Der künstliche Sternenhimmel über Avignon

Ansichtssache2. Jänner 2012, 16:43
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Die zwei Weltwanderer aus der Steiermark sind inzwischen kurz vor Barcelona und haben viel über Strom und Energie nachgedacht

Die Steirer Rowin Höfer und Marvin Fritz sind auf ihrer Weltwanderung inzwischen kurz vor Barcelona und werfen einen kritischen Rückblick auf Strom und Energie

Wann, wenn nicht jetzt - rund um die Weihnachtszeit, zu Beginn eines neuen Kalenderjahres und nach der Geburt des siebenmilliardsten Erdbewohners - sollen wir über unsere Abhängigkeit vom elektrischen Strom und dem ständig und immer rasanter steigenden Energiebedarf nachdenken? Wann wenn nicht zu einer Zeit, in der unser Stromverbrauch noch höher ist als im restlichen Jahr? In der Zeit, in der neue Vorsätze getroffen werden und viele Regierungen darüber grübeln, wie viele Menschen heuer wieder mit genügend Energie versorgen werden müssen? Wir können nicht gleichzeitig über jegliche Arten der Energieerzeugung schimpfen und selbst immer mehr und mehr Strom verlangen. Viel eher ist die Zeit gekommen, in der wir uns alle intensiv überlegen sollten, wo wir einsparen oder verzichten können.

foto: rowin höfer

Zum Beispiel auf Weihnachtsbeleuchtung - natürlich kann der ganze Kitsch, wie hier in Aix-en-Provence, nett aussehen, doch notwendig und wesentlich für eine besinnliche Zeit ist er sicher nicht.

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foto: rowin höfer

In Avignon wurden paradoxerweise kleine Lichter in einem Netz über Teile der Stadt gespannt, welche an Sterne erinnern sollen, die aufgrund der hellen Stadtbeleuchtung leider nicht mehr zu sehen sind.

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foto: rowin höfer

Die vielen Lichter des Stadtstaats Monaco machen jede Nacht zum Tag, obwohl die Straßen und Gassen in jener Nacht, in der wir durchgingen, wie ausgestorben waren. Der Staat, in dem mehr als die Hälfte der Bevölkerung als Millionäre gelten, kann es sich natürlich leisten, Unmengen an Strom aus Frankreich oder sonst wo einzukaufen.

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foto: rowin höfer

Über riesige Strommasten gelangt der Atomstrom in die Haushalte Frankreichs und Resteuropas.

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foto: rowin höfer

Dabei könnten wir Sonne und Wind noch viel stärker nutzen und dadurch mehr sauberen Strom erzeugen. Wir würden uns selbst weniger vergiften, weniger Menschen ausbeuten und unseren Planeten schonen. Zum Glück haben wir bereits die Möglichkeit, Anbieter von ausschließlich erneuerbarer Energie zu wählen.

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foto: rowin höfer

Es gibt aber genug Ausnahmen: Das GuD- und Ölkraftwerk in der italienischen Stadt Ostiglia etwa verbrennt schweres Heizöl nur zu 50 Prozent. Trotzdem sind seine Schornsteine, aus praktischen Gründen, mit keiner Art von Filtern ausgerüstet. Kein Wunder, dass Gesundheitsdienste in dem Gebiet ein besonders hohes Vorkommen an Krebs und chronischen Lungen- und Atemwegserkrankungen sowie Missbildungen bei Neugeborenen feststellten.

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foto: rowin höfer

Im Abendlicht sieht die gigantische Nuklearanlage Tricastin nördlich von Avignon am Ufer der Rhone fast harmlos aus, die zahlreichen Stör- und Unfälle beweisen leider das genaue Gegenteil. Mehr über unseren Weg vorbei an den Hochrisikoreaktoren ist in unserem bislang letzen Blogeintrag auf www.global2000.at nachzulesen. (Rowin Höfer/Marvin Fritz, derStandard.at, 2.1.2012)

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