"Verteilung der Gelder ist marktverzerrend"

Interview | Johanna Ruzicka
3. Jänner 2012, 06:16
  • Pirklhuber: In Österreich gibt es 256 Betriebe, die mehr als 175.000 Euro Förderungen bekommen
    foto: apa

    Pirklhuber: In Österreich gibt es 256 Betriebe, die mehr als 175.000 Euro Förderungen bekommen

Kleinbauern werden in Österreich schlechter behandelt als Großagrarier, kritisiert der grüne Abgeordnete Wolfgang Pirklhuber

Standard: Mit Ausnahme vom Bio-landbau ist Österreichs Agrarwirtschaft nicht besonders grün. Auch die Förderungen fokussieren nicht darauf. Schlecht?

Pirklhuber: Ja, wir brauchen eine ökosoziale Agrarwende, um das Bauernsterben massiv einzubremsen und um die Herausforderungen Klimaschutz, Biodiversität und Qualität der Lebensmittel zu meistern. Gerade Österreich wäre prädestiniert dafür, eine entsprechende Vorreiterrolle zu spielen. Leider bleibt es bisher bei Lippenbekenntnissen. Seit 2009 gilt sogar ein Förder-Einstiegsstopp für Neubetriebe in den Biolandbau.

Standard: Werden große Betriebe bevorzugt?

Pirklhuber: Solange die Agrarzahlungen in Europa nicht stärker auf die Arbeitskräfte auf den Bauernhöfen bezogen sind, sondern auf die Flächenausstattung, ist es klar, dass die großen Betriebe besonders profitieren. In Österreich gibt es 256 Betriebe, die mehr als 175.000 Euro Förderungen bekommen. Die Landwirtschaft erhält in Summe nicht zu viel, aber die Verteilung der Gelder ist marktverzerrend und ungerecht. Etwa 80 Prozent der Agrarförderungen in der EU gehen nur an 14 Prozent der Betriebe.

Standard: Die Agrarmarkt Austria AMA ist eine mächtige Stelle in dem System.

Pirklhuber: Die aktuelle Agrar-Bürokratie lastet wie ein Alpdruck auf der Landwirtschaft. Von vielen Bäuerinnen und Bauern wird das Vorgehen der AMA nur noch als Schikane wahrgenommen. Dass dieser Bürokratie-Wahn nicht immer der EU in die Schuhe geschoben werden kann, hat kürzlich EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos in Richtung Österreich klargestellt, es liege an der Umsetzung im jeweiligen Mitgliedsstaat. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 3.1.2011)

Wolfgang Pirklhuber (50) ist grüner Abgeordneter und Agrarsprecher. Der Oberösterreicher betreibt mit seiner Familie einen Biobauernhof.

Share if you care
9 Postings
Wieso will er denn das Bauernsterben verhindern?

Die "gestorbenen Bauern" fallen doch alle nach oben. Haben meist einen guten Job, riesige Wohnflächen im Grünland und bekommen zusätzlich noch Pachteinnahmen. Denen geht es besser als vorher.

Und die Flächen werden von den Nachbarn gerne gepachtet und helfen denen, die Maschinen besser auszulasten. Also eigentlich profitieren alle davon.

ma, wirklich

hat der Herr Abgeordnete nun endlich das "Schwarzbuch Landwirtschaft" gelesen? z.B.http://oe1.orf.at/artikel/257165/

und wieviele arbeitskräfte (+deren familie) haben die 256 betriebe angestellt

Und wieviel arbeitskräfte sind auf den politiker- biohof offiziell gemeldet?
Ach lieber herr pirklhuber, damit wir alle es verstehen, wieso kleinere betriebe noch stärker gefordert werden müssen, können uns bitte die betriebsvollkostenrechnung, humusbilanz ihres biobetriebes veröffentlichen. Danke.

Ach liebe frau JOHANNA RUZICKA laut einer größeren Studie der rewe- gruppe ist der integriete pflanzenbau in österreich ökologischer und ökönomischer als der ökologische landbau. Da aber gerade der werbetrend auf bio setzt, wird dem entsprechend so verkauft.
Ausserdem wie sollen die bauern bis 2050 die produktion um 70% steigern, um den laut der fao den bedarf decken zu können?

ja ja - der integrierte Pflanzenbau als Feigenblatt der Agrar-/Chemieindustrie. Es geht um eine nachhaltige LW ohne teuren Chemi- und Kunstdüngereinsatz!

Wieso ist dann bio so teuer und jene Lebensmittel, die mit angeblich so teurer Chemie gewachsen sind, viel billiger?
Irgendwas stimmt an Ihrem Argument nicht.

kunstdünger?

Mineraldünger ist z.b. beim stickstoffdünger verwendet man den luftstickstoff nach dem haber-bosch-verfahren oder kali phosphor aus (tage) bergwerke . Die kunst ist dabei fruchtbezogen und bedarfsgerecht umzugehen ... Sie giessen ja auch nicht die blumen bis zum umfallen.

und ihr Hausarzt gibt ihnen kräutertee und hausrezepte der alten schule

Soviel chemie in der medizin können wir nicht verkraften.
Ach was nützt das, das der ökobauer keine pflanzenschutzmittel einsetzt (dafür z.b. das schwermetall kupfer) und später dürfen die mühlen und verarbeiter den gleichen chemiebaukasten verwenden wie es in der konventuellen getreidemehl zufinden ist????

Gehns hörns ma auf mit den "Studien" der Landwirtschaftskammer.

Die sagen alle, konventionell erzeugte Lebensmittel seien gleich wie Bio-Produkte.

Ich sage: Es kommt für den Konsumenten im Endeffekt nur darauf an, was zum Schluss auf dem Teller landet, und DAS hat die Landwirtschaftskammer wohlweislich nie untersucht.

Greenpeace hat aber einmal im Supermarkt eingekauft, und zwar jeweils immer konventionell, und das gleiche Lebensmittel Bio.

Dann wurden beide Einkäufe durch den großen Mixer gedreht, und auf Giftstoffe analysiert.

Fazit: In einem Mittagessen aus konventionell erzeugten Zutaten befindet sich so viel Gift wie im Bio-Essen für einen ganzen Monat!

So ein Blödsinn von wegen "Bio liefert die Erträge nicht" und "Bio verwendet genau so viel Gift".
Bio liefert langfristig genau so viel Ertrag

In Lebensmitteln ist kein Gift. Auch in konventionellen nicht.
Ich mache mir aber Sorgen um den Boden, wenn Biobauern dort ihre Schwermetalle sammeln, die sie mangels moderner biologisch abbaubarer Chemie, verwenden müssen.

Am Ende entscheidet der Konsument, was auf dem Teller liegt. Der scheint das überteuerte Bio nicht so zu mögen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.