Spitalswartezeiten

"Sie sind für die Woche ab 27. Mai 2013 vorgemerkt"

2. Jänner 2012, 18:24
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    foto: apa/hildenbrand

    Im nächsten Serienteil: Der Marsch durch die Institutionen eines Diabetespatienten.

Wienerin muss mehr als eineinhalb Jahre auf ihre Schmerztherapie im Krankenhaus warten

Wien - Anfang Oktober 2011 wurde Frau C. von ihrem Arzt ans Orthopädische Spital Speising (OSS) überwiesen. Sie hat seit Jahren starke Schmerzen im linken Bein und eine Bandscheibenoperation sowie medikamentöse Behandlung hinter sich. Nun hoffte sie, eine Therapie im Krankenhaus könnte Abhilfe schaffen. Die Antwort des Spitals folgte postwendend: "Sie sind in unserem Spital zur Aufnahme für die Woche ab 27. Mai 2013 vorgemerkt (Änderungen vorbehalten)." Wann es ernst werde mit der Therapie, sollte die Patienten zwei bis vier Wochen vor dem Termin erfahren. Dann "werden wir Sie über die weitere Vorgangsweise informieren" , schrieb die Patientenadministration an Frau C.

20 Monate Wartezeit für eine Schmerztherapie - das ist kein Druckfehler, sondern hat einen administrativen Hintergrund, wie der Standard im OSS erfuhr: In der Abteilung für orthopädische Schmerztherapie, auf die Frau C. eingewiesen werden sollte, wird den Patienten der spätestmögliche Termin für ihre Behandlung mitgeteilt. In anderen Abteilungen hätte man das Benachrichtigungssystem schon umgestellt, da sage man den Patienten die durchschnittliche Wartezeit voraus. Briefe wie der an Frau C. seien das Resultat der großen Nachfrage, jährlich nehme das Spital, das zur Vinzenz-Gruppe gehört, 17.000 Patienten auf.

Tatsächlich, erklärt ein Sprecher, kämen die meisten Patienten deutlich früher dran, als ihnen mitgeteilt worden sei. Auf Wunsch kann man sich auf eine "Einsprungliste" setzen lassen: Falls jemand den für ihn reservierten Termin nicht wahrnehmen könne, werde dann kurzfristig vorgereiht. Allerdings würden viele Patienten diesen Termin dann nicht in Anspruch nehmen, etwa aus beruflichen Gründen oder weil ihnen zu wenig Zeit für die Vorbereitung in ihrem sozialen Umfeld bleibe. Operationen werden im OSS ausschließlich geplant durchgeführt - da sind Wartezeiten ein großes Thema. "Der einzige Faktor für einen Operationstermin ist die medizinische Notwendigkeit" , versichert man im Spital.

In den städtischen Krankenhäusern werden die Anmeldungen für Operationen seit 2008 elektronisch gemanagt. Eine Vorreihung ist nicht möglich, auch nicht durch Tricks wie Eingabe eines falschen Datums oder das Stellen einer falschen Aufnahmediagnose. Laut dem Büro von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SP) haben sich die Wartezeiten in den Spitälern seit Einführung der elektronischen Datenbanken deutlich reduziert: Während man etwa im Krankenhaus Hietzing früher durchschnittlich zwölf Wochen auf eine Grauer-Star-Operation warten musste, sind es nun drei Wochen. Bei nicht-akuten neurochirurgischen Eingriffen an der Wirbelsäule vergingen im Dezember 2009 noch 87 Tage von der Anmeldung bis zur Operation, im September 2011 waren es 48 Tage.

Im Juli vergangenen Jahres beschloss der Nationalrat ein Gesetz, laut dem es künftig anonymisierte Online-Wartelisten für planbare Eingriffe geben soll, um zu verhindern, dass Privatpatienten bei planbaren Operationen Kassenpatienten bei der Terminvergabe "überholen" . Die Ausgestaltung des Systems obliegt aber den Ländern. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 3.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 184
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n. urser
01
15.1.2012, 18:26
Der einzige Faktor für einen Operationstermin ist die medizinische Notwendigkeit

der ist gut!!!!!!!!!!!!!!!!!! - ich lach mich gesund!

n. urser
00
15.1.2012, 18:35
tipp

mit ein bisserl schmattes gehts gleich viel schneller

Der Neugierige
03

Aus der Sicht des Kranken:
1) Gkk (zwangsversichert)
2) Gkk + freiwillige, teure Zusatzversicherung
3) MA12 (in Wien) versichert (vom Staat)
4) privat versichert
5) EU- versichert
6) nicht versichert

Für jede Gruppe herrschen unterschiedliche Bedingungen im Sozial + Gesundheitssystem.

Und für die Mehrheit (=Gkk) wird es laufend schlechter...

Der Neugierige
01
Systemerklärung für manche Poster

Es ist in Österreich zu unterscheiden:

1) Spitäler:
1a) öffentlich
1b) privat

2) Niedergelassener Bereich:
2a) Kassenärzte
2b) Wahlärzte
2c) Privatärzte

Diese Bereiche sind äusserst unterschiedlich finanziert und organisiert.

Kritik sollte daher spezifisch geäussert werden:

Der Artikel bezieht sich auf eine Krankenkassenpatientin, welche eine Behandlung in einem Privatspital der Vinzensgruppe wollte. Dies sollte auch die Redaktion deutlicher herausarbeiten!

powerpack
17

es ist aus meiner sicht an und für sich legitim, wenn privatversicherte schneller zu terminen kommen - allerdings darf dies nur in vollkommen privaten geführten institutionen und die OHNE staatliche gelder auskommen, passieren.

in öffentlichen krankenhäusern, die ja von allen patienten bzw. dem staat finanziert werden, ist dies absolut untragbar.

daher ist die wahre zumutung in österreich die unzulässige vermischung von staatlich finanzierten leistungen mit privaten zuschüssen. sowas mit abgestellt werden! es darf für soetwas keinerlei nutzung staatlicher infrastruktur geben.

ps: ein nebeneffekt wäre dann auch, dass diese privatleistungen, da nicht mehr staatlich subventioniert, teurer werden könnten.

RS69
 
01

Wenn das in Kombiunation damit erfolgt, dass man dann das öffenliche System das man dann nich tnutzen kann auch nicht mehr mitfinanzieren muss, wäre das überlegenswert.

Ritzi
 
01

Wer sagt das sie dann das öffentliche System nicht nutzen könnten? Powerpack sagt ja nur das man keinen Vorteil haben dürfte?

Im übrigen würds in der Praxis wohl nicht mal funktionieren das "öffentliche System nicht zu nutzen" - selbst wenn man das wollte. Oder soll die "öffentliche Rettung" dann nichts unternehmen wenn jemand mit der falschen Versicherung verunglückt und müsste derjenige dann warten bis jemand von seiner Privatklinik auftaucht? Und wenn er inzwischen verblutet hat er halt Pech gehabt?

PS: Das ist nicht mal als Unterstützung für powerpacks Post gemeint sondern soll nur aufzeigen das ihr Argument nicht greifen kann da sie sich nicht zu 100% dem öffentlichen System entziehen können!

RS69
 
00

Das Kassensystem würde nicht genutzt - sondern die Leistungen eben von der privaten Versicherung bezahlt.

So wie das jetzt beim Roten Kreuz oder dem Samariter Bund durch die SV passiert, dann eben durch die private.

Ritzi
 
10

kurze Begründung zu meinem vorherigen Post. Ein vielfaches für die Leistungen zu verlangen wäre in dem Fall gerechtfertigt weil die private Versicherung sich ja nicht an der schaffung der Infrastruktur beteiligen würde, sondern nur die vorhande ausnutzen würde und dann halt sagen würde wir bezahlen halt ein bissl was für die Rettungsfahrt. Wenn der Rettungswagen allerdings aus öffentlichen Mitteln bezahlt und instandgehalten wurde müssen diese Kosten selbstverständlich weiterverrechnet werden (und natürlich auch die stehzeiten des Personals). Außerdem - warum die Konkurenz stärken ;-).

RS69
 
00

"Warum sollte eine öffentliche KV jemandem (bzw. dessen Versicherung) der nur in eine private Versicherung einzahlt diesen irgendeine Infrastruktur zur Verfügung stellen?"

* Weil das sowieso durch meine Steuergelder quersubventioniert wird?

* Weil die Leistung sowieso teurer verrechnet wird als den öffentlichen Kassen, und die öffentlichen Kasen sowieso dadurch quersubventioniert werden.

Ritzi
 
00

Doch! Würde es! Außer es kommt tatsächlich eine Rettung oder ein Hubschrauber der nur(!!!) aus privaten Geldern finanziert wurde! Und das stell ich mir eher spannend vor, vorallem wenns flächendeckend und rund um die Uhr in ganz Österreich passieren soll...

Warum sollte eine öffentliche KV jemandem (bzw. dessen Versicherung) der nur in eine private Versicherung einzahlt diesen irgendeine Infrastruktur zur Verfügung stellen? Wenn schon dann zu horenden Preisen, sagen wir das 100fache der tatsächlichen kosten. Wenns billiger ist die Infrastruktur selbst zu schaffen - nur zu!

Übrigens sehen wir am Beispiel Amerika ganz gut das es nicht gut funktioniert wenn die Krankenversorgung privatisiert wird...

RS69
 
00

Welchen Unterschied macht es für die Schlechterverdiener, ob die Infrastruktur aus den Steuern oder den Sozialabgaben der Besserverdiener finanziert wird?

Sarepta
00

Jaja Österreich ist eben das Land der maximalen Ressourcenverschwendung trotz bereits völliger Überlastung des Systems, welches kaum mehr finanzierbar ist. Zumindest im Moment noch gleichen das Spitalsärzte mit einer perversen Anzahl an Wochenstunden aus, noch. In anderen Ländern der EU schockieren derartige Wartezeiten niemanden, dort besteht aber auch keine so ausgeprägte Zweiklassen Medizin...

Anton J. Helmreich
13
also ein bissi aufgepauscht ist die geschichte schon

das ist ein privater spitalsträger - kein öffentlicher.
der termin wurde in einem gespräch relativiert.

ausserdem muss eine private zusatzversicherung die zusätzliches geld kostet schliesslich auch einen zusätzlichen nutzen bringen - wäre dem nicht so, wär diese absurd - oder irre ich mich da ?

systemfehler1
03
In einem funktionierenden System wären

eigentlich Privatversicherungen absurd.
Aber leider haben wir kein funktionierendes System - mehr.

wurm83
 
02
ja und nein! :)

ja sie haben recht die geschichte wurde aufgebauscht!

nein sie haben nciht recht, bei schmerzpatienten darf es bei der wartezeit keinen unterschied bei den versicherungen geben!!!

unterschiede bei der wartezeit darf es bei nicht akuten operationen (nasenkorrektur etc.)

ausserdem können sie ja bei der zimmerqualität, beim essen, serviceleistungen im allgemeinen ...unterschiede machen!

aber menschen die eine akute medizinische versorgung benötigen dürfen NIEMALS aufgrund ihres versicherungsstatus länger warten...nichtmal wenn sie gar keine versicherung haben....

zumindest ich finde so muss das in einem der 10 reichsten länder der welt sein!

Anton J. Helmreich
00
stimme ihnen 100%-ig zu

sehe ber keine widerspruch zu meinem posting - zumindes wars nich anders gemeint

wurm83
 
00
ach ok sry

ich dachte mit:

ausserdem muss eine private zusatzversicherung die zusätzliches geld kostet schliesslich auch einen zusätzlichen nutzen bringen

beziehen sie sich darauf, dass private früher dran kommen sollten (als allgemeine schmerzpatienten)

Trollscore
03

so rasch wie in österreich gibts weltweit ohne sonderklassen bzw privatkostenaufschlag NIRGENDS ct, mr, op, schmerztherapie, etc.

natürlich ist es dramatisch, wenn jemand mit einem dprolaps monate auf eine rehab-therapie warten muss. Andererseits: früher gab es gar nichts. In anderen Ländern gibt es nichts oder mann muss privat dafür aufkommen.

die zustände unseres gesundheitssystems sollen nicht schön geredet werden; andererseits will NIEMAND mehr dafür zahlen. Wenn jeder die neueste therapie für sich beansprucht, alles therapiert haben will und sich im gegenzug genußtechnisch gehen lassen will, wie nur was, dann müssen wir eben endlich tiefer in die tasche greifen.

Nr.3645
01
2klassen: privatversicherung=heute termin; staatskasse=1jahr wartezeit...

so schauts aus und nicht anders. selbst bei BVA und co. wird man vorgezogen. eine reform ist überfällig aber welcher politiker schafft die eigenen privilegien ab?

milli47
01
Ganz so schaut es nicht

aus, denn ich bezahle nicht nur die Zusatzversicherung und die seit Jahrzehnten, sondern auch jeden Monat einen hohen Sozialversicherungsbeitrag. Warum glauben Sie, leiste ich mir die hohen Beiträge?

Nr.3645
01
Zusatzversicherung ist nicht privat???

was bedeuten den 2 (oder mehr) klassen?
hätten sie keine wären sie wohl unterste klasse.
sie versichern sich aber PRIVAT!!! und kommen damit in eine höhere.

ein besseres beispiel für klassenmedizin gibt es doch gar nicht.

bangser
01

Immer noch besser als: Privatversicherung=heute Termin; Staatskasse (wenn überhaupt vorhanden) = GAR KEIN Termin, weil nicht bezahlt.

Nr.3645
00

und was hilfts, wenn nicht jeder bei uns versichert ist? und das beste dabei ist auch noch, dass man darauf erst beim arzt kommt weil benachrichtigung gibt's keine.

ANB0815
00

der Artikel mag fragwürdig sein. Meine Erfahrung ist aber auch, sehr lange auf eine Therapie, gerade bei Fachärzten, in Wien warten zu müssen. Irgendwas, ich bin mir noch nicht ganz sicher was, lässt unseren Gesundheitsapparat nicht richtig funktionieren. Meine Frau z.b. müsste für einen Gyn-Termin 3 Monate warten, ich habe mit Glück vor einem Jahr einen Hautarzttermin bekommen. Gott sei Dank hatte ich noch nichts Akutes.

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