Neue Niederlage für Berlusconis Koalition

10. Juni 2003, 17:39
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Riccardo Illy gewinnt Friaul für das Mitte-links-Bündnis - "Kaffeekönig" will für wirtschaftlichen Aufschwung seiner Heimatregion arbeiten - Mit Kommentar

Triest - Am Tag nach seinem überwältigenden Sieg bei den Wahlen in Friaul Julisch Venetien nimmt sich der neue Präsident des Regionalrats, Riccardo Illy Zeit, zum Feiern. "Ich war nicht der Favorit. Die Mitte-Rechts-Koalition (von Regierungschef Silvio Berlusconi, Anm. d. Red.) hat mich mit Aggressivität über zweitrangige Fragen oder sogar mit Falschheiten angegriffen. Ich habe stets mit Ruhe und mit Tatsachen reagiert", betonte der 47-jährige Spross der bekannten Kaffeerösterei Illy im Gespräch mit italienischen Medien.

"Alte Feindschaften begraben"

Der Linksruck seiner Heimatregion nach fünf Jahren Mitte-Rechts-Regierung ist laut Illy dem Zusammenhalt der Linksparteien zu verdanken. Während der Wahlkampagne hatten die linken Gruppierungen alte Feindschaften begraben und ihn entschlossen unterstützt, um die von Berlusconi und der Lega Nord stark geförderte Rivalin Alessandra Guerra zu stoppen. Dem Linksbündnis schlossen sich auch die altkommunistische Rifondazione und die Partei des Ex-Starermittlers Antonio Di Pietro "Italien der Werte" an. "Dieses Parteienbündnis könnte auch in Rom als Modell für eine Allianz dienen, die Berlusconi stoppen soll", betonte Illy.

"Bestimmt habe ich nichts mit Berlusconi gemeinsam. Ich greife nie an, wenn man mich attackiert. Ich spreche von Programmen, Fakten und Tatsachen. Die Leute haben Versprechen satt", sagte Illy, der verheiratet und Vater einer 20-jährigen Tochter ist. Seiner Frau Rossana widmete er den Wahlerfolg. Nach seiner achtjährigen Erfahrung zwischen 1993 und 2001 als Bürgermeister von Triest sei die Führung der Region für ihn ein neues Abenteuer, sagte er. Die Umstrukturierung der internen Organisation des Regionalrats und der Einsatz für den wirtschaftlichen Aufschwung Friauls seien die Prioritäten seiner fünfjährigen Amtszeit.

Drehscheibenfunktion zwischen Süd- und Mitteleuropa

Sein Ziel für seine Heimatstadt Triest ist es, gemeinsam mit dem slowenischen Hafen Koper und dem italienischen Monfalcone eine neue Drehscheibenfunktion zwischen Süd- und Mitteleuropa zu verschaffen. Vor allem für die österreichische Wirtschaft soll Triest dank größerer Effizienz und moderner Infrastruktur immer bedeutender werden. Als Präsident der Region will Illy auch in Brüssel Druck für den Bau des großen europäischen Korridors 5 machen, der über Norditalien und Triest Lissabon mit Kiew verbinden soll. (APA)

Von Andreas Feichter aus Rom

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Von Christoph Prantner

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La Repubblica

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    Der Kaffee-Industrielle Illy.

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