Wissen zu Vorwahlen

Die Wähler entscheiden über die Kandidaten

2. Jänner 2012, 19:20

Ein Caucus, wie er am 3. Jänner hundertfach in Iowa über die Bühne geht, ähnelt einer Bürgerversammlung, an deren Ende die Wähler in direkter Abstimmung über die Kandidaten entscheiden. Anfangs sortiert man sich nach Grüppchen, die jeweils einen Bewerber favorisieren. Im Laufe des Abends versuchen Redner jeder Fraktion, die jeweils anderen mit überzeugenden Argumenten auf ihre Seite zu ziehen. Sobald sich alle Anwesenden eine Meinung gebildet haben, wird entweder abgezählt, oder aber man markiert seinen Favoriten auf einer Liste. Das Resultat hängt wesentlich davon ab, welcher Präsidentschaftsanwärter es am besten versteht, seine Anhänger zu mobilisieren, sprich: sie an einem kalten Winterabend zur Fahrt in eine schlecht beheizte Feuerwehrstation oder eine zugige Schulturnhalle zu bewegen. Schlechtes Wetter spielt oft jenen in die Hände, die zwar in der politischen Mitte kaum punkten können, dafür aber hochmotivierte Sympathisanten haben. Am republikanischen Caucus teilnehmen kann nur, wer der Republikanischen Partei angehört.

Bei der Primary, der weitaus gebräuchlicheren Variante des Kandidatenausscheids, geht es dagegen zu wie bei einer normalen Wahl. Im Gegensatz zum Caucus steht sie in manchen Bundesstaaten nicht nur Parteimitgliedern offen, sondern allen eingetragenen Wählern. Allerdings darf jemand, der bei den Republikanern abstimmt, dann nicht noch einmal bei den Demokraten votieren. Die offene Primary bietet den Vorteil, dass sie relativ verlässlich widerspiegelt, welchem Bewerber die schwankenden Wähler der Mitte den Zuschlag geben. Die erste Primary der diesjährigen Saison findet am 10. Jänner in New Hampshire statt. Wer sie gewinnt, hat gute Aussichten, sich frühzeitig als Kandidat der Konservativen zu etablieren. Für den Caucus in Iowa, wo die religiöse Rechte traditionell größeren Einfluss hat als im liberalen Neuengland, gilt dies nur bedingt. (fh/DER STANDARD, Printausgabe, 3.1.2012)

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