ORF-General im Wortlaut

"Weder direkte noch indirekte Einflussmöglichkeit"

2. Jänner 2012, 17:50

Alexander Wrabetz warb per Mail an alle Mitarbeiter um Verständnis, dass Direktoren "engste Mitarbeiter selbst auswählen" - Der Brief im Wortlaut

ORF-Chef Alexander Wrabetz warb per Mail an alle Mitarbeiter um Verständnis, dass Direktoren „engste Mitarbeiter selbst auswählen". Es gehe um „persönliches Vertrauensverhältnis, das sich meist über einen längeren Zeitraum entwickelt", erklärte er zu Niko Pelinka als Bürochef. „Selbstverständlich" habe er da „weder direkte noch indirekte Möglichkeit zur Einflussnahme auf die journalistische Tätigkeit im Hause". Der ORF habe ein früher und international "undenkbares" Maß an „Unabhängigkeit, Objektivität, Selbstironie und interner Streitkultur" erreicht. (fid, DER STANDARD; Printausgabe, 3.1.2012)

Wrabetz-Brief im Wortlaut

"Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!

2011 war ein erfolgreiches und ein wichtiges Jahr für den ORF.
Wir haben die Marktführerschaft im Fernsehen, im Radio, im Onlinebereich und in allen Bundesländern klar behauptet. Wir waren programmlich erfolgreich: Wir haben die Österreicherinnen und Österreicher informiert, unterhalten und deren Leben in vielfältiger Form bereichert. Wir haben unsere Senderfamilie mit ORF III und SPORT + erweitert. Wir sind damit auf die Herausforderungen 2012 und der kommenden Jahre sehr gut vorbereitet.

Wir gehen mit einer neuen Struktur und einem motivierten Geschäftsführungsteam in dieses neue Jahr und die neue Geschäftsführungsperiode. Durch die gemeinsam unter großen Anstrengungen umgesetzten Einsparungen sind wir gerüstet für eine programmliche Offensive mit Rahmenbedingungen, die es uns ermöglichen, so viel Geld wie noch nie ins Programm zu investieren. Eine maßvolle Gebührenvalorisierung und die Refundierung der Gebühren-Befreiungen tragen ebenfalls dazu bei.

Wir werden in diesem Jahr 100.000 Stunden Radio produzieren und 40.000 Stunden Fernsehprogramm. Von den 40.000 Stunden Fernsehprogramm sind 10.000 Stunden eigenproduzierte, neue Sendungen. 

Wir präsentieren 2012 die großen Sportschwerpunkte „Olympische Sommerspiele in London" und die „Fußballeuropameisterschaft aus Polen und der Ukraine". Mit „Dancing Stars" und „Die große Chance" haben wir wieder zwei große Eventshows. Wir bieten auch 2012 umfassende Information in allen Medien. Wir zeigen große, neue Dokumentationen und alle wichtigen Kulturereignisse - viele davon live. Das gestrige Neujahrskonzert war ein herausragendes Beispiel. Das einzigartige Zusammenwirken von Redaktion, Regie und Technik hat mehr als 1,2 Millionen Österreicher und 50 Millionen Menschen in 73 Ländern weltweit erfreut. Wir senden zahlreiche, neue Filme und Serien aus Österreich, die erfolgreichen Programme unserer Landesstudios und vieles mehr, um nur einige Beispiele herauszugreifen.

In all unseren Programmen stecken die hervorragende Arbeit und Leistung aller Abteilungen und Direktionen - von den programm- und content-produzierenden Abteilungen in Radio, Fernsehen und Online über die Technik und die Landesstudios bis zu den administrativen, kaufmännischen und programmunterstützenden Abteilungen und den Tochterfirmen.
Für diese, Ihre Arbeit, Ihre hohe Kompetenz und Ihr Engagement für den ORF unter schwieriger gewordenen Rahmenbedingungen möchte ich mich bei Ihnen zu Beginn des neuen Jahres sehr herzlich bedanken. Gemeinsam haben wir unseren ORF fit gemacht für die anstehenden Herausforderungen.

Auf ein Thema, das die hausinterne und auch öffentliche Diskussion während der vergangenen Tage bestimmt hat, möchte ich an dieser Stelle eingehen:
Es wird zu einem personellen Wechsel in meinem Büro kommen. Diesen Wechsel haben wir kurz vor Weihnachten gemeinsam mit ebenso stattfindenden personellen Änderungen in den Stäben einiger meiner Direktoren-Kolleginnen und -Kollegen bekanntgegeben und ich hielt es für richtig, Sie über meine Pläne offen und transparent zu informieren.

Selbstverständlich werden alle Positionen, die per ORF-Gesetz auszuschreiben sind, ausgeschrieben. Ich ersuche aber auch um Verständnis dafür, dass sich sowohl ich persönlich als auch meine Kolleginnen und Kollegen in der Geschäftsführung vorbehalten, sich ihre engsten Mitarbeiter und Referenten selbst auszuwählen. Gerade in Stabsfunktionen geht es nicht nur um Qualifikationen, um die selbstverständlich auch, sondern auch um ein persönliches Vertrauensverhältnis, das sich meist über einen längeren Zeitraum entwickelt. Das war übrigens auch bei meinen bisherigen Büroleitern so, die haben sich nicht nur auf Basis einer Ausschreibung beworben, sondern weil ich sie gefragt habe, ob sie mit mir zusammenarbeiten wollen.

Dessen ungeachtet wurden und werden selbstverständlich alle formal nötigen Schritte und Prozesse eingehalten. Ich habe daher selbstverständlich vor Weihnachten die Ausschreibung der entsprechenden Position veranlasst, bedingt durch die Feiertage wurde diese erst einige Tage später in der "Wiener Zeitung" veröffentlicht. Die Stelle wird natürlich nach Ende der Ausschreibungsfrist besetzt. Die Bürofunktion ist aus historischen Gründen formal als journalistisches Arbeitsbild ausgeschrieben. Selbstverständlich ist Büroleitung in der Generaldirektion keine journalistische Tätigkeit und hat weder direkte noch indirekte Möglichkeit zur Einflussnahme auf die journalistische Tätigkeit im Hause.

Den zweiten Aspekt der Debatte möchte ich auch ansprechen:
Ich denke - und das wurde dem ORF und mir in den vergangenen 5 Jahren von KollegInnen, der Presse und unserem Publikum immer wieder bestätigt und darauf bin ich von allen Dingen, die wir seit 2007 erreicht haben, am meisten stolz - dass wir heute ein Maß an Unabhängigkeit, Objektivität, Offenheit, Selbst-Ironie und auch interner Streit- und Diskussionskultur haben, das im ORF früher undenkbar war und das auch in allen anderen mir bekannten Medien-Unternehmen im In- und Ausland nach wie vor undenkbar ist. Ich garantiere Ihnen, dass dies auch in den kommenden Jahren so bleiben wird.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht in ganz Europa vor großen Herausforderungen. Auch in Österreich hat sich in den vergangenen Monaten die medienpolitische Auseinandersetzung verschärft. Kommerzielle Medienkonzerne und ihre Vertreter versuchen, unser Leistungsspektrum einzuschränken, uns von Zukunftsentwicklungen auszuschließen und uns unsere materiellen Grundlagen zu entziehen. 

Diesen Angriffen haben wir schon in den vergangenen Jahren erfolgreich Widerstand geleistet und können so unserem Publikum ein erfolgreiches umfassendes Programmangebot bieten. Diesen Weg eines modernen öffentlich-rechtlichen Rundfunks werden wir auch in den kommenden Jahren unbeirrt und konsequent fortsetzen.
Ich wünsche Ihnen und uns allen gemeinsam im Sinne unseres Publikums ein erfolgreiches Jahr 2012. 

Ihr

Dr. Alexander Wrabetz"

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 98
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peaceartist
 
00
16.1.2012, 10:00
§ 1 ORF-Gesetz-!! Grundsatz der Freiheit der Kunst !! wie Unnabhängikeit des ORF gefährdert

http://www.youtube.com/watch?v=Z1DJCUZDIvY

(3) Der Österreichische Rundfunk hat bei Erfüllung seines Auftrages auf die Grundsätze der österreichischen Verfassungsordnung, insbesondere auf den !! Grundsatz der Freiheit der Kunst !!, Bedacht zu nehmen und die Sicherung der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, unter Berücksichtigung der Meinungsvielfalt und der Ausgewogenheit der Programme sowie die Unabhängigkeit von Personen/Organen des Österreichischen Rundfunks, gemäß dieses Gesetzes zu gewährleisten.
Die Direktoren (Wrabetz, Kathrin Zechner, Karl Amon, Götzhaber, Grasl) dulden ORF Gesetz Brüche nach Frage bei der Pressekonferenz 15.09.11

Darf/soll ORF über staatliche verfassungswidrige Kunstvernichtung berichten?

peaceartist
 
00
16.1.2012, 10:00
§ 1 ORF-Gesetz-!! Grundsatz der Freiheit der Kunst !! wie Unnabhängikeit des ORF gefährdert

http://www.youtube.com/watch?v=Z1DJCUZDIvY

(3) Der Österreichische Rundfunk hat bei Erfüllung seines Auftrages auf die Grundsätze der österreichischen Verfassungsordnung, insbesondere auf den !! Grundsatz der Freiheit der Kunst !!, Bedacht zu nehmen und die Sicherung der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, unter Berücksichtigung der Meinungsvielfalt und der Ausgewogenheit der Programme sowie die Unabhängigkeit von Personen/Organen des Österreichischen Rundfunks, gemäß dieses Gesetzes zu gewährleisten.
Die Direktoren (Wrabetz, Kathrin Zechner, Karl Amon, Götzhaber, Grasl) dulden ORF Gesetz Brüche nach Frage bei der Pressekonferenz 15.09.11

Darf/soll ORF über staatliche verfassungswidrige Kunstvernichtung berichten?

Fräulein Smillas Geschwür am Zeh
02
11.1.2012, 14:54
BlaBlaMeter

Ihr Text riecht schon deutlich nach heißer Luft - Sie wollen hier wohl offensichtlich etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken.

MartinP
 
02
11.1.2012, 13:19
Fragwürdig

"Selbstverständlich werden alle Positionen, die per ORF-Gesetz auszuschreiben sind, ausgeschrieben."

Da steht fest, wer es wird.
Dann wird - um den Schein zu wahren - alibihalber auch noch ein Inserat geschaltet.

Verlogener geht´s ja nun wirklich nicht mehr.

Helmut
03
10.1.2012, 13:18
Salbungsvolle Worte...

...die mit der Realitaet leider gar nichts zu tun haben. Siehe die Gaesteliste von Im Zentrum am Sonntag. Teilweise wusste man gar nicht mehr, ob das Drehbuch dazu nicht von Grissemann/Stermann stammt. Kein einziger kritischer Gast, sondern fast nur solche von denen man 100% annehmen kann, dass sie keine kritischen Worte finden werden oder koennen. Dafuer blendet man ein Thomas-Bernhard-Zitat ein, das dann von Literaturpapst Assinger mit Kaerntner Urlauten quittiert wird.
Siehe auch das Interview mit Wulff von ARD und ZDF. Die beiden Journalisten fragten punktgenau und mit aller Schaerfe. Keine Grinsepuppen, die von der Materie keine Ahnung haben (Wolf et al. natuerlich ausgenommen).

skip it
01
10.1.2012, 07:52
wenn sich in der privatwirtschaft...

...ein spitzenmanager einen fachlich absolut unqualifizierten persoenlichen liebling in eine spitzenposition hievt, hat er irgendwann ein massives problem.

skip it
03
10.1.2012, 07:48
liest sich wie ein ostermayer diktat...

...(sollte jemand fragen: ja, seit seinen "unabhaengikeits-glueckwuenschen" hab ich an leisen pick auf den herrn).

Ui Jessasna
03
10.1.2012, 11:47
ja, schaut ja prächtig nach Absprache aus,

vor allem das Zurückrudern betreffend der Ausschreibung, "ich brauch keine mache sie aber um den formalen Bestimmungen zu entsprechen..." ist reinster Partei-Slang und Bonzenstil. Kann mir nicht vorstellen dass Wrabez sich persönlich eine derartige dumme Blöße gibt, sowohl im Stil der Schadensbegrenzung als auch in der Auswahl seines "Büroleiters" aus der roten Bubigarnitur. Oder ist sein Büroleiter gar kein "Posten" sondern sein persönlicher Leibsklave? Dann hat ihn die Rudas aber verdammt teuer verkauft, und der Deal verstoßt gegen das "Preistreibereigesetzt" und ist ein bedenklicher Ankauf"....;-))))

Prof. Alois
 
00
Das mit der Selbstironie

hat mir besonders gut gefallen.

Ich kann mir das nur so erklären, dass aus Sicht eines Wrabetz es eben nur progressive Kräfte gibt, die als rekrutierbar gelten, und alles andere jenseits der Vorstellungskraft liegt. Und weil das die anderen nicht immer auch so luzide sehen, muss man dann schon einmal durchgreifen. Denn das öffentlich-rechtliche Wohl der Firma kann ja nur identisch sein mit dem, was das Progressive repräsentiert.

Insofern liegt die Jelinek aber auch sowas von daneben. Eine K ommunistin sollte das nachvollziehen können. Abweichlerin!

Gerfried Leberbauer
05
Zusammenfassung:

Wrabetz gibt zu, dass die Ausschreibung des Jobs ein irrelevanter Formalakt ist. Er hat daran nichts auszusetzen, findet es gut und richtig so.

Für wichtige Posten im Umfeld des ORF-Generaldirektors kann man sich nicht bewerben. Man sollte auch nicht auf entsprechende Ausschreibungen antworten. Solche Posten werden vom GD persönlich und in alleiniger Entscheidung an Vertraute vergeben. Er findet das gut und richtig so.

Der Job des Büroleiters wird aus "historischen" Gründen als journalistischer Posten abgerechnet, obwohl er keiner ist. An dieser steuerrechtlichen Finte will Wrabetz nichts ändern, er findet es gut und richtig so.

Helmut
01
10.1.2012, 13:08
Noch kuerzer...

...Ausschreibungen und deren Inhalt interessieren mich nicht, ich mache, was mir die Freunde vorgeben.

cives
 
02
Fehler zugeben

Leider scheint der Verfasser des Briefes nicht genug Größe zu besitzen, um seinen Fehler zuzugeben, sich zu entschuldigen und darüber nachzudenken, wie er an Glaubwürdigkeit gewinnen kann. Wenn dies noch möglich ist..

materazzi
01

Ohne Stimmen von FPÖ und BZÖ wäre dieser "unabhängige" Herr nie in die Position gehieft worden! Dafür waren die "Ausgegrenzten" gut genug! Soll sich jeder seine eigene Meinung bilden!

materazzi
03

Wer hat das gedacht. Der Wrabetz ist ja noch tollpatschiger als der Wulff!

lola1234
01
schwurbel schwurbel

warum ist der derzeitige/bisherige büroleiter reissnegger nach nur 10 monaten bereits ablösereif?

ich sag's grad raus
02
Bloß keine falsche Besorgnis!

Aber einer gewissen Flughöhe lässt die Schwerkraft der Jobwelt spürbar nach und die Leute fallen eher nach oben.

lola1234
00
mag sein,

ist aber keine antwort auf meine frage.

roli123
00

Lies nach beim ORF: http://orf.at/stories/2096336/

lola1234
00
sorry, da verstehen wir uns einfach nicht.

Leo Baumfeld
11
Funktion der Büroleitung

Ja, ein Direktor soll (ja muss) sich seine Leute selbst auswählen. Im Fall vom ORF hat dieser eine wichtige Funktion zwischen Innen und Aussen. Nach innen muss er Wissen mitbringen, wobei diese Art von Wissen nur durch Erfahrung getragen sein kann und nach aussen muss er Symbolkommunikationskompetenz mitbringen. Nun haben wir das Problem, dass ein 25-Jähriger die erforderliche Erfahrung (also Wissen) einfach nicht mitbringen kann, was die Symbolkommunikationsfunktion beeinträchtigt. Diese aber funktioniert nur, wenn sie von den wichtigsten Umwelten des ORF zugeschrieben wird. Wird sie das? Ich ersuche Sie Herr Generadirektor, dies zu berücksichtigen. Sie können sich ja mit zwei Partner beraten, dem Stiftungsrat und dem Publikumsrat.

Walter J. Ferstl
06
"Wenn die Stunde der Wahrheit gekommen ist, gibt's nur eins: Leugnen, leugnen, leugnen."

(Mitteleuropäische Volksweisheit)

;-)

Danneben Daneben
00
Immerhin nur Männer als Büroleiter

... Da gibt es dann immerhin keine Grapschereien oder sexuelle Belästigungen.

nestroy 21
20
noch nie was von Schwulen gehört ?

byron sully
08

na ja, caligula hat sein pferd zum senator gemacht, da dachte sich wrabetz wohl, er will caligula nicht nachstehen...

materazzi
01

Nur ein Unterschied. Ein Pferd kann kein SPÖ Mitglied sein. Das spricht jetzt doch für den Caligula!

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