SPÖ-Streit

Darabos: Eurofighter nicht auf dem Sparplan

2. Jänner 2012, 18:13
  • Artikelbild
    foto: apa/kma

    WISSEN

    Mehr als zehn Jahre nach dem ursprünglich geplanten Termin hat die schwarz-blaue Bundesregierung im Sommer 2001 den Ersatz der als "Übergangslösung" gekauften 24 Saab Draken ausgeschrieben und 2002 die Typenentscheidung getroffen. Es sollten 24 Eurofighter beschafft werden. Angesichts der Hochwasserkatastrophe im selben Jahr wurde die Zahl der Flieger auf 18 reduziert. Der Beschaffungsvorgang wurde im Lauf des Jahres 2003 präzisiert - da Österreich die neuesten Eurofighter haben wollte, die Draken aber veraltet waren, mietete Österreich zwischenzeitlich Schweizer F-5 an. 2007 wurde Norbert Darabos Verteidigungsminister, er verhandelte eine Verringerung der Eurofighter auf 15 Stück und eine wesentliche Reduktion der militärischen Kapazitäten der Flieger.

    Eine gemeinsame Luftraumüberwachung mit Nachbarländern wurde immer wieder angedacht, aus Neutralitäts- und Kostengründen aber stets verworfen. (cs)

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter würde den bisher neutralen österreichischen Luftraum gerne durch Nachbarländer überwachen lassen - Das erstaunt sogar seinen Parteifreund Norbert Darabos

Wien - "Nicht jeder Vorschlag, der gut gemeint ist, ist auch umsetzbar und intelligent." Mit diesen scharfen Worten hat sich Verteidigungsminister Norbert Darabos gegen das "undurchdachte" Ansinnen von SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter gewandt, die Eurofighter einzusparen und zu verkaufen.

In diesem Fall müsste der österreichische Luftraum von den Luftwaffen der Nachbarländer - sprich: von der Nato - überwacht werden. Dies wäre eine Abkehr von der bisher in der SPÖ hochgehaltenen Neutralität. Die Freiheitlichen diagnostizierten daraufhin sofort einen Richtungsstreit zwischen dem früheren und dem aktuellen Bundesgeschäftsführer der großen Regierungspartei: "Das neue Jahr fängt genauso an wie das vergangene - mit einem Tohuwabohu im Verteidigungsministerium", spottete FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl, der "den SPÖ-Truppenversuch, einen Zivildiener zum Heereschef zu machen, für gescheitert" hält.

Verstimmt reagierte aber auch Koalitionspartner ÖVP: "Die SPÖ positioniert sich einmal mehr als Unsicherheitspartei", sagte Wehrsprecher Oswald Klikovits. Österreich habe (auf Drängen der SPÖ) festgelegt, keinen militärischen Bündnissen beizutreten, erinnert Klikovits: "Wenn uns andere Länder verteidigen, würde das bedeuten, dass teilweise fremde Truppen in unserem Luftraum wären. Zudem ist nicht geklärt, was eine fremde Verteidigung überhaupt kosten würde. Kein anderer Staat macht es zum Nulltarif."

Kräuter hatte in der "Tiroler Tageszeitung" gemeint: "Ich denke, in Zukunft ist man als Staat vor allem souverän, wenn man die Schulden im Griff hat und auf Wachstum achtet. Dazu brauchen wir keine Abfangjäger." Daher sollten die von der SPÖ immer abgelehnten und auf deren Betreiben technisch heruntergerüsteten Eurofighter innerhalb der EU verkauft werden, schlägt Kräuter vor. Allerdings: Die von Darabos in einem geheimen "Vergleich" mit der Eurofighter GmbH bestellten Flugzeuge sind Gebrauchtmaschinen aus der ersten Produktionstranche, denen wesentliche Komponenten für einen über die reine Luftraumüberwachung hinausgehenden Einsatz fehlen.

Auf politischen Druck musste das österreichische Überwachungsgeschwader sogar auf die Selbstschutzeinrichtungen und die Radarwarnanlage (die selbst bei den alten Draken zum Standard gehörte) verzichten. Solche Flugzeuge gelten auf dem internationalen Markt als unverkäuflich.

Und selbst wenn ein Verkauf gelänge, dann würde eine Luftraumüberwachung durch Nachbarstaaten teurer als der eigene Betrieb, "das ist doch hundertmal nachgerechnet worden", sagt dazu Ex-Verteidigungsminister Herbert Scheibner dem Standard. Scheibner war jener Minister, unter dem 2002 die Typenentscheidung für den Eurofighter erfolgt ist.

Im Vorjahr wurde bekannt, dass der nunmehrige BZÖ-Abgeordnete und Geschäftsmann Scheibner - Jahre nach seiner Ministerschaft - für den Eurofighter-Hersteller Kontakte im arabischen Raum geknüpft hat. Daraus wurde ein Korruptionsverdacht abgeleitet, aus dem Kräuter nun das Recht zu einem Ausstieg aus dem Eurofighter-Kaufvertrag ableiten will.

Scheibner hält das für "unglaublich, dass sich ein Abgeordneter geradezu wünscht, dass es Korruption gibt. Aber diesen Wunsch werden wir ihm nicht erfüllen. Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen - und ich habe alle Unterlagen vor Monaten der Staatsanwaltschaft übermittelt. Aber ich habe den Eindruck, die hat ein paar wichtigere Dinge zu tun."

Panzerverkauf abgeschlossen

Während der Verkauf der Eurofighter im Heer kein Thema ist, wurde ein anderer Verkauf abgeschlossen: Österreich hat 40 in den Neunzigerjahren aus den Niederlanden beschaffte Leopard-II-Panzer an den Hersteller Kraus-Maffei verkaufen können. Gerüchten, diese Panzer könnten an Kanada weiterverkauft werden, glaubt der zuständige Generalmajor Freyo Apfalter nicht: Die Kanadier hätten die Panzer in Österreich besichtigt und für gut, aber zu teuer befunden. Der Hersteller habe für den Rückkauf mehr geboten.(Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 3.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 196
1 2 3 4 5
ego n
10
wir (Österreich) hat nicht einmal ein paar millionen für ein krankenhaus!

dafür haben wir milliarden für die pleitestaaten!
dafür haben wir milliarden für tunnelprojekte!
dafür haben wir milliarden für das bundesheer!

fredi 1990
10
die wird keiner kaufen!!!!

man sollte sie verschenken!

bildungsferneschicht
24
so viel tamtam wegen 15 blöde flieger.

und das in einem der reichsten länder der welt.
lieber kräuter.sicherheit zum nulltarif gibts nicht.

system1
51
sicherheit und eurofighter

diese beiden begriffe haben aber auch echt nichts gemeinsam.... wer an dieses ammenmärchen noch glaubt. die eurofighter dienten einzig der versteckten finanzierung von schwarz-blau wie man weiß. da diese unsägliche zeit jetzt vorbei ist finde ich es gut, diese sinnlosen milliardengräber wieder zu verscherbeln. man könnte sie ähnlich günstig anbieten wie die buwog-wohnungen. so 11.000 euro das stück.

Hank Williams1
05
was ?

was soll das ??? er will damit eigentlich nur sagen, dass es eine Schande ist, dass eines der reichsten Länder der Welt sich hinterfotzig einfach aus der europäischen Sicherheitspolitik auskoppelt (ausser Schauexerzieren, Musi und Gulaschkanone).
Gerade auf die EF und die Blackhawks wird von einer gewissen Bevölkerungsgruppe und deren Politikern genüsslich hingedroschen, weil sie der letzte Rest an modernem und funktionsfähigem Gerät des ÖBH sind.
Daher:
- restlose Aufklärung des EF deals
- wenn nichts rauskommt= is aber a Ruah
- kein politische Kleingeld mit Sicherheitspolitik
- nie wieder tränendrüsig-betroffenes Lamentieren über das Jahr 1938, solange man eine LRÜ durch andere Staaten fordert
- Ö = keine Sicherheitnutte (oder doch?)

fredi 1990
02
genau deshalb wurde bei der polizei so gespart!

Louis Gara
30

1. ist es schon lustig zu sehen, in welch völlig vertrottelter art und weise die spö wohl gerade versucht von ihren lobbying kinder-soldaten abzulenken...indem man einen völlig idiotischen internen streit vom zaun bricht. gratulation! hat da irgendwer auch nur den ansatz eines masterplans in dieser verkommenen partei?

2. eurofighter hin oder her. kann man eigentlich aus der geschichte der letzten 20 jahre sagen, wie oft wir einer ernsthaften verletzung unseres luftraums ausgesetzt waren? und bedeuten diese 15 ef wirklich eine sinnmachende luftraumüberwachung? oder ist das eh nur augenauswischerei? weil es einfach zu wenig ist um richtig gut aufgestellt zu sein?

weil besser als gar nix kommt mir da komisch vor...

Lünz
06

seit 2008 194 Priorität A Einsätze (also Luftraumverletzung). Auf die letzten 20 Jahre hochrechnen können sie selber.

system1
31
luftraumverletzung

durch heissluftballons. im übrigen: wie oft wurde durch diese einsätze die sicherheit des landes gerettet? wurden feindliche russische (?) bomber abgefangen? wenn ja wieviele? wenn nein, wozu haben wir die ef dann?

Louis Gara
20

ok. und ging davon eine ernsthafte, agressorische bedrohung für die österreichische bevölkerung aus - oder waren das zu 99% einfach unerfahrene piloten oder paraglider, die sich "verflogen" hatten und in geschützte lufträume eingedrungen sind?

kann mich nämlich an keine meldungen erinnern, dass irgendeine ernsthafte militärische handlung irgendeiner nation gegenüber österreich bevorstünde...

DERHETZER1
42
WARUM ICH GÜNSTIGE GEBRAUCHTE F16 FÜR DIE BESSERE LÖSUNG HALTE

vom technologischen standpunkt aus betrachtet war der EF das technisch beste angebot, das am markt verfügbar war. aber leider auch sehr teuer. so mancher poster in diesem forum empfand es als affront, dass die piloten sich einen PDA ans knie schnallen sollten um in der F16 eine moving map verwenden zu können. aber eine günstige gebrauchte F16 mit radarwarner, selbstschutzeinrichtung und moderner bewaffnung scheint mir doch ein ernsthafterer gegner zu sein. wozu man sich den technisch modernsten jet anschaffte und ihn dann seiner selbstschutzeinrichtungen beraubte,wird mir ja für immer ein rätsel bleiben. mit 24 günstigen gebrauchten F16+2 zweisitzern hätten wir eine 24h LRÜ etablieren können.F16-SAVE AUSTRIAN TAXPAYERS MONEY AND BUY VIPER!

uni versalis
10
"vom technologischen standpunkt aus betrachtet war der EF das technisch beste angebot, das am markt verfügbar war."

das hat uns - aus naheliegenden gründen - die öst. bundesregierung aufgeschwatzt. dann gibts aber eine realität dazu...

bezeichnenderweise hat der ef bis heute noch keine technische-operationelle evaluierung gegen seine hauptrivalen (vor allem rafale, jsf) für sich entscheiden können. im gegenteil: oft wurde er in der vorrunde eliminiert.

die im gegensatz zum öst. fall veröffentlichten technischen evaluierungen in den nl, südkorea, brasilien, singapour und schweiz sahen den ef niemals vorne.

auch im einsatz hat der ef bisher noch nicht viel gezeigt. laut der englischen national audit office wird der leistungsumfang des ef zumindest bis 2018 eingschränkt bleiben.

positiv gesehen
05
und wenn wir 24 chinesische abfangjäger bestellt hätten

wäre die anzahl ebenso reduziert worden.

das hat absolut nichts mit dem hersteller zu tun.

zett
00

Das wäre dann aber in der Tat noch wesentlich billiger gewesen...

Standard deviation
01
Denkanstoß

Was Kräuter auftischt ist natürlich Unsinn, aber es
bleibt die Tatsache, dass alle unsere EU-Nachbar-länder auch der NATO angehören. Folglich wäre
es nur konsequent, wenn wir das Neutralitätsgesetz
von 1955 ad acta legen und ebenfalls der NATO bei-
treten. Mit diesem Schritt könnten wir eine gemein-
same Luftraumüberwachung realisieren.

Edmund der Fröhliche
00
Vielleicht outsourcen wir auch gleich die innere Sicherheit aus, hab gehört in Nordkorea gibt es Überkapazitäten.

Und dann sourcen wir noch die Politik aus, hab gehört in Usbekistan gibt es ein paar schlaue Köpf.

aiuto
11
Der Kräuter muß mit seinem Kopf irgendwo angrennt sein,

bevor er das gsagt hat !?

Fremde & Heimat
111
Gottseidank ist der Scrinzi endlich tot!

Warum die Faschos immer so alt werden und dann friedlich entschlummern (Dichand). Wenigstens hat´s den Haider frühzeitig in Stücke gerissen!

Standard deviation
01
Der Tod sollte das Ende aller Feindschaft sein!

Lünz
00

Damit haben sie wirklich allses zum Thema gesagt. Gratuliere. *Ironie!*

Rapyuta
41
Menschen lernen aus Fehlern?

Ok jedem seine eigene Meinung aber aus Fehlern kann man lernen oder?

Denn mit unserem Schicksal stehen wir net alleine da, auch die Griechen haben vor einigen Jahren Unsummen in ihr Militär reingebuttert, zb.: neue U-Boote angeschafft.

Ich nehme es den Menschen nicht übel die ernsthaft an die Bedrohung von außen glauben und so die Eurofighter rechtfertigen, aber wir haben größere Probleme!

Der hohe Schuldenberg und die soziale Ungleichverteilung gepaart mit der unfähigen Legislative kann dafür sorgen das wir zwar net die Eurofighter aber vielleicht unser Heer in einigen Jahren brauchen falls die Eurozone zerbricht bzw. es zum Bürgerkrieg kommt.
Lieber Probleme im Land/EU durch tiefgreifende Reformen angehen dann brauchen wir keine EF

badblackguy.blogspot.com
 
02

warum die Griechen Hightech U-Boote brauchen ist mir ein Rätsel und einfach nur Luxus - Luftraumüberwachung ist eine Notwendigkeit, sie vergleichen Äpfel mit Birnen!

system1
00
warum ist eine wasserüberwachung unwichtiger als eine luftüberwachung?

boote gibts mehr als flugzeuge.

SagServus
02
Ich nehme es den Menschen nicht übel die ernsthaft an die Bedrohung von außen glauben und so die Eurofighter rechtfertigen, aber wir haben größere Probleme!

Zuerst sollten die Leute einmal verstehen lernen das die EF nicht zur Luftraumverteidigung sondern zur Überwachung da sind.

Für eine Luftraumverteidigung müsste man ein vielfaches an Kampfflugzeugen anschaffen.

Trevor Goodchild
21
Raketen wären ungleich effizienter um den Österreichischen Luftraum zu Verteidigen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 196
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.