"Unser Auspuff macht Musik“

  • Igor Akrapovič, Firmeninhaber des gleichnamigen Sport-Auspuff-Herstellers.
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    Igor Akrapovič, Firmeninhaber des gleichnamigen Sport-Auspuff-Herstellers.

  • Die Fabrik von innen.
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    Die Fabrik von innen.

  • Die Rollerfahrer von heute sind höchstwahrscheinlich die Motorradfahrer von morgen.
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    Die Rollerfahrer von heute sind höchstwahrscheinlich die Motorradfahrer von morgen.

Die einen hassen ihn – die anderen brauchen ihn wie einen Bissen Brot: einen Auspuff von Akrapovič

"Zu Zeiten des Kommunismus gab es keine Motorräder mit großen Motoren. Du konntest sie nicht im Geschäft kaufen, und es war verboten, sie zu importieren", erzählt der Slowene Igor Akrapovič, Firmeninhaber des gleichnamigen Sport-Auspuff-Herstellers in seinem Kundenmagazin. "Wir suchten folglich Slowenen, die im Ausland lebten und wieder zurück nach Slowenien zogen. Die durften Motorräder importieren - und wenn man ihnen genug zahlte, konnte man unter ihrem Namen ein Motorrad kaufen und importieren. Das Problem war nur, dass die Person, die das Motorrad importiert hat, es zwei Jahre lang nicht verkaufen durfte. Deshalb mussten wir mit deren Papieren fahren. Wenn einen die Polizei mit einem Motorrad erwischt hat, das einem nicht gehörte, konnten sie es einziehen - für immer. Darum blieben wir so gut wie nie stehen, wenn uns die Polizei aufhalten wollte. Aber wir hatten gut getunte Motorräder, und es war nicht sehr schwer, davonzukommen."

Nach diesem Beginn, stimmt es nicht wunder, dass Igor Akrapovič bald anfing, Rennen zu fahren. Und rasch begann er, die Motorräder zu tunen. "Ich bemerkte gleich, dass der Markt für gut gemachte State-of-the-Art-Auspuffanlagen sehr klein war", sagt Igor Akrapovič. Und in die Nische, die sich vor ihm auftat, setzte er sich vor rund 20 Jahren. Heute beliefert er mit seinen Endtöpfen, die er erst unter der Marke Scorpio, dann als Scorpion und schlussendlich als Akrapovič verkaufte, vom slowenischen Ivančna Gorica, südöstlich von Lublijana, die gesamte Welt - von den Superbike- und MotoGP-Teams bis hin zu Roller-Connaisseuren wie Kollegen Harald Fidler. Herrn Fidler kennen Sie bestimmt von Etat und Schmeck‘s, langgediente Leser kennen ihn auch als Motorrad-Tester, der keinen Sturz scheute, um die Motorräder im Grenzbereich testen zu können.

Akra meets Vespa

Jedenfalls: Auf seiner gerade erst in die Familie aufgenommenen Vespa thront und dröhnt ein Akrapovič. Doch was macht nun ein slowenischer Sport-Endtopf auf einem Roller? Gehört da nicht maximal ein Polini drauf? Geht es Akrapovič so schlecht, dass sie jetzt auch Roller ausstatten müssen?

"Um ehrlich zu sein, merken wir noch nichts von der Krise", sagt Michel Neven, der von Yamaha zu Akrapovič wechselte und hier nun das Marketing leitet. Akrapovič ist heute extrem breit aufgestellt, hat vor wenigen Jahren den ersten Fuß in die Automobilbranche gesetzt und beliefert inzwischen Porsche und Alpina mit Auspuffanlagen, Letztere auch mit Carbon-Teilen. Und ein weiteres Geschäftsfeld hat sich eben bei den Rollern aufgetan. "Die Rollerfahrer von heute sind ziemlich wahrscheinlich die Motorradfahrer von morgen", heißt es aus dem Marketing, und das ist dann auch schon die Lösung. "Es war vielleicht kein erwarteter Schritt, von der Rennstrecke auf die Champs Élysées und die Straßen von Milano. Aber Akrapovič ist ein Pionier, der mit der Zeit geht und neue Herausforderungen annimmt."

WSBK und MotoGP

Seit 2000 rüstet Akrapovič erstmals alle japanischen Werksteams der World Superbike mit seinen Anlagen aus, 2002 wollten Honda, Kawasaki und Aprilia auch die MotoGP mit den Akras fahren. Aus der Renngeschichte mit Yamaha hat sich nun eine Zusammenarbeit entwickelt, die Akrapovič noch fester ins Geschäft hebt. Die einen bauen die Endtöpfe, die anderen verkaufen sie exklusiv in ihren Geschäften.

Reißenden Absatz finden Nachrüst-Endtöpfe vor allem aus vier Gründen: Weil es Akrapovič sehr gut versteht, die Abgase rasch abzuleiten, entsteht weniger Rückstau im Abgastrakt, das Motorrad hat also auf der Stelle mehr Leistung. Dann sind die Akrapovič-Anlagen stets um ein paar Kilogramm leichter als die Original-Rauchfänge. Und da sind wir auch schon bei Punkt drei: Es scheint fast, als hätten mehr Hersteller einen Vertrag mit Auspuff-Nachrüstern, denn wie lassen sich die so oft wahnsinnig hässlichen Serien-Endtöpfe erklären? Und der vierte Punkt ist der Sound.

Laut muss nicht unangenehm sein
Der scheidet dann auch die Geister. Zwar sind die meisten auf den Motorrädern montierten Akrapovič-Anlagen alle straßenzugelassen - aber nur so lange der db-eater, das Pfeiferl, quasi ein Lautstärken-Reduzierer montiert ist. Der fällt aber nach zwei gekonnt gesetzten Handgriffen gerne schon bei der Montage raus. Dann sind die Röhrln aber wirklich laut. Auch wenn sie dann immer noch gut klingen.

"Es stimmt", sagt Igor Akrapovič, "viele Menschen tauschen ihren Auspuff, weil sie wollen, dass ihr Motorrad besser klingt. Ich glaube, dass Motorräder heute zu schnell sind, was sie gefährlicher macht. Das bedeutet, dass andere Verkehrsteilnehmer Motorradfahrer später bemerken, schwerer reagieren und die Geschwindigkeit abschätzen können." Darum ist Igor Akrapovič auch für sinnvolle Geschwindigkeitsbegrenzungen und "es sollen mehr Anstrengungen in die Qualität als die Quantität des Auspuffklangs gelegt werden. Laute Sounds müssen nicht nervig sein. Es gibt bestimmte Frequenzen, die sehr gefällig für das Ohr sind. Wir legen sehr viel wert auf den Klang und achten immer darauf, dass es keine metallischen Klänge gibt. Unsere Auspuffsysteme müssen Musik für die Ohren machen." Bleibt nur noch zu bemerken, dass wir nicht alle die gleiche Musik mögen, sogar nicht einmal alle Menschen Musik mögen. Schon gar nicht die Akrapovič-Symphonien.

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