Nach tödlichem NATO-Angriff an Grenze zu Afghanistan Forderung nach "neuen Regeln"
Islamabad - Nach dem tödlichen NATO-Luftangriff auf pakistanische Soldaten im Grenzgebiet zu Afghanistan will Pakistan die Zusammenarbeit mit den USA auf den Prüfstand stellen. Die Kooperation müsse begrenzt werden, sagte ein hochrangiger Armeevertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Künftig solle jede Vereinbarung "schwarz auf weiß" in einem Abkommen festgehalten werden. Wie ein Regierungsvertreter in Islamabad sagte, überprüft auch das Parlament die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern. Die Beziehungen sollten "transparent" sein, vor allem im Kampf gegen den Terrorismus müsse es "neue Regeln" geben.
Angriff Ende November
Der NATO-Luftangriff an der afghanisch-pakistanischen Grenze Ende November hatte die ohnehin angespannten Beziehungen Pakistans zu den USA zusätzlich belastet. Bei dem Luftangriff wurden 24 pakistanische Soldaten getötet. Der Botschafter Pakistans in Washington, Husain Haqqani, hatte zurücktreten müssen. Dem Diplomaten wird vorgeworfen, die US-Führung in einer geheimen Depesche um Unterstützung für die Regierung in Islamabad gebeten zu haben, sollte es zu einem Militärputsch kommen. Die Affäre war im Oktober ins Rollen gekommen, als ein pakistanischer Geschäftsmann mit Wohnsitz in den USA in einem Zeitungsartikel von der Depesche berichtet hatte. Er sei von Haqqani persönlich damit beauftragt worden, das Schreiben an den damaligen US-Generalstabschef Admiral Mike Mullen zu übergeben, hieß es darin. Mullen hatte Pakistan unter anderem beschuldigt, "die Gewalt nach Afghanistan zu exportieren".
Unter dem früheren Diktator Pervez Musharraf hatte Pakistan von den USA seit 2001 Zuwendungen von weit mehr als zehn Milliarden Dollar erhalten, um den Terrorismus von Al-Kaida und Taliban zu bekämpfen. US-Senator Mark Kirk hatte Pakistan als "die größte Gefahr für Afghanistan" bezeichnet. Vom Geheimdienst ISI gehe eine "enorme Bedrohung" für die US-Truppen in Afghanistan aus, hatte der republikanische Politiker und Inhaber des früheren Illinois-Senatssitzes von Präsident Barack Obama betont. Im Streit um den US-Einsatz zur Erschießung von Osama Bin Laden im Mai war es zu einem schweren Konflikt zwischen Washington und Islamabad gekommen. In Pakistan war der mächtige militärische Nachrichtendienst Inter-Services Intelligence (ISI) wegen der Kommandoaktion heftig kritisiert worden. Die US-Regierung vermutete, dass Bin Laden Unterstützer bei den pakistanischen Behörden hatte. (APA)