Kein Friedensangebot - Sofortigen NATO-Abzug gefordert
Kabul - Die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan
haben die Eröffnung einer offiziellen Auslandsvertretung im
Golfemirat Katar angekündigt. Das soll internationale Kontakte
erleichtern. Gleichzeitig machten die Aufständischen jedoch klar,
dass es sich dabei um kein offizielles Angebot für Friedensgespräche
mit den USA oder der Regierung in Kabul handelt.
"Ungeachtet unserer Stärke (in Afghanistan) sind wir bereit, ein
Büro außerhalb des Landes zu eröffnen, um in einen Dialog mit der
internationalen Gemeinschaft zu treten", sagte Taliban-Sprecher
Sabiullah Mujahid laut einer am Dienstag verbreiteten Erklärung. An
der Forderung eines vollständigen Abzugs aller ausländischen Truppen
aus Afghanistan werde jedoch unverändert festgehalten.
Der Nachrichtenagentur dpa erklärte Sprecher Mujahid am Dienstag:
"Wir werden unsere Militäraktionen nicht einstellen, auch wenn wir
ein Büro in Katar eröffnen." Dieser Schritt bedeute nicht das Ende
"unseres heiligen Kampfes gegen die Invasoren".
In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Spekulationen
über die Eröffnung eines Taliban-Büros in Katar gegeben, mit dessen
Hilfe Friedensgespräche mit den USA und der afghanischen Regierung in
Gang gebracht werden könnten. Präsident Hamid Karzai bemüht sich seit
langem, die Taliban an den Verhandlungstisch zu bringen.
Die internationale Gemeinschaft unterstützt dieses Vorhaben,
stellt allerdings Bedingungen. So sollen die Taliban vor der Aufnahme
von Gesprächen auf Gewalt verzichten, sich vom internationalen
Terrorismus lossagen sowie die afghanische Verfassung und die
Menschenrechte respektieren. Diese Punkte wurden im Dezember in der
Abschlusserklärung der Bonner Afghanistankonferenz noch einmal
bekräftigt. Die Taliban fordern einen sofortigen NATO-Abzug.
Die Regierungen Afghanistans und Katars äußerten sich nicht zu der
Taliban-Ankündigung. Nach Medienberichten soll es in dem Emirat in
der Vergangenheit allerdings bereits mehrfach Gespräche zwischen
hochrangigen afghanischen Regierungsmitgliedern und Repräsentanten
der US-Regierung mit Taliban-Vertretern gegeben haben. (APA)