Wo der Schnee nie Urlaub macht

    2. Jänner 2012, 16:54
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    Der Klimawandel macht Gletscherskigebiete wie jenes von Hintertux auch im Winter attraktiv

    Im Sommer mögen die Gletscher schmelzen, aber im Winter sind sie schneebedeckt – selbst in Jahren, in denen die Berglandschaften der Alpen wochenlang braun bleiben. Das macht die acht österreichischen Gletscherskigebiete für Skifahrer so attraktiv – so etwa den Hintertuxer Gletscher am äußersten Ende des Tiroler Zillertals, der als einziger 365 Tage im Jahr einen Skibetrieb anbietet.

    Im August und September ist dies ein höchst matschiges Vergnügen. Aber wenn es im Oktober einmal ordentlich schneit, dann zieht der Hintertuxer Gletscher Skifahrer aus ganz Europa an, die nicht bis zum großen Wintereinbruch auf ihre ersten Schwünge warten wollen – Rennteams genauso wie Hobbyfahrer.

    Im Unterschied zu vielen anderen Gletschern bieten die Hänge der Gefrorenen Wand und des Olperer, des höchsten Bergs des Zillertals, auch zahlreiche steilere Pisten, die sich nicht nur fürs Slalomtraining eignen. Und statt einer lästigen Gondelfahrt ins Tal führt eine 12 Kilometer lange Piste zurück zum Ausgangspunkt.

    Teil eines riesigen Skigebiets

    Nicht nur in der Nebensaison, auch im tiefsten Winter herrscht auf dem Gletscher reger Betrieb – er ist dann einfach Teil des riesigen "Zillertal 3000"-Skigebiets, das vom Penken in Mayrhofen und Finkenberg bis zu Rastkogel und Eggalm in Tux reicht. Wer die gesamte "Gletscherrunde" in einem Tag abfahren will, muss 15.000 Höhenmeter hinter sich bringen.

    Von den Tuxer Talstationen geht es mit dem Skibus in wenigen Minuten zur Gletscherbahn, die dann in drei Abschnitten in einer halben Stunde auf 3250 Meter führt. Diese Bahnen wurden in den vergangenen Jahren mit Millionenaufwand zu massiven "Gletscherbussen" ausgebaut: Auf zwei Seilen fahren große Gondeln selbst bei hohen Windgeschwindigkeiten bergwärts; die einst gefürchteten sturmbedingten Abschaltungen sind Geschichte. Zuletzt wurde dieses Jahr ein alter Sessellift im Gletscherbereich zur Achtergondel ausgebaut.

    Bergbahnchef Klaus Denk ist sich der Umweltbedenken gegen den Skibetrieb in dem fragilen Ökosystem wohl bewusst. Er verweist darauf, dass die Technik den Gletscher vor dem Abschmelzen schützt – die Pistenpräparierung deckt das Eis ebenso ab wie die künstliche Beschneiung bis in die höchsten Sphären.

    Gletscherspaltentour

    Einen faszinierenden Blick ins ewige Eis bietet der "Natur-Eis-Palast", eine 2007 vom Bergführer Roman Eder entdeckte stabile Gletscherspalte gleich unterhalb der Bergstation, die seit drei Jahren in Gruppenführungen besichtigt werden kann – dank guter Sicherungen auch für Kinder geeignet und sogar mit Skischuhen begehbar. Ebenfalls besichtigt werden kann das ganze Jahr die Spannagelhöhle, mit zehn Kilometern die größte Felshöhle der Zentralalpen.

    Viele Gäste wohnen weiter unten in Tux und fahren mit dem Skibus zum Gletscher. Der Zillertaler Superskipass gilt übrigens auch in den Skigebieten in Hochzillertal/Hochfügen und der Zillertal-Arena; bloß ist die Anreise von dort oder dorthin schon recht mühsam.

    Wer allerdings eine Hotellerie auf hohem Niveau und einen beschaulichen Urlaub sucht und dafür bereit ist, tiefer in die Tasche zu greifen, der ist in dem kleinen Dorf am Talschluss mit seinen rund 2000 Betten gut aufgehoben. Eine Handvoll Herbergen sind direkt an der Bergbahn, die meisten Hotels stehen im Ort selbst einen Kilometer von der Talstation entfernt, die mit einem regelmäßig fahrenden Pendelbus leicht erreichbar ist – das Auto kann ruhig in der Garage bleiben.

    Whirlpool mit Gletscherblick

    Eines der ältesten Häuser vor Ort ist der Klausnerhof, der vor drei Jahren mit großem Aufwand auf ein ausgezeichnetes Viersternniveau ausgebaut wurde und seither größere Zimmer sowie eine einmalige Wellness-Landschaft bietet. Vom Freiluft-Whirlpool auf dem Hoteldach und vom Außenbecken des Schwimmbads genießt man einen direkten Blick auf den Gletscher.

    Bloß fürs große Ausgehen ist Hintertux ungeeignet. Zwar gibt es einige Après-Ski-Lokale, aber die meisten Gäste verbringen ihre Abende in den Hotels. Und auf dem Berg selbst beschränkt sich die typische Schlagerbeschallung auf die Schirmbar auf dem Sommerberg, der ersten Zwischenstation der Gletscherbahn auf 2100 Meter Seehöhe. In höheren Lagen herrscht trotz ständigen Skibetriebs auffallend viel Ruhe – auch auf der Aussichtsplattform ganz oben auf dem Gipfel. Von dort aus erstreckt sich ein Meer schneebedeckter Gipfel. Da lässt sich der Klimawandel leicht vergessen. (Eric Frey/DER STANDARD/Printausgabe/31.12.2011)

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