Ausgegeigt

So überschätzt sind Stradivaris

2. Jänner 2012, 21:00

Der Mythos ist dahin: Ein Blindtest mit Profimusikern brachte ein überraschendes Resultat

Washington/Wien - Gleich zu Jahresbeginn keine guten Nachrichten für die Österreichische Nationalbank - zumindest indirekt. Zur künstlerisch wertvollen Geldanlage hat sich die ÖNB mit edlen Streichinstrumenten aus bestem Hause eingedeckt. Eine neue Studie könnte nun allerdings einen Wertverfall bei Stradivaris und Guarneris bewirken: Profimusiker scheinen nämlich im Blindversuch alte Violinen von neuen Top-Instrumenten kaum unterscheiden zu können und eher neuere Geigen zu bevorzugen.

Zwar spielen alle berühmten Geiger seit dem frühen 19. Jahrhundert eine Stradivari oder Guarneri, und viele Profis behaupten, am Klang des Instruments sofort erkennen zu können, ob es sich um ein neues oder ein altes Top-Instrument handelt. Deshalb versuchen Forscher seit Jahrzehnten die Geheimnisse der großen Geigenbauer des 18. Jahrhunderts zu lüften. War es der Lack? Oder doch das Holz?

Claudia Fritz vom Institut Jean Le Rond d'Alembert in Paris wollte mit Kollegen zunächst aber noch einmal testen, wie es um das Unterscheidungsvermögen von erfahrenen Violinisten wirklich bestellt ist, und lud 21 von ihnen ein, auf insgesamt sechs Geigen zu spielen: auf zwei Stradivaris, einer Guarneri und drei "jungen" Geigen. Das Besondere daran: Der Test fand in einem abgedunkelten Hotelzimmer statt, und die Musiker hatten Schweißerbrillen auf.

Die Musiker sollten im Blindtest die Qualität der Geigen nach Kategorien wie Tonfarbe und Spielbarkeit beurteilen. Sie sollten auch entscheiden, welche der Geigen sie am ehesten mit nach Hause nehmen würden. Zudem sollten sie beurteilen, welche von jeweils zwei nacheinander gespielten Geigen die bessere ist.

In den Tests zeigte sich, dass die Musiker die Geigen im Grunde nicht auseinanderhalten, also die alten nicht von den neuen unterscheiden konnten. Die neuen Instrumente schnitten sogar besser ab, schrieben die Forscher im Fachblatt PNAS. So entschieden sich zum Beispiel nur acht der 21 Musiker, eine alte Geige mit nach Hause zu nehmen, 13 wählten eine neue. Eine der beiden Stradivaris wurde in beiden Tests gar als das schlechteste Instrument bewertet. (APA, tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3. Jänner 2012)

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black jack
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Es wäre ja traurig, wenn moderne Geigen nicht besser als alte wären.

politisch-unkorrekt
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Pardon, aber es müßte sich bereits herumgesprochen haben,

dass Kunstwerke und Antiquitäten auch nichts anderes als "Aktien" sind mit denen - nochdazu - hochspekulativ gehandelt wird. Das ist okay, für Leute die ihr privates Spielgeld einestzen aber wohl nicht für Banken und schon gar nicht für die NB. Unverschämt, und was da wohl wieder an Berater- und Provisionsgeld geflossen ist.

Gummibam aus Surinam
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Nur bloß nicht über I-Bäh verkaufen

http://www.spiegel.de/netzwelt/... 29,00.html

courios
 
01
Prestigeobjekte

sind die Stradivaris allemal. Der Glanz, weil selten und teuer, den diese Geige ausstrahlt erhellt auch den Geiger. Die Kunst ist es ein Instrument richtig "anzusprechen". Das beherrschen die Künstler der Spitzenklasse aber alle. Der Gitarrist Karl Ratzer konnte auf dem schäbigsten Instrument unglaublichen Klang erzeugen.

Einen Unterschied zwischen alten und neuen Instrument zu erkennen wird wahrscheinlich ganz wenigen gelingen.
Ähnlich dem Sommelier der den Wein dem Rebstock zuordnen kann.

Diese gebenedeiten Personen bewegen sich prozentual im Promillebereich. Trotzdem: Ein edles Instrument adelt den Spieler alleine deshalb weil man ihm dieses teure Gerät anvertraut.

Sukram's Panopticum
 
02

Wie war das nochmal gleich bei "Wetten, dass...?"

http://www.zdf.de/ZDFmediat... tte-Geigen

Hier noch eine etwas kompaktere Zusammenfassung der Ergebnisse:
http://www.dradio.de/dlf/sendu... k/1643437/

Interessant ist ja nur, dass der Klang an sich wahrscheinlich schon einzigartig, aber nicht wirklich so dermaßen schön ist, wie man immer tut. So interpretier ich jetzt mal dieses Ergebnis. Und es kommt ja zum Glück immer noch auf den Spieler an. ;-)

No Use for a Name
02

also ich vermute mal, der hat die Aufnahme an sich erkannt (man hört ja nicht nur den Geiger, sondern das gesamte Orchester) uns weiß dann natürlich, wer der Solist ist und welches Instrument der (bei dieser Aufnahme) spielt. Was anderes wäre gewesen, wenn irgendein Geiger mit fünf verschiedenen Geigen gespielt hätte und er dann die Geigen identifizieren hätte können.

Nevim
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Das stimmt, so ist es echt kein großes Kunststück. David Garrett scheint mir überhaupt recht anfällig für Effekthascherei.

stronzl bär
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Was sollte diese antiquierten Instrument denn besser machen als moderne Geigen ??!

RS100
40

zuerst deutsch lernen, dann fragen... ;)))
also, nr 1: antiquiert? das instrument violine wird nach wie vor gleich gebaut... also wenn dann ist sie alt! aber nicht veraltet (was antiquiert bedeutet).
nr 2: holz -> fängt erst nach jahren an zu "arbeiten" und entfaltet dann seine fähigkeiten! oder willst du sagen, dass wein aus dem jahr 2011 besser ist als aus 2000?
nr 3: modern ist so ein wort... modern bedeutet meist kosteneffizienter nachbau vorangegangener ideale. und gerade im synthesizer bereich zeigt sich, dass alte synths begehrter sind als aktuelle. warum? sie klingen besser. warum? weil sie einfach sorgfältiger gebaut wurden und gewisse bauteile erst durch die jahre an individualität im klang gewannen...
noch fragen?

neandertaler
00

ad 2) ein grüner veltliner schon

No Use for a Name
00
also wenn schon kleinlich sein...

dann auch dabei bleiben, dann bedeutet nämlich modern "der Zeit entsprechen, neuzeitlich" oder "in Mode" und nicht "kosteneffizienter nachbau vorangegangener ideale" - das ist Interpretation.
Und daß "gewisse bauteile erst durch die jahre an individualität im klang gewannen" halte ich auch für eine willkürliche Behauptung, wohl eher, daß der Klang älterer Synthesizer geschätzt wird, weil die Effekte noch analog erzeugt wurden.
Und nur weil Wein alt ist ist er noch lange nicht gut.
Noch Fragen?

RS100
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nope, offenbar sind Sie eh profi...
thank you for smoking!

Renzo Pasolini
00
Der Link zu PNAS ist eine klassische Verarschung!

Dort gibt es kein Abstract.

kanvier
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Letzlich...

...kommt es nicht auf einen Schätzwert an sondern ob es auch jemanden gibt der bezahlt, was das Ding wert sein soll. Ich frage mich oft bei sogenannten Fanartikel, was die Leute da bezahlen? Irgendwie erinnert mich das an einen schwunghaften Reliquien-Handel mit frei erfundenen werten. Anscheinend brauch die Menschen sowas!

trollkind
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alles nur eine frage des standpunktes

eine stradivari ist, wie auch (z.B.) ein bentley oder ein kilo gold, NICHTS wert.

wert ist relativ, ich würde für eine stradivari keine 50cent zahlen - eine zigarette wäre mir jetzt gerade einen euro wert.

lg
dein trollkind

Chemist88
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erstmal nachdenken

für Fachzeitschriften muss man bezahlen, der Link passt nur haben die meisten keinen Zugriff.

astemp79
42
Der "Test" kann gleich weiter in die Tonne wandern.

Denn so etwas macht man nicht in einem Hotelzimmer - einem kleinen Räumchen, mit Bett und anderen Möbeln vollgestopft, mit Bettzeug, Teppich und Tapete, die jeden Klang (Obertöne) schlucken.
So ein Unsinn! Welches Instrument sollte in so einem Raum einen Klang entwickeln können? Welcher Musiker könnte da eine Stradivari von einem Lerninstrument unterscheiden und den Klang einer Violine wirklich bewerten? - Keiner, auch nicht der bestgeschulte!

Groooße Tester, wahrlich ... oder: vielleicht nicht ganz neutral? ob da eventuell ein Geigenbauer der neuen Instrumente einen kleinen Test-Auftrag gegeben hat???

Alexander Patjomkin
00
Sie haben völlig Recht..

Den gewaltigen Unterschied im Klang (derselben Trompete) nach Raumbeschaffenheit habe ich selber mit Erstaunen erfahren. Gute Instrumente können ihr Können nur im entsprechenden Raum entfalten.

SK26
00

dann ist nicht das instrument auschlaggebend sondern der Raum...also ist nicht die Stradivari Millionen wert sondern die erlaubnis in einem Schallarchitektonisch perfektionierten Raum (zb Konzertsaal) zu spielen. Wenn das instrument nur dort gut klingt, ist der Raum wertvoll und nicht das instrument...

W_O_L_F_G_A_N_G
01

Stellen sie sich mal ein Rennen eines Formel-1 Wagens ihrer Wahl gegen einen Lada Taiga vor.

Auf einer schlechten Forststraße im Winter.

Klingelt's?

SK26
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es ging hier nämlich nicht um einen leistungsvergleich, sondern um das pure *erkennen*, sitze ich in einem Ferrari oder sitze ich in einem Traktor dafür ist es völlig egal ob das auf einem feldweg oder auf dem Nürburgring geschieht! GERADE auf dem Feldweg sollten man sofort erkennen dass man in einem ungeeigneten Vehikel sitzt...offensichtlich kann man aber nicht so einfach auseinanderhalten worum es sich handelt...ergo besteht kein so rießen unterschied, wenn überhaupt wird die stradivari sogar schlechter bewertet ^^

ChesneyB
10
18.1.2012, 18:49

Der Vergleich hat offenbar nicht geholfen. Sie haben es noch immer nicht kapiert.

SK26
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blabla...ein Ferrari wird gegen einen Traktor verlieren wenn es darum geht ein Feld zu ernten, und ein Traktor verliert gegen einen Ferrari auf der Rennbahn, aber wissen sie was? Ich werde trotzdem erkennen ob es ein Ferrari ODER Traktor ist, egal ob

auf einem Feld oder auf einer Rennstrecke...hier geht es um etwas anderes als dieses auf diesen Fall bezogenes Äpfel-mit-Birnen-vergleichen Beispiel. Wenn sie die Augen verbunden haben und hinter dem Steuer nicht merken ob sie (auf der Forst straße) in einem Ferrari sitzen, oder ob sie in einem Traktor sitzen, können sie davon ausgehen dass kein so großer unterschied wie proklamiert zwischen beiden besteht, verstehen sie das? sie machen kein rennen zw traktor und ferrari, sondern sie setzten sich hinters steuer mit verbundenen augen, und fahren eine runde, und dann sollte man erkennen OK hier sitze ich in einem Traktor bzw aha hier sitze ich in einem sündhaft teuren italienischen sportwagen, tja aber der unterschied wurde eben nicht erkannt

WikiPeda
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vielleicht sollten sie links und rechts argumentieren,

denn hinten und vorne haben sie keien ahnung! :o)

ich schätze, dass für den test eine suite gebucht wurde mit dementsprechender raumgröße und nicht so ein 3-sterne-15 m2 flughafenhotelzimmer. die violinspieler sind profis, die können die haptischen und klanglichen eigenschaften sicher einschäten, auch nicht unter optimalen akustischen bedingungen. 90 % ihrer zeit verbringen sie in übezimmern und nicht in konzertsälen. die haben schon erfahrung mit kleinen räumen.

sturmy
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Mist, i trog meine ins Pfandl...

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