Immo-Preise dürften heuer um 5,6 Prozent zulegen

3. Jänner 2012, 12:55
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Baugrund wird zunehmend zum Anlageobjekt, in Landgemeinden lässt's sich 2012 laut Re/Max billiger wohnen als im Vorjahr

Die Nachfrage nach Immobilien wird heuer um 6,3 Prozent wachsen, das Angebot aber um 0,3 Prozent zurückgehen. Dies werde die Preise pauschal betrachtet um 5,6 Prozent steigen lassen, erwartet man beim Österreich-Ableger des internationalen Makler-Netzwerks Re/Max. "Der wesentliche Grund liegt sicherlich in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage, weil viele Anleger jetzt Grund, Ziegel und Beton als Sicherheit für die Zukunft schätzen", erläuterte Anton Nenning, Managing Director von Re/Max Austria, am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Wien. Die Nachfrage werde vor allem im unteren Preissegment mit 7,2 Prozent und im mittleren mit 5,6 Prozent steigen, im oberen Preissegment dagegen nur mit 1,5 Prozent.

Zentral gelegene Eigentumswohnung bleibt "Renner"

Die Eigentumswohnung in zentraler Lage bleibt dabei das begehrteste Gut in Österreich: Re/Max erwartet ein Plus von 9,5 bei der Nachfrage und von 8,7 Prozent beim Preis. Bei Mietwohnungen in zentraler Lage wird mit einer Preissteigerung von 5,7 Prozent (bei einem Nachfrageplus von 7,8 Prozent) gerechnet. Parallel dazu zeige auch die Entwicklung im Zinshaus-Bereich nach oben: Plus 5,7 Prozent bei der Nachfrage und 5,5 Prozent beim Preis, da auch das Zinshaus-Angebot weiter zurückgeht (-3,0%).

Die unterschiedliche Entwicklung zwischen Kaufpreis der Wohnungen und realisierbarem Mietzins geht in diesem Fall zu Lasten der Rentabilität der Immobilien-Wertanlage. Re/Max-Austria-Regionaldirektor Alois Reikersdorfer rät potenziellen Verkäufern deshalb, die günstige Gelegenheit beim Schopf zu packen, äußerte aber gleichzeitig auch Verständnis dafür, wenn sich ein Immobilienbesitzer wegen der derzeit instabilen Verhältnisse auf den Finanzmärkten von seinem Objekt nicht so richtig trennen möchte.

Grundstücke als Anlage

Verstärken dürfte sich heuer auch die Nachfrage nach Baugrundstücken mit 5,2 Prozent, Re/Max rechnet mit einem Preis- bzw. Wertzuwachs von 4,8 Prozent. "Baugrundstücke ohne Bauverpflichtung werden offensichtlich verstärkt als Anlageform nachgefragt", so Reikersdorfer.

Aber auch Wohnimmobilien für den Eigenbedarf werden wertvoller und teurer: Für Eigentumswohnungen am Stadtrand werden Preissteigerungen von 4,4 Prozent erwartet, für Einfamilienhäuser in Siedlungslage 3,2 Prozent.

Billiger Wohnen am Land

Als eher rückläufig wird das Interesse an Mietwohnungen in Landgemeinden (-1,1%) und Wochenendhäusern (-3,4%) beurteilt. Hier seien daher keine steigenden Preise, sondern eher sinkende bei Mietobjekten in Landgemeinden (-1,9%) und Wochenendhäusern (-3,0%) zu erwarten. "Bei Wochenendhäuser entscheidet ganz besonders die Lage über den Preis. Das Häuschen im Grünen ist an sich sehr günstig zu bekommen. Teuer ist nur der Seeblick oder gar der Seezugang genauso wie der Schilift ums Eck", erläuterte Nenning.

Interessant werde auch die Entwicklung der landwirtschaftlichen Flächen, also Wiesen, Ackerland, Wald- und Rebflächen im kommenden Jahr sein: Eine geringe Nachfrage-Steigerung von 1,6 Prozent und ein ähnlich hoher Rückgang im Angebot dürfte zu einer Preissteigerung von 2,6 Prozent führen.

Plus bei Maklerprovisionen

2011 konnte Re/Max den Wert der vermittelten Immobilien (Transaktionsvolumen) auf über 900 Millionen Euro steigern, was einem Zuwachs von 15 Prozent entspricht. 96.000 Transaktionen habe es im Vorjahr (nach vorläufigen Zahlen) in Österreich gegeben, gegenüber 92.000 im Jahr 2010. Laut Nenning war 2011 nicht so viel am Markt erhältlich, wie man verkaufen hätte können - "in bestimmten Lagen wären 20 Prozent mehr an Verkäufen möglich gewesen".

Die Honorarumsätze (Maklerprovisionen bei Vermietungen) stiegen um 12,5 Prozent. Dies, obwohl viele heimische Immobilienmakler mit Einbußen aus der im September 2010 in Kraft getretenen Maklernovelle hinnehmen mussten. Das Erfolgsrezept von Re/Max war dabei laut Nenning die Einführung des so genannten "FairMietWohnService". Damit sei es gelungen, in 60 Prozent aller Fälle auch vom Abgeber, sprich vom Vermieter, eine Provision zu lukrieren. Die Provisionen konnten so um 43 Prozent gesteigert werden.

Luxus-Segment wird offensiver bespielt

Um noch stärker im Segment der Luxusimmobilien präsent zu sein, wollen Reikersdorfer und Nenning heuer mit der Marke "Re/Max Collection" durchstarten. Die Veldener Maklerin Doris Scarpatetti-Matheis startete im vergangenen August die Kooperation mit der Premium-Linie von Re/Max, für 2012 sind weitere Collection-Standorte u. a. in Wien, Salzburg und Kitzbühel geplant. "Im Endausbau" würde die Schiene wohl an die zwölf Standorte vertragen, so Reikersdorfer.

Derzeit sind bundesweit unter dem Re/Max-Ballon 450 Makler an rund 100 Bürostandorten aktiv. Das Wachstum soll sich heuer vor allem im Bundesland Salzburg zutragen, so Alois Reikersdorfer. Diese schrieb am Dienstag auch den österreichischen Geldinstituten etwas ins Stammbuch: "Die Banken sollten großzügiger bei der Finanzierung der Eigenheime von Jungfamilien sein." Dieses Segment sei nämlich ein sicheres Geschäft mit kaum nennenswerten Ausfällen über die Jahrzehnte betrachtet. (map, derStandard.at, 3.1.2012)

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    Baugrundstücke ohne Bauverpflichtung werden verstärkt als Anlageform nachgefragt, bemerkt man bei Re/Max Austria.

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