Fall Pelinka

Job-Politik nach der Lenin-Doktrin

Kommentar der anderen | 2. Jänner 2012, 18:23
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    Rhetorische Luftblasen vor der Parteifassade ...

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    ... und wenn die Luft dann heraußen ist, ist der richtige Mann am richtigen Platz, wie Pelinka.

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    Peter Weibel

Die Ausnahme wird zum Regelfall, die Besetzung von Posten ohne Ausschreibung wird Routine: eine Verhöhnung der Demokratie - und die Bürger zahlen dafür gleich mehrfach - Von Peter Weibel

Der Fall Hypo Alpe-Adria ist ein Symptom für das Ausmaß der flächendeckenden Verflechtung zwischen Politik, Wirtschaft und Kriminalität in Österreich. Von Strasser bis Grasser beobachten wir Politiker, die in Malversationen verwickelt sind, die zumindest justitiabel sind. Sie verweisen auf eine Verflechtung zwischen Politik, Kriminalität und Justiz, deren Ausmaß unbekannt ist.

Der Fall Niko Pelinka ist ein Symptom für das Ausmaß der Verflechtung zwischen Politik und Medien in Österreich. Als anlässlich der Wiederwahl von Alexander Wrabetz zum ORF-Generalintendanten die Namen derjenigen Personen kursierten, die als politisches Tauschgeschäft eine Position im ORF erhalten würden, wurde auch Niko Pelinka erwähnt. Selbstverständlich wurde dessen damaliger Nennung als Büroleiter scharf widersprochen, sie wurde in Abrede gestellt, mit einem Hinweis auf Pelinkas Verwendung in der ÖBB. Mittlerweile wissen wir, dass er dort nur zwischengeparkt wurde. Was vor Monaten noch ins Reich der Fabel, Lüge und Verleumdung verwiesen wurde, soll nun Wirklichkeit werden.

Seit Jahren muss der österreichische Staatsbürger zur Kenntnis nehmen, dass Ausschreibungen von Positionen in öffentlichen Einrichtungen und staatsnahen Betrieben nur mehr zum Schein gemacht werden. Ob ORF-Positionen, Feuerwehrstationen, Krankenhäuser, Universitäten, Museen - die Chefposten werden politisch besetzt und vorab ausgemacht. Meistens erhalten Kandidaten, die an der Ausschreibung nicht teilgenommen haben, den Posten.

Verachtung der Demokratie

So groß ist die Verachtung der Politik gegenüber demokratischen Errungenschaften und Gesetzen, dass sie diese schlichtweg verhöhnt, indem sie sie umgeht oder Kandidaten schon ernennt, bevor die Ausschreibung überhaupt gemacht wurde, wie im Falle Pelinka. Der Ausnahmezustand, nämlich eine Position zu besetzen ohne Ausschreibung, soll zum Normalfall werden. Österreichische Politik, ob links oder rechts, hat sich schon immer an Lenins Doktrin gehalten: Der Parteiapparat soll den Staatsapparat maximal durchdringen.

Die Kosten dafür zahlt in Österreich der Steuerzahler auf mehrfache Weise: erstens, indem er die Parteien finanziert, zweitens, indem er die Positionen der Parteimitglieder finanziert, drittens, indem er die Korruption finanziert. Neu ist allerdings die Dreistigkeit, mit der die Politik diese Besetzungspolitik betreibt und nun auch noch die Öffentlichkeit verhöhnt. Wir müssen uns in Österreich offensichtlich daran gewöhnen, dass die Politik nicht die Demokratie schützt, sondern sie demontiert, nicht die Rechtsbrecher bestraft, sondern selbst das Recht bricht.

Wir müssen umdenken. Die Politik sieht sich nicht in der Verantwortung der Interessen der Wähler, das heißt dafür zu sorgen, dass demokratische Rechte und Normen gewahrt werden. Nein, die Politik vertritt die Interessen der Partei und opfert dafür, wenn nötig, die Rechte und Normen der Demokratie. Sollte es der SPÖ tatsächlich gelingen, die ORF-Intendanz zu einen Filiale der Parteizentrale zu machen, indem sie dort Rudas, Pelinka und Co installiert, dann hat Faymann sein Ziel erreicht: Österreich als Mediokratie, einen austriakischen Berlusconismus.

Faymanns Devise, inserieren statt regieren, ersetzte Politik schon immer durch Medienmanipulation. Doch im Falle Pelinka wäre der Faktor der Dreistigkeit auf die Spitze getrieben. Die familiären Verflechtungen der Familie Pelinka in den Medien sind nur die Spitze des Eisbergs weiterer familiärer Verflechtungen zwischen dem Bundeskanzleramt, den Ministerien und der Medienwelt, die längst Gegenstand einer parlamentarischen Anfrage hätten sein müssen.

Wenn in anderen Ländern solche Familienkonstellationen in Machtpositionen beobachtet werden, sprechen die Medien sofort von typischen Anzeichen autoritärer Systeme, von Verwandtschaft als Reproduktion von Elite, von Aussetzung demokratischer Spielregeln. Nur in Österreich werden solche Verflechtungen nicht zur Kenntnis genommen, obwohl sie vor der Haustür liegen.

Soll in Zukunft News Herrn Wrabetz direkt mitteilen, was er tun und lassen soll? Soll News dann im eigenen Medium, wie auch im Medium ORF kommentieren, was Wrabetz richtiggemacht hat? Soll das Bundeskanzleramt die Hofberichterstattung direkt durch die Familie Pelinka im ORF und in News exekutieren wie kommentieren lassen?

Lähmende Verfilzung

Mit Niko Pelinka als Büroleiter von Herrn Wrabetz würde eintreten, was Familienmitglied Anton Pelinka in Die Zeit Nr. 32/11 prophetisch geschrieben hat: "Die SPÖ ist mit dem Boulevard in einem Ausmaß vernetzt, verfilzt, verbündet, dass sie teilweise politisch bereits handlungsunfähig geworden ist." (Peter Weibel, DER STANDARD; Printausgabe, 3.1.2012)

PETER WEIBEL (67) ist Künstler, Ausstellungskurator, Kunst- und Medientheoretiker in Karlsruhe, Graz und Wien.

Zum Thema
derStandard.at/Etat zu ORF und Pelinka

Kommentar posten
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teelose party
20

mich stört in diesem artikel extrem, dass immer undifferenziert von "der politik" gesprochen wird - damit wird politik heute an und für sich deskriditiert - und das ist demokratiegefährdend.

ebenso stört es mich, dass herr weibel auf dem "privaten" auge scheints komplett blind ist - wo werden von ihm private medienverflechtungen und eigentumsverhältnisse kritisiert, die mindestens ebenso bedenklich sind.

schließlich geht herr weibel mit keinem wort auf die aktuellen beschlüsse in europa ein und ignoriert aus demokratiepolitischer sicht zentrale zusammenhänge.

um die demokratie zu sichern, braucht es mehr als ein hinhacken auf "die politik" - nämlich eigenes politisches und kompetentes engagement.

lola1234
11
Supergau

Frau Jelinek und Herr Weibel stellen die Vorgänge als das dar, was sie sind: ein Supergau der Demokratie. Die Herren Wrabetz und Pelinka liefern den greifbaren Beweis. Die SPÖ versetzt sich selbst den Todesstoß. Somit "Bahn frei" für Strache. Der braucht nichts mehr neu zu erfinden. Es reicht, die Personen auszutauschen.

Sarastro1000
12
Danke für diesen Klartext!

Jeder Leser wird diesem Artikel zustimmen können. Und doch: Was wird sich ändern? Leider nichts, wenn es nicht gelingt, in Österreich die Demokratie von Grund auf zu ändern. Ich sehe dazu aber keine geeigneten Initiativen aus der Bevölkerung. Wir alle, besonders aber die Jugend, müssen aus unserer Lethargie heraustreten und politisch initiativ werden. Sonst ändert sich nichts. Leider.

politisch-unkorrekt
01
Klar, exakt, schnörkellos und nachvollziehbar: der Hellsichtigste Artikel zur Lage der Nation 2012

erschien möglicherweise bereits am 3. Jänner. Danke Peter Weibel

Frico
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Warum empört die Bestellung dieses Burschn so? Das ist doch alte Schule dieser Feudalherrn, die sich "Politiker" nennen. Warum sollte ein Wrabetz den anders handeln als ein Landeshauptmann? Da teilen seit Jahrzehnten einige Parteien das Land unter sich auf, der "gemeine Bürger" sieht zu und zahlt deren Rechnungen. Nur die Dreistigkeit, mit der jetzt umgegangen wird, die ist neu. Heute hat keiner mehr einen Genierer. Heute werden Geschäfts- und Parteiinteressen zu 100% den politischen Notwenigkeiten, für die diese Typen ja gewählt wurden, untergeordnet. Der Souverän mutiert zum Stimmvieh, wird mit Wahlzuckerln bei Laune gehalten, immer mehr seiner Rechte beraubt und zahlt zähneknirschend. Dieses Parteiensystem gehört aufgelöst.

Gummi
 
00
Das Wesen der korrumpierten Politik

... Herr Weibel, eine präzise Darstellung, die das Wesen des Politikverständnisses in Österreich auf den Punkt bringt! Leider haben wir uns schon so an diese Verkommenheit gewöhnt, dass viele gar nichts mehr Verachtliches dabei finden. Vielleicht weil ALL DIESE Leute durch dieses korrumpierende System großes geworden sind? ACH ja: Wir sind vom Selbstverständnis ja anders und dadurch besser ...

eilafju
00
Noch viel trauriger stimmt mich,

dass scheinbar auch die leitenden Positionen im schulischen Bereich (Direktoren, ...) nach rein korrupten Kriterien (Parteibuch) vergeben werden, womit sich dann der volkswirtschaftliche Schaden nicht mehr nur auf eine Generation beschränkt (wie in dem hier genannten Fall ORF/Pelinka), sondern - gleich einem Generationenvertrag zu Schadensmaximierung - auf die nachfolgenden Generationen fortsetzt.

Off-Topic: Was mir zusätzlich zu Denken gibt, ist die Tatsache, dass Österreich im internationalen Corruption Perception Index noch auf Rang 16 liegt - d.h. es gibt weltweit nur 15 Länder (von 183) die weniger korrupt sind!

rapunzels frisör
00
Foto Nr.2 hat Symbolwert:

Pelinkas Niko- und niemand ist da, der ihm zuhören möchte!

M K
 
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Alternativen

In der heutigen Ausgabe der Vorarlberger Nachrichten gibt es ein Interview mit Voggenhuber zum Thema Europa zu lesen.

Was ich mir dabei dachte?
Wären die Grüninnen nicht so bekackt gewesen, die Glawischnig zur Chefin zu machen und den Voggenhuber zu Gunsten einer Lunacek (was tut die überhaupt in Brüssel?) zu versenken,
hätte diese Partei angesichts der wachsenden Unerträglichkeit der Rudas-Faymann-Partei, der Jämmerlichkeit der ÖVP und des "Niveaus" der übrigen Opposition Chancen auf ein Wahlergebnis um die 30 Prozent!

Voggenhuber for Parteivorsitz, Glawischnig in die Versenkung!

erinnye
 
00
sehe ich auch so

obwohl ich dem Herrn Voggenhuber seine Aktivitäten gegen einen EU Beitritt Österreichs noch nicht verziehen habe.

flurschaden
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Diese Geschichten

sind ohnehin über die Parteifarben erhaben! Im Parlament wird heftigst und unnötigst gestritten, danach ist man per Du und geht auf ein Bier ... und wir lassen uns dieses Theater vorspielen. à la "du bekommst ein Resort und wir bekommen dafür ..." Wie oft muss sowas noch öffentlich bekannt werden, bevor die breite Masse mal auf den Tisch kackt?

nestroy 21
02
DAS war einmal, das kommt heute fast nicht mehr vor

das alte Salinger/Benya-System hat sich ab 2000 drastisch reduziert, da ist dann in der SP ein undifferenziertes Hass-Gefühl auf alles (fast alles) "schwarze" ausgebrochen, weil da plötzlich die vermutete fiktive "politische Erbpacht" der SP aufs Kanzleramt abgeschafft worden ist.
Und seither wird zwar auch noch gepackelt (no na), keine Frage, aber eben aus puren Vernunft-Gründen und nicht mehr auf der "amikalen" Schiene.

Aung San Suu Tschi
 
00
Und die berühmte Milchbar des Parlaments gibt's gar nicht mehr

der_Mann_von_der_Straße
 
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destroy nestroy

nestroy 21
02
why ?

Wiener Fraggle
10

Also ich finde die Vorgehensweise auch alles andere als "glücklich". Aber davon zu sprechen, dass Wrabetz eine Marionette von NEWS werden würde, zeugt schon von extremer Unkenntnis der Positionen im ORF, Herr Weibel!

nestroy 21
02
nein, stimmt schon, das "Wiener System" heißt ja eigentlich

(wenns "elegant" gespielt wird):
über die Bande spielen,
also quasi indirekt, von hinten herum,
von der "Maschek-Seiten".
Nur ist das "eigentliche Leit-Medium" (DIESbezüglich) nicht NEWS,
sondern FORMAT (Opinion-Leader don't read NEWS)

rari
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damit das Gleichgewicht stimmt...

"Der Fall Niko Pelinka ist ein" WEITERES "Symptom für das Ausmaß der Verflechtung zwischen Politik und Medien in Österreich." Warum ? Mir fällt da nur einmal der Fall Gehrer ein, bei dem man damals unter Schwatzblau nicht so ein Theater gemacht hat.

an kog
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Also wenn ich mir dem seinen Werdegang ansehe, schaut das nach einer ganz normalen Laufbahn aus. Und überhaupt ist der ja nicht der der sagt wo es lang geht.
http://derneue.orf.at/orfstars/... ehrer.html

nestroy 21
10
DAS war eine ganz andere Position & Funktion,

der war/ist Moderator & Reporter, und NICHT in der
Schaltstelle der Zentralverwaltung.

Der Querdenker
162
volles Verständnis

Ich kann ihre Aufregung verstehen Herr Profesor. Im Alter vom Pelikan haben sie und ihre Kollegen noch auf den Tisch gekackt in der Uni-Wien

Stenmurks
03

Bitte das Quer im Nick durch Nicht ersetzen, dann passts schon.

grimsvotn eyjafjallajökull
00

Gleiches Alter, gleiches Niveau, was soll dann dieser Kacker Pelinka im ORF?

Pro Freistaat Kärnten!
 
04
na, das nenne ich eine inhaltlich bedeutsame

replik.
könnte aus dem bundeskanzleramt kommen.

nestroy 21
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Löwelstraße ! is just another changed nick !

Lauras Kampfposter/innen hauen ins Keyboard.

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