Pflichtschullehrer warnen vor Sparpaket: Die Hälfte der Pädagogen wird in den nächsten zehn Jahren in Pension gehen
Wien - Eine Abfuhr holt sich VP-Vizekanzler Michael Spindelegger bei der Lehrergewerkschaft für den von ihm angedachten Aufnahmestopp im öffentlichen Dienst. "Das ist für mich undenkbar", so der Vertreter der Pflichtschullehrer, Paul Kimberger, am Montag.
Lehrer gehen in Pension
Dann könnten nämlich die Stellen pensionierter Lehrer nicht nachbesetzt werden, warnt Kimberger. "Da möchte ich gerne erklärt haben, was wir dann mit den Kindern tun."
Wie ernst Spindeleggers Vorstoß zu nehmen ist, traut sich Kimberger nicht zu interpretieren. Ihm seien aber keine Pläne oder Konzepte dahinter bekannt. Sparankündigen im öffentlichen Dienst gebe es immer wieder, die dazugehörigen Vorschläge würden aber stets nur sehr unzureichend nachgeliefert.
Chancen zur Umsetzung "gleich null"
Im Bildungsbereich schätze er die Umsetzungschancen jedenfalls "gleich null" ein. Die Herausforderung sei vielmehr, die durch Pensionierungen freiwerdenden Stellen nachzubesetzen. "Ich würde mir wünschen, dass sich der Herr Vizekanzler eher darüber Sorgen macht und nicht über Einsparungspläne nachdenkt, die in dieser Art im Bildungsbereich ohnehin nicht umsetzbar sind."
Mit Überstunden könnten die Pensionierungen nicht kompensiert werden, immerhin werde laut der bestehenden Pensionsregelung in den nächsten zehn Jahren rund die Hälfte der Lehrer in den Ruhestand gehen, allein im Pflichtschulbereich seien es 30.000.
Lehrer am Limit
Die Lehrer seien jetzt schon an ihrer Belastungsgrenze, im sonderpädagogischen Bereich müsse bereits der Personalmangel durch Überstunden ausgeglichen werden. Organisatorisch wäre ein Aufnahmestopp bei Lehrern daher "nicht vorstellbar und nicht machbar. Denn was tun wir mit den Kindern in der Volksschulklasse, wo ein Lehrer in Pension geht? Wir können die Kinder nicht alleine lassen, aber ein Lehrer kann sich auch nicht teilen und gleichzeitig in zwei Klassen stehen. Das wird sicher nicht funktionieren."
Ausnahmeregelung für Lehrer
Das Büro Spindelegger ruderte am Montag ein wenig zurück: "Für die Lehrer wird man
auch Ausnahmeregelungen finden", sagte ein Sprecher zur "Presse". Es soll zu einer "Sonderlösung"
kommen, mit der sichergestellt sei, dass trotz der Pensionierungen die
Klassenschülerhöchstzahlen nicht überschritten werden. Das bedeutet
jedoch nicht, dass der Lehrbereich komplett von den
Personalsparmaßnahmen ausgenommen bleibt: "Es wird halt alles etwas
reduziert sein." (APA/red)