Monat für Monat landet Österreich bei der Arbeitslosenstatistik unter den ersten drei, das ist nur die halbe Wahrheit
Der internationale Vergleich verleitet zum Selbstlob. Monat für Monat landet Österreich bei der Arbeitslosenstatistik unter den ersten drei. Die durchschnittliche Arbeitslosenrate in der EU-27 ist doppelt so hoch wie hierzulande. Darauf weisen die heimischen Politiker oft und gerne hin.
Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Die andere ist: Die Arbeitslosenzahlen, die nach Ausbruch der globalen Wirtschaftskrise 2008 explodierten, sind nie auch nur annähernd auf das Vorkrisenniveau zurückgegangen. Zwar gibt es aktuell um 20.000 Jobsuchende weniger als im Dezember 2009, gleichzeitig aber auch um 50.000 mehr als Ende 2007. Winter mit weniger als 300.000 Arbeitslosen wird es auf absehbare Zeit nicht mehr geben.
Optimisten werden jetzt einwenden, man dürfe das Glas nicht als halb leer ansehen. Den Betroffenen wird es aber ziemlich egal sein, dass andere Länder noch deutlich schlechter dastehen. Sie müssen dafür büßen, dass die für schlechte Zeiten gedachten Schuldenobergrenzen auch in guten Zeiten fast gänzlich ausgenutzt wurden. Für Wirtschaftsimpulse fehlt nun das Geld.
Beim Schnüren ihres Sparpakets müssen SPÖ und ÖVP darauf bedacht sein, intelligent zu sparen. Nur durch Wachstum werden neue Jobs entstehen. Jede Maßnahme muss auf die Folgen für die Konjunktur abgeklopft werden. Das ist man den 360.000 Arbeitslosen im Land schuldig. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.1.2012)