Wienerin muss mehr als eineinhalb Jahre auf ihre Schmerztherapie im Krankenhaus warten
Wien - Anfang Oktober 2011 wurde Frau C. von ihrem Arzt ans Orthopädische Spital Speising (OSS) überwiesen. Sie hat seit Jahren starke Schmerzen im linken Bein und eine Bandscheibenoperation sowie medikamentöse Behandlung hinter sich. Nun hoffte sie, eine Therapie im Krankenhaus könnte Abhilfe schaffen. Die Antwort des Spitals folgte postwendend: "Sie sind in unserem Spital zur Aufnahme für die Woche ab 27. Mai 2013 vorgemerkt (Änderungen vorbehalten)." Wann es ernst werde mit der Therapie, sollte die Patienten zwei bis vier Wochen vor dem Termin erfahren. Dann "werden wir Sie über die weitere Vorgangsweise informieren" , schrieb die Patientenadministration an Frau C.
20 Monate Wartezeit für eine Schmerztherapie - das ist kein Druckfehler, sondern hat einen administrativen Hintergrund, wie der Standard im OSS erfuhr: In der Abteilung für orthopädische Schmerztherapie, auf die Frau C. eingewiesen werden sollte, wird den Patienten der spätestmögliche Termin für ihre Behandlung mitgeteilt. In anderen Abteilungen hätte man das Benachrichtigungssystem schon umgestellt, da sage man den Patienten die durchschnittliche Wartezeit voraus. Briefe wie der an Frau C. seien das Resultat der großen Nachfrage, jährlich nehme das Spital, das zur Vinzenz-Gruppe gehört, 17.000 Patienten auf.
Tatsächlich, erklärt ein Sprecher, kämen die meisten Patienten deutlich früher dran, als ihnen mitgeteilt worden sei. Auf Wunsch kann man sich auf eine "Einsprungliste" setzen lassen: Falls jemand den für ihn reservierten Termin nicht wahrnehmen könne, werde dann kurzfristig vorgereiht. Allerdings würden viele Patienten diesen Termin dann nicht in Anspruch nehmen, etwa aus beruflichen Gründen oder weil ihnen zu wenig Zeit für die Vorbereitung in ihrem sozialen Umfeld bleibe. Operationen werden im OSS ausschließlich geplant durchgeführt - da sind Wartezeiten ein großes Thema. "Der einzige Faktor für einen Operationstermin ist die medizinische Notwendigkeit" , versichert man im Spital.
In den städtischen Krankenhäusern werden die Anmeldungen für Operationen seit 2008 elektronisch gemanagt. Eine Vorreihung ist nicht möglich, auch nicht durch Tricks wie Eingabe eines falschen Datums oder das Stellen einer falschen Aufnahmediagnose. Laut dem Büro von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SP) haben sich die Wartezeiten in den Spitälern seit Einführung der elektronischen Datenbanken deutlich reduziert: Während man etwa im Krankenhaus Hietzing früher durchschnittlich zwölf Wochen auf eine Grauer-Star-Operation warten musste, sind es nun drei Wochen. Bei nicht-akuten neurochirurgischen Eingriffen an der Wirbelsäule vergingen im Dezember 2009 noch 87 Tage von der Anmeldung bis zur Operation, im September 2011 waren es 48 Tage.
Im Juli vergangenen Jahres beschloss der Nationalrat ein Gesetz, laut dem es künftig anonymisierte Online-Wartelisten für planbare Eingriffe geben soll, um zu verhindern, dass Privatpatienten bei planbaren Operationen Kassenpatienten bei der Terminvergabe "überholen" . Die Ausgestaltung des Systems obliegt aber den Ländern. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 3.1.2012)