Industrie in der Euro-Zone zahlt der Konjunkturabkühlung und der Schuldenkrise Tribut - Einkaufsmanagerindex unter Wachstumsschwelle
Berlin - Die Industrie in der Euro-Zone zahlt der Konjunkturabkühlung und der Schuldenkrise Tribut. Die Geschäfte schrumpften im Dezember den fünften Monat in Folge, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Markit-Umfrage unter 3.000 Firmen hervorgeht. Der Einkaufsmanagerindex stieg leicht um 0,5 auf 46,9 Punkte, blieb aber deutlich unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. "Trotz der leicht abgeschwächten Talfahrt steckt der Industriesektor weiter in der Rezession", sagte Markit-Ökonom Rob Dobson. Die Produktion dürfte im Schlussquartal 2011 um ungefähr 1,5 Prozent gesunken sein. "Dass es im neuen Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit erst einmal so weitergeht, zeigen weitere Details der aktuellen Umfrage", betonte Dobson. Demnach streichen die Betriebe weiter Stellen, bauen ihre Lager ab und kürzen die Einkaufsmenge.
Das maue Neugeschäft könnte vor allem in Deutschland in den nächsten Monaten zu einem Abbau von Kapazitäten führen - "sofern die Nachfrage nach Industrieerzeugnissen 'Made in Germany' nicht wieder anzieht", sagte Dobson.
Zum zweiten Mal hintereinander fuhren in allen von der Umfrage erfassten Ländern die Betriebe ihre Produktion zurück. In Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Österreich und Irland fiel der Rückgang nur verhalten aus, Italien, Spanien und Griechenland vermeldeten hingegen starke Einbußen.
Deutschlands Finanzminister warnt
Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble befürchtet, dass die Herausforderungen für Deutschland angesichts der Schuldenkrise und des globalen Konjunkturabschwungs im neuen Jahr noch größer werden. "2012 wird wahrscheinlich schwieriger als 2011", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung vom Montag.
Die deutsche Wirtschaft sei aber "gut aufgestellt". Es seien "richtige und wichtige Weichenstellungen vorgenommen" worden. Zur Stabilisierung der Eurozone müssten allerdings noch viele Staaten ihre Hausaufgaben erledigen, so Schäuble.
Trotz Euro-Schuldenkrise und eingetrübter Konjunkturaussichten ist 2011 einem Zeitungsbericht zufolge das beste Konsumjahr in Deutschland seit über einem Jahrzehnt gewesen. Die Ausgaben der Verbraucher seien um mindestens 1,2 Prozent gestiegen, berichtete die "Bild"-Zeitung am Montag unter Berufung auf den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Laut dem neuen "Konjunktur Bulletin" des Wirtschaftsverbands sei damit 2011 das "beste Konsumjahr seit mehr als zehn Jahren" gewesen.
Der DIHK rechne auch nicht damit, dass Deutschland wegen des schwierigen konjunkturellen Umfelds vor einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung stehe. Der Verband erwarte sowohl für das vierte Quartal 2011 als auch für das erste Quartal 2012 zumindest eine "schwarze Null", hieß es weiter. (APA/Reuters)