"Verteilung der Gelder ist marktverzerrend"

Interview |
  • Pirklhuber: In Österreich gibt es 256 Betriebe, die mehr als 175.000 Euro Förderungen bekommen
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    Pirklhuber: In Österreich gibt es 256 Betriebe, die mehr als 175.000 Euro Förderungen bekommen

Kleinbauern werden in Österreich schlechter behandelt als Großagrarier, kritisiert der grüne Abgeordnete Wolfgang Pirklhuber

Standard: Mit Ausnahme vom Bio-landbau ist Österreichs Agrarwirtschaft nicht besonders grün. Auch die Förderungen fokussieren nicht darauf. Schlecht?

Pirklhuber: Ja, wir brauchen eine ökosoziale Agrarwende, um das Bauernsterben massiv einzubremsen und um die Herausforderungen Klimaschutz, Biodiversität und Qualität der Lebensmittel zu meistern. Gerade Österreich wäre prädestiniert dafür, eine entsprechende Vorreiterrolle zu spielen. Leider bleibt es bisher bei Lippenbekenntnissen. Seit 2009 gilt sogar ein Förder-Einstiegsstopp für Neubetriebe in den Biolandbau.

Standard: Werden große Betriebe bevorzugt?

Pirklhuber: Solange die Agrarzahlungen in Europa nicht stärker auf die Arbeitskräfte auf den Bauernhöfen bezogen sind, sondern auf die Flächenausstattung, ist es klar, dass die großen Betriebe besonders profitieren. In Österreich gibt es 256 Betriebe, die mehr als 175.000 Euro Förderungen bekommen. Die Landwirtschaft erhält in Summe nicht zu viel, aber die Verteilung der Gelder ist marktverzerrend und ungerecht. Etwa 80 Prozent der Agrarförderungen in der EU gehen nur an 14 Prozent der Betriebe.

Standard: Die Agrarmarkt Austria AMA ist eine mächtige Stelle in dem System.

Pirklhuber: Die aktuelle Agrar-Bürokratie lastet wie ein Alpdruck auf der Landwirtschaft. Von vielen Bäuerinnen und Bauern wird das Vorgehen der AMA nur noch als Schikane wahrgenommen. Dass dieser Bürokratie-Wahn nicht immer der EU in die Schuhe geschoben werden kann, hat kürzlich EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos in Richtung Österreich klargestellt, es liege an der Umsetzung im jeweiligen Mitgliedsstaat. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 3.1.2011)

Wolfgang Pirklhuber (50) ist grüner Abgeordneter und Agrarsprecher. Der Oberösterreicher betreibt mit seiner Familie einen Biobauernhof.

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