EU-Enthusiasten

Der Euro rückt für Polen in weite Ferne

Gabriele Lesser, 2. Jänner 2012, 18:51

Haushaltssanierung hat Vorrang, das Land stößt Devisen ab, um den Zloty zu stützen und Anleihen zurückzukaufen

Die Polen sind große EU-Enthusiasten. Auch dem Euro als künftiger Währung standen die reisefreudigen Mittelosteuropäer aufgeschlossen gegenüber. Doch die Eurokrise brachte die Gemeinschaftswährung bei den Polen in Verruf. Heute will nur noch jeder zehnte Pole die Landeswährung Zloty gegen den Euro tauschen, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS OBOP zeigt. Zwei Drittel der Polen sind strikt dagegen. Wäre der Plan von Premier Donald Tusks von 2007 aufgegangen, würden die Polen seit vorgestern mit Euro bezahlen.

Doch dieses Projekt ist gescheitert. Nicht nur wegen der weltweiten Finanzkrise, die Polen als einziges EU-Land ohne Rezession überstand, sondern auch, weil Polen sich gar nicht mehr bemühte, die zur Euro-Einführung notwendigen Maastricht-Kriterien einzuhalten. Der Zloty begann zu schlingern. Wie auf der Achterbahn ging es mit Polens Währung mal steil nach oben, dann tief in den Keller.

Markteingriff und wirksame Warnung

Schließlich griffen die Nationalbank und staatliche Banken in den Markt ein und verkauften Devisenreserven in zwei- und dreistelliger Milliardenhöhe. Das stärkte den Zloty-Kurs für ein paar Tage. Dann mussten erneut eingegriffen werden. Am Ende scheint aber die Warnung von Nationalbankchef Marek Belka, dass Polen seine Währung verteidigen werde, gewirkt zu haben. Währungsspekulanten hielten sich zurück. Es rächt sich, dass Polen in guten Konjunkturzeiten weder Rücklagen bildete, noch seine Schulden abbaute. Die in der Verfassung festgelegte Schuldenbremse in Höhe von 55 Prozent des Bruttoinlandsprodukts blinkte vor dem Jahreswechsel bereits rot.

Ein schwacher Zloty würde die Schulden, die zum Teil in Devisen aufgenommen wurden, über das Limit steigen lassen. Ein Überschreiten zwingt die Regierung zum Sparen. Spielraum beim Haushalt bliebe dann nicht mehr. Ohne großes Aufsehen, ließ daher Finanzminister Jacek Rostowski Staatsobligationen in zweistelliger Milliardenhöhe vorzeitig zurückkaufen. Das soll den Zloty stärken und den Schuldenstand unter dem Limit halten.

Tusks Regierung will 2012 mit der Sanierung der Staatsfinanzen beginnen. Der Euro ist für Polen aber in weite Ferne gerückt.

Nationalbankchef Marek Belka und Rostowski erklärten zuletzt, dass Polen den Euro übernehmen werde, "wenn es für Polen günstig" sei und "wenn alle Euromitglieder die Maastricht-Kriterien" einhielten. Viele Polen übersetzen diese Erklärungen in "wenn der Sankt Nimmerleinstag gekommen sein wird". (Gabriele Lesser aus Warschau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.1.2012)

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Hermann Bugl
 
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Schwarzmaler

Negative Schlagzeilen und Kommentare lesen sich zwar nett, aber derzeit überschlagen sich alle im "Schlecht machen".
Wenn die EU die Schuldenbremsen (und auch Österreich) umsetzt wird der EUR in die EU in 2 Jahren wieder enorm stark da stehen. Es war ja klar, dass das Schuldenmachen irgendwann zu Ende sein wird. Schweden hat es geschafft von einem Niveau wo sich jetzt Griechenland befindet in 15 Jahren auf 27% zu kommen. Wenn man will, ist Alles schaffbar. Der EURO und die EU werden noch lange leben.

Peter_23
31
90% der Polen wollen keinen Euro

Kein Wunder. Der Euro ist gescheitert. Jetzt geht es eher darum zu schauen, wie einzelne Länder wie Griechenland ohne allzugrossen Gesellschaftszusammenbruch aus den Euro rauskommen.

Der Euro ist in der Endstation angekommen. Und wie bei jeder Endstation bei der Eisenbahn heisst es dann: "Bitte alle Aussteigen." Einsteigen will da keiner mehr. Ausser ein paar verirrte Touristen. Und die auch nur aus Unkenntnis, das der Zug am Abstellgleis stehen bleibt.

Carlos Alberto Valderrama Palacio
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na ja

gesellschaftszusammenbruch ist schon ein bissl dick aufgetragen, oder? wo bricht was zusammen?

poster1231
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Danke

für ihren überschäumenden optimismus.

waterpistolriot
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könnte man bei wirtschaftshemen evtl. die kommentarfunktion deaktiveren?

ich begrüße ja die standard'sche doktrin "ahnung haben brauche ich nicht um zu posten" grundsätzlich sehr - jedoch wenns ums thema wirtschaft geht, bewegen wir uns schon in einem sehr, sehr schmerzhaften spektrum. das ist ja wahrlich das "konzentrat" der ahnungslosigkeit.

ARO5
02

Das ist bei jedem Thema so, dass sich die Poster vor Ahnungslosigkeit übertrumpfen. Im Wirtschaftsteil fällt es Ihnen halt auf, weil Sie, vermutlich, davon Ahnung haben.

waterpistolriot
02
Sie müssen die Kommentare ja nicht lesen...

..mimimimimimi. #1

Balkanjero
20

Als Nettoempfänger tut sich aber jeder leicht, oder?

Wlodzimierz Burdajewicz2
00
Hm und wo ist mein Posting?. Nicht einmal meine Bewertung wurde eingeblendet...

Demokratie oder Maulhalten nach der standard Theorie.

Wlodzimierz Burdajewicz2
01
Als Nettoempfänger tut sich aber jeder leicht, oder?

Das darf aber nicht in die polnische FM Kassa fließen, sondern müssen mit den glaubhaften Investitionen eingebunden werden. Von diesen vor allem profitieren ausländischen Firmem (unter anderem STRABAG, ALPINE Bau, das ich nicht die deutschen und französischen Firmen erwähne). Im übrigen in EU Kassa zahlt Polen genaso viel wie Österreich. Das Polen mehr aufs Land aus dem EU Topf bokommt war bei der Beitrittsverhandlung ausgemacht. Wenn die Polen besser verhandelt haben, dürfen Sie eigene Verhandler kritisieren.

OlafSch
10

Polen ist derzeit größter Nettoempfänger (wenn Sie wünschen kann ich die Links raussuchen) und das Defizit geht durch die Decke. Also im Moment können wir Polen in der Eurozone nicht gebrauchen. Und was in ein paar Jahren ist kann niemand vorhersagen. Es wird eine "andere" Eurozone sein.

Balkanjero
00

Wessen BIP wächst aufgrund der Investitionen?

Bessere Verhandler........ klingt nicht nach Gemeinschaft sondern nach Strassenstrich...

Wlodzimierz Burdajewicz2
00
Ich werde Sie enttäuschen....

Die meisten Nutznisser der polnischen wirtschaftlichen Aufschwung sind die Deutschen, Franzosen, Italien, Schweden, USA, S Korea, Japan, aber auch GB. Die letzten 4 gehören weder der EU oder (GB) der EURO-Zone. Aber sie haben mehr anzubitten (Hochtehnologie) als Österreich. Und ich glaube die österreichische Investitionen werden noch sinken. Sobald keine Bauaufträge erteilt werden bleiben nur HI-TECH Firmen auf dem "Schlachtfeld". Da werden auch die Chinesen mitmischen (letzter Besuch des Präsidenten in China verspricht der Wirtschaft einen Schub). Mal sehen......

Balkanjero
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Und wer arbeitet in Polen für die ausländischen Firmen? und zahlt Steuern und kann sich mehr leisten...........??? und erhöht seinen Lebenstandard? Österreicher? Briten? Chinesen?

Wlodzimierz Burdajewicz2
00
Die Österreicher wenn Sie so naiv fragen....

OlafSch
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China? War da nicht was mit einer Autobahn für die Euro 2012? Viel Glück dann...

Wlodzimierz Burdajewicz2
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ja es war, aber auch Alpine hat Strafen zu bezahlen gehabt.

Und neue Verträge sind mit chinesischer Regierung (Staat) und nicht "Togo Bogo" Firmen abgeschlossen. Ein kleiner aber feiner Unterschied.

Mostbluzza
11
den starken zloty

werden die polen sowieso nicht hergeben. freiwillig.
aber bei denen muss man immer nachhelfen ...

spass beiseite. wer jetzt dem euro beitritt, kann auch anders das geld ausgeben. wenigstens mit spass vor der pleite - ohne masochismus vor den deutschen. aber manchen gefällt das bzw. die brauchen das. so wie wir - oder die franzmänner, die wollen auch immer wieder wissen, dass sie zweiter sieger sind.

Carlos Alberto Valderrama Palacio
00
ist nicht

die 55% grenze per einfachem gesetz geregelt und nicht per verfassung? die 60%-grenze ist in der verfassung festgelegt, soweit ich mich erinnern kann... aber ich lass mich gerne eines besseren belehren.

Wlodzimierz Burdajewicz2
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die 55% grenze per einfachem gesetz geregelt und nicht per verfassung?

Polen hat schon in der 90 ger Jahren (1997) des vergangenen Jahrhunderts Schuldenbremse in der Verfassung verankert (eben 3/5 BIP). Ab 55% BIP Schulden muss der FM Sparrmassnahmen zwingend einführen. Unter "Schuldenbremse in Polen" können sie mehr erfahren

Carlos Alberto Valderrama Palacio
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genauer gesagt im

artikel 216 abs 5 --> 3/5 vom BIP = 60%. von 55% ist dort keine rede. diese sind (genauso wie die 55%) im gesetz für öffentliche finanzen (oder so ähnlich) geregelt.

Wlodzimierz Burdajewicz2
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artikel 216 abs 5 --> 3/5 vom BIP = 60%.

nein da ist auch die Rede von 55%, die die Regierung abgesehen von der Verankerung in der Verfassung auf sich angelegt.

Carlos Alberto Valderrama Palacio
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tut mir leid

aber da liegen sie falsch. sehen sie sich die polnische verfassung an. da können sie mehr erfahren.

Wlodzimierz Burdajewicz2
00
na dann sagen Sie mir über die polnische Verfassung

Thomas turnbichler
127
Beneidenswert

Ich beneide die Polen. Ich würde viel hergeben, könnte Österreich auch wieder seine eigen Währung führen.
Gratuliere Polen, die sind wirklich nicht verloren.

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