teilzeit" in Europa in Norwegen und Großbritannien, wie Österreich zwischen vier und fünf Prozent liegen etwa die Niederländer. In den neuen EU-Staaten, etwa in Rumänien oder Bulgarien, ist diese Arbeitsform bisher gering verbreitet (weniger als ein Prozent). Einheitliche und vergleichbare Definitionen fehlen in Europa. (APA)

Links

Studiendownload: "Sozialpolitischen Studienreihe" Band 9 (pdf)

Informationen der Arbeiterkammer zur geringfügigen Beschäftigung

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kbgenius
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Geringfügig 374,02 Euro!!

minus Sozialbeitrag..bitte was diskutiert ihr hier??
Das sind doch Peanuts! Das geben manche/viele für ein schönes Abendessen zu viert aus!
Eine verrückte Welt ist das!

ichbinsofrei.net
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Interessant wäre zu wissen,

wie viele Geringfügige mehrere geringfügige Jobs haben.

Ingrid Goeschl
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Wahrscheinlich nicht viele, weil sie sonst in die Sozialversicherungspflicht fallen und am Jahresende die gesamte Sozialversicherung nachzahlen müssen.

Das größere Problem ist eher dass man Schwarzarbeit mit geringfügiger Beschäftigung ziemlich leicht kaschieren kann.

ichbinsofrei.net
00
Wahrscheinlich nicht viele, weil sie sonst in die Sozialversicherungspflicht fallen und am Jahresende die gesamte Sozialversicherung nachzahlen müssen.

Ich vermute, dass es einige gibt. Sie zahlen dann: ja. Aber die Unternehmen sind fein raus. ;)
Daher ...

Ingrid Goeschl
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Für die Unternehmen ist es natürlich billiger, vor allem auch, weil sie flexibler sind und niemals Überstundenzuschlag anfällt.

Ich persönlich finde ja, dass man auch bei geringfügigen und Teilzeitbeschäftigungen Überstundenzuschlag (statt Mehrstundenentgelt) einführen sollte, dann wäre der Spuk schnell abgestellt.

kladi
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zum Vergleich ....

Bei Nachweis einer geringfügigen Beschäftigung von z.B.(nur) 60,-€ monatlich hat man die Möglichkeit sich um 52,-€ monatlich kranken -und pensions- zu versichern. Hat man kein so ein Mini-Dienstverhältnis und auch sonst keine Mitversicherungsmöglichkeit, dann zahlt man rd 360,- € monatlich nur für die Erlangung einer Krankenversicherung. In welchen kranken Hirnen ist das entstanden, das einer Aufforderung zum Abschluss von Schein-Dienstverhältnissen gleichkommt?

young dracula bites twilight
00

Die ermäßigte Versicherung bekommt man aufgrund von Arbeitswilligkeit.

Warum sollte ein Arbeitsunwilliger genauso die ermäßigte bekommen?

Oder verlangens vom Arbeitsunwilligen mit 200€ Einkommen, dass er 360€ Versicherung zahlt?
Kann ja gar nicht gehen.

kladi
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Bei bspw. 60,-€ im Monat geht's doch nicht um Arbeitswilligkeit, sondern nur um die Möglichkeit sich ein derartiges Dienstverhältnis (als Voraussetzung für die günstigen Beiträge) zu organisieren.

Neuer Nick neues Glück
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Naja...
Die OP eines Herzinfarktes kostet gleich viel, egal ob ich 300 oder 3000 Euro netto habe.

Ingrid Goeschl
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Die fehlenden Abgaben der Geringfügigen müssen natürlich von anderen getragen werden.

Die geringfügig Beschäftigte, die beim Ehemann mitversichert ist und für die überhaupt keine Krankenversicherung eingezahlt wird, verursacht bei Krankheit die gleichen Kosten wie die arbeitende Mutter oder gar die Alleinerzieherin, die ganztags arbeitet und Abgaben bezahlt.

Zufrieden sind die Geringfügigen und deren Arbeitgeber deshalb, weil sie beinahe keine Lohnabgaben (auch arbeitgeberseits) haben, während andere die Sozialversicherung etc. für sie mitzahlen, dies alles in Zeiten, in denen die staatliche Sozialversicherung immer mehr zu schwanken beginnt.

Ein typisches ÖVP-Modell halt.

Tschoff
10
Oft fehlen ganztägigee Kinderbetreuungseinrichtungen

Das Problem liegt vielleicht an den geringen Möglichkeiten einer ganztägigen Kinderbetreuung in Österreich.
Ein Beispiel: Frauen in Frankreich arbeiten oft nur 4 von 5 Tagen, da sie am Mittwoch bei den Kindern sind, d.h. sie sind immerhin zu 80% erwerbstätig. Es gibt diesbezüglich ein großes Entgegenkommen der französischen Firmen. Die Arbeitszufriedenheit steigt und es reduziert sich die psychische Belastung, wobei die Kindererziehung nicht zu kurz kommt.
Dies ist vielleicht einer der Gründe, warum in Frankreich die Geburtenrate eine der höchsten Europas ist.

Sabine Werner
40

ja und? es wird sich doch ausgesucht, keine wird gezwungen einen geringfügigen job anzunehmen. viele wollen auch nicht länger arbeiten, und haben als hauptverdiener den mann zuhause - so whats the problem?

also
01
Pferdefuß

Mit der geringfügigen Beschäftigung hat sich die Sozialversicherung ein Ei gelegt, denn Geringfügige zahlen nicht ein, werden aber trotzdem krank - wie soll sich denn das ausgehen?

Ingrid Goeschl
00

Ich würde es eher so sehen, dass die ÖVP der Sozialversicherung (und damit jenen, die ihre Beiträge einzahlen) ein Ei gelegt hat.

Lächler
10
Eine der wenigen "Gestaltungsmöglichkeiten"

der Unselbstständigen. Es spricht für sie, daß sie die Möglichkeit nutzen und die hohe Zufriedenheit sagt viel über die tatsächlichen Verhältnisse aus. Auch hier sind sie anders als uns progressive Sozialutopisten und das Frauenministerium weismachen wollen. L.

supermike
41
Immer mehr Frauen geringfügig beschäftigt

Das hat aber einen anderen Grund.
Für die meisten Frauen ist die Arbeit meist nur Hobby weil eh der Mann verdient bzw geschiedene Frauen arbeiten halbtags, tun sich nicht weh, und den Rest darf der Ex Mann mit Unterhalt ausgleichen.

Die Österreicher sollten mal einen Blick nach CZ werfen. Da gibt es nahezu keine Halbtagsgeschichten - da arbeiten die sehr fleissigen Frauen noch volltags !!! Eine ganz andere Menthalität.

Rosa Stahl
22

Das Märchen vom armen Mann, der die Geschiedene durchfüttern muss hat auch schon soooo einen Bart.

Die allermeisten Frauen arbeiten Teilzeit/geringfügig, weil sie noch Zeit für die Kinder haben wollen.

In der ehemals kommunistischen Tschechei ist das tatsächlich anders. Interessanter Weise gibts bei den vielen achso fleißigen vor allem jungen Damen eine ganze Menge, die weiß Gott was aufführen, damit sie hierzulande ein Mannsbild abkriegen - und dann eben hoffen, nicht mehr arbeiten zu müssen.

also
01
hallo Supermike

schalt erst dein Superhirn ein, bevor du postest!

Ingrid Goeschl
12
Naja, so oft ich auch mit Mike nicht übereinstimme, aber damit, dass viele geringfügig beschäftigte Frauen eigentlich vom Mann leben, hat er schon recht.

Ein Modell, das die Geldbeschaffung dem Mann zuweist, ist langfristig für alle negativ - die Männer, die bei Trennungen in Existenznot kommen, wenn die Frau ohne Berufspraxis keinen Job findet und sie sie erhalten müssen, die Frauen, die sich in finanzielle Abhängigkeit vom Mann begeben und die Allgemeinheit, die die Versicherungsleistungen für die fast abgabenfreien Geringfügigen finanziert.

Freizeit bzw. Zeit für die Kinder sollte wohl eher durch geteilte gekürzte Erwerbsarbeit beider Elternteile gewonnen werden als durch so ein System.

Ingrid Goeschl
01
Naja, so oft ich auch mit Mike nicht übereinstimme, aber damit, dass viele geringfügig beschäftigte Frauen eigentlich vom Mann leben, hat er schon recht.

Ein Modell, das die Geldbeschaffung dem Mann zuweist, ist langfristig für alle negativ - die Männer, die bei Trennungen in Existenznot kommen, wenn die Frau ohne Berufspraxis keinen Job findet und sie sie erhalten müssen, die Frauen, die sich in finanzielle Abhängigkeit vom Mann begeben und die Allgemeinheit, die die Versicherungsleistungen für die fast abgabenfreien Geringfügigen finanziert.

Freizeit bzw. Zeit für die Kinder sollte wohl eher durch geteilte gekürzte Erwerbsarbeit beider Elternteile gewonnen werden als durch so ein System.

Sabine Werner
00
14.1.2012, 12:30

natürlich werden sie vom mann miterhalten, kann mir doch kein normaler mensch erzählen, daß eine alleinerzieherin von dem bettel allein leben kann. also ist es nur ein zusatzverdienst.

Verdammt Coole Schreckschrauwe
23
sehr einfach gestricktes Bild von Frauen hat der Herr...

Frauen, die Schmarotzerinnen, die eh nur von einem Mann erhalten werden wollen. Blutsaugerinnen, sozusagen, Vampire.
Die Realität ist: Frauen Leben in Armut und vielerorts in Abhängigkeit. Erzähl uns doch bitte niemand, dass sie das freiwillig tun.

Der Unkurze
00

Wie viele Prozent der Obdachlosen sind nochmal Frauen?

Lectrice
12

Nur weil Männer zu deppert sind Sozialkontakte zu pflegen und wo unterkommen zu können, wenn's mal eng wird?

Sorry, aber das Argument können Sie sich wer weiss wohin schmieren.

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