Verhandlungn der Regierung stocken - Steinhauser fordert versprochenes Transparenzpaket ein
Wien - Keine Offenlegung der Parteispenden. Keine Enthüllung sämtlicher Nebenjobs von Abgeordneten. Und nicht einmal eine Verschärfung des Korruptionsstrafrechts. Am Montag erinnerte der grüne Justizsprecher Albert Steinhauser die Koalitionsparteien an ihre anderslautenden Versprechungen im abgelaufenen Jahr, in dem eine Korruptionsaffäre nach der anderen publik wurde. Steinhauser, der "eine Korruptionsbremse" fordert, über die Untätigkeit von SPÖ und ÖVP: "Offensichtlich steht diese Mischung aus Intransparenz und lascher Korruptionsbekämpfung unter Denkmalschutz."
Seit April hätte es keine einzige Verhandlungsrunde zu den geplanten Transparenzregeln für Parteispenden gegeben. Und seit Ende August herrsche Funkstille zwischen den Parteien, was die Offenlegung der Nebenjobs von Mandataren anbelangt.
Einzig bei den Regierungsinseraten sei mehr Transparenz beschlossen worden - wobei eben erst wieder Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) mit seinen Neujahrsinseraten in den Montagsausgaben diverser Tageszeitungen "eine Provokation" für die Steuerzahler darstelle.
Nach deutschem Vorbild drängen die Grünen bei Nationalrats- und Landtagsabgeordneten auf ein Outing sämtlicher Tätigkeiten, für die sie Entgelt beziehen. Dazu gehören auch Beraterverträge, Gutachtertätigkeiten, Vorträge, Aufsichtsratsmandate. Meldepflichtig sollen auch Spenden, Vereinstätigkeiten und Vereinbarungen für die Zeit nach der Politik sein. Steinhauser selbst hat etwa ein Rückkehrrecht bei der Gewerkschaft der Privatangestellten - was die Wähler wissen sollen.
Für das Transparenzpaket stellte er den Regierungsparteien ein erstes zeitliches Ultimatum. Sollte es bis zum Jahrestag nach Auffliegen der Affäre rund um den ehemaligen ÖVP-EU-Delegationsleiters Ernst Strasser nicht fertig sein, veranstalten die Grünen einen "Korruptions-Roundtable" im Parlament. Die Sunday Times enthüllte dessen Bereitschaft, Gesetze für Geld durchzubringen, im vergangenen März.(Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 3.1.2012)