Fall der Wachkoma-Patientin Eluana Englaro löste heftige Detatten aus
Rom - Pläne des italienischen Regisseurs Marco Bellocchio, einen Film über einen aufsehenerregenden Sterbehilfefall zu drehen, sorgen für scharfe Kritik in Italien. "Bella Addormentata" (Dornröschen) heißt der Film über das Leben der 2009 verstorbenen Wachkoma-Patientin Eluana Englaro, deren Schicksal Italien entzweit und eine heftige Debatte über das Sterberecht ausgelöst hatte. Die Dreharbeiten sollten am 9. Februar in Friaul, der Heimatregion ihrer Familie, beginnen.
Eluana Englaro ist im Februar 2009 im Alter von 38 Jahren an einem Herzversagen gestorben, das in Folge der Dehydrierung ihres Körpers aufgetreten war. Die künstliche Ernährung und die Flüssigkeitszufuhr waren auf Wunsch der Familie abgebrochen worden. Ihr Vater Beppino Englaro hatte von Italiens Oberstem Gericht die Genehmigung erhalten, die künstliche Ernährung für seine Tochter abzubrechen, die seit einem Autounfall im Jahr 1992 im Koma gelegen war.
Nach Englaros Tod verabschiedete der italienische Senat ein umstrittenes Gesetz zur Einführung einer Patientenverfügung in Italien. Die Vorlage verbietet jegliche Form von Sterbehilfe und untersagt zugleich allen Pflegepersonen, lebenserhaltende Maßnahmen wie Nahrung und Flüssigkeitszufuhr abzubrechen. Bis heute erhitzt der Fall die Gemüter: Der Regionalrat Friauls verabschiedete auf Wunsch der christdemokratischen Partei UDC eine Verordnung, wonach Bellocchios Film keine regionalen Finanzierungen erhalten darf. "Wir wollen nicht verhindern, dass der Film gedreht wird, er darf aber nicht mit öffentlichen Geldern finanziert werden", sagte ein Sprecher der Partei.
Der 71-jährige Bellocchio zählt zu Italiens bekanntesten Regisseuren. Zu seinen erfolgreichsten Filmen zählen "Teufel im Leib", "Der Tag, an dem die Nacht kam" und "Vincere". Im September erhielt er den Goldenen Löwen des Filmfestivals von Venedig für sein Lebenswerk. (APA)