"Grekof soll gewinnen"

2. Jänner 2012, 18:34
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Markus Maurberger hofft bei der Vierschanzentournee auf den ersten Gesamtsieg von Gregor Schlierenzauer, aber auch auf den neuerlichen Erfolg von Andreas Kofler. Als Trainer beider steht er vor einer delikaten Situation

Vergleichen, nein vergleichen will Markus Maurberger den nach den Siegen in Oberstdorf und Garmisch Führenden der Vierschanzentournee und dessen ersten Verfolger nicht. Dabei könnte das der 43-jährige Tiroler wie kein anderer. Er arbeitet mit Schlierenzauer wieder seit eineinhalb, mit Kofler seit zweieinhalb Jahren zusammen - als Stützpunkt-Trainer des SV Innsbruck-Bergisel, vor allem aber als Vertrauter in nahezu allen Lebenslagen. "Sie sind ja fast wie meine eigenen Buam", sagt der verheiratete Vater von zwei fußballspielenden Söhnen. "Die vergleicht man nicht."

Die "Buam" aus dem Stubaital, mittlerweile 21 und 27 Jahre alt, sind seinerzeit auf ihren ehemaligen Jugendtrainer zugekommen. "Ich habe das Metier von der Pike auf gelernt, angefangen mit dem Schanzenbau", sagt Maurberger, der selbst "sehr spät, erst mit Zwölf" mit dem Skispringen begann und drei Jahre später, nach einem Oberschenkelbruch, in Stams auf Kombinierer umsattelte. Ein bei einem Autounfall erlittener doppelter Knöchelbruch machte auch der Zweitkarriere ein Ende. Die erste Karriere abseits des Sports verfolgt Maurberger seit dem 20. Lebensjahr praktischerweise bei den Tiroler Landeskrankenanstalten, konkret in der Verwaltung des Krankenhauses Natters.

Inzwischen ist das nur noch ein 30-Stunden-Job, mehr Zeit verbringt Maurberger, der sich beim SV Natters und dann beim Verein von Ehrenpräsident Anton Innauer fast noch als Jugendlicher selbst der skispringenden Jugend annahm, mit Schlierenzauer und Kofler. Erst seit zwei Jahren auch mit Vertrag beim österreichischen Skiverband (ÖSV) "als Teil des Systems", dem Cheftrainer Alexander Pointner vorsteht. Für das Vertrauen, das ihm der nordische Sportdirektor Ernst Vettori gibt, bedankt sich Maurberger herzlich. Als Ehrenamtlicher hatte er alles in allem zu seinem Tun zunächst noch zuzuzahlen, "aber Gott sei Dank springt ja Geld nicht weit".

Die delikate Situation, dass vor dem Heimspringen am Mittwoch auf dem Bergisel Schlierenzauer, aber auch noch Kofler den Höhepunkt der Saison für sich entscheiden kann, sieht der Coach als neue Herausforderung. "Prinzipiell ist das eine tolle Situation, die Nummern eins und zwei zu haben. Jetzt muss man schauen, wie man damit umgeht." Lenkend einzugreifen, sagt Maurberger, ist undenkbar. So wie es auch ein Tabu ist, mit dem einen über den anderen zu sprechen.

Über sie, aber eben nicht vergleichend, spricht Maurberger, den sie "Maggo" nennen, aber schon. Darüber, dass beide absolute Profis seien, "denen das Skispringen wirklich Spaß macht". Darüber, dass Kofler ein Tüftler sei, der jede freie Sekunde "mit Basteln am Material verbringt". Schlierenzauer habe sich zuletzt auf seine Sprungtechnik konzentriert. "Beim Material ist ihm diese Zeit ein wenig abgegangen." Vor allem in der Anfahrtsgeschwindigkeit gäbe es noch Reserven. Schlierenzauer sei dafür ein Perfektionist in der Analyse seiner Arbeit, einer, "der sich der Realität hingibt. Das ist mit 21 Jahren ein Geschenk, da kann man nur dankbar sein." Maurberger ist auch dankbar dafür, "dass ich sie soweit habe, dass sie gelöster und freier agieren können". Es ist gewiss kein Zufall, dass er die von beiden Athleten oft strapazierte Wendung vom "Beisichbleiben" auch im Repertoire hat.

Wird die Maxime beherzigt, ist am Gesamterfolg von Schlierenzauer-Kofler-Maurberger am Dreikönigstag in Bischofshofen nicht zu zweifeln. Jubeln würde Maurberger ebenso über den ersten Tournee-Triumph Schlierenzauers wie über den zweiten Koflers nach 2010. "Der Grekof soll gewinnen", bringt er den Zwiespalt auf einen für alle Beteiligten locker zu akzeptierenden Nenner. (Sigi Lützow aus Innsbruck, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 3. Jänner 2012)

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    Maurberger, dem die Adler vertrauen.

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    Die Stimmung im Team Österreich ist wie sie besser nicht sein könnte.

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