Prominenter Kunstdetektiv soll Saliera wiederfinden

29. August 2003, 11:14
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Ehemaliges Scotland Yard-Mitglied Charles Hill fand 1994 Edvard Munchs gestohlenes Bild "Der Schrei"

Wien - Wilfried Seipel, Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums Wien (KHM), hat nun den bekannten Kunstdetektiv Charles Hill auf die vor einem Monat aus dem KHM gestohlene Goldskulptur "Saliera" des italienischen Bildhauers Benvenuto Cellini angesetzt. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner aktuellen Ausgabe. Der ehemalige Scotland Yard-Polizist gilt als eine der wichtigsten Gestalten im Kampf gegen den internationalen Kunstdiebstahl.

Bekannt wurde der 56-jährige Brite, der sich bei seinen Ermittlungen auch unorthodoxer Methoden bedient, durch die Sicherstellung von Edvard Munchs Bild "Der Schrei". Das derzeit in der Wiener Albertina ausgestellte Gemälde war 1994 aus der Nationalgalerie Oslo geraubt worden - Hill benötigte damals gerade einmal drei Wochen, um das Bild sicherzustellen.

20 Jahre Scotland Yard

Hill war 20 Jahre lang für Scotland Yard und die Londoner Metropolitan Police in Sachen Kunstraub tätig. Nach seinem Ausscheiden im Jahr 1997 heuerte er vorübergehend beim Versicherungskonzern AXA an, um sich schließlich mit seiner Detektei "The Charles Hill Partnership" selbstständig zu machen. Auf das Konto des ehemaligen Fallschirmjägers geht auch die Sicherstellung von Goyas Gemälde "Dona Antonia Zarate", das 1993 in Irland gestohlen worden war. In kriminalistischer Kleinstarbeit konnte Detektiv Hill die Spur bis zum berüchtigten irischen Kunsträuber Martin Cahill, genannt "The General", zurückverfolgen. Gleich sieben Jahre hindurch hatte Hill, von dem kein Foto existiert, dem 1995 verschwundenen Tizian-Gemälde "Rast auf der Flucht nach Ägypten" nachgespürt, ehe er das Werk den Besitzern retournieren konnte.

Der Privatdetektiv bedient sich im Gegensatz zur Polizei eher unkonventioneller Methoden und benutzt bei seinen Undercover-Operationen verschiedenste Identitäten. Er hat unter anderem den ehemaligen Kunstdieb David Duddin unter Vertrag und kooperiert mit Behörden in aller Welt. "Was immer wir tun, muss angemessen und legal sein," zitiert das Nachrichtenmagazin aus einem der raren Interviews Hills, der allerdings enge Kontakte zur Unterwelt nicht leugne. Die nutzte er auch im Falle des gestohlenen Tizians. Er musste das Gemälde, verstaut in einer Einkaufstasche, im Vorjahr nur noch bei einer Londoner Busstation abholen. Hills Auftraggeber hatten dafür rund 150.000 Euro Lösegeld bezahlt. Die Täter wurden nie gefasst. "Ich bin mehr daran interessiert, Kunstwerke sicherzustellen, als Kriminelle zu fassen", lautete Hills Kommentar.

Bonität von Drogenhändlern

Ähnliches sei auch im Falle der "Saliera" denkbar, heißt es in "profil". Seipel gehe davon aus, dass die Täter die "Saliera" dem KHM früher oder später zum Rückkauf anbieten werden. So würden geraubte Kunstgegenstände eine immer bedeutendere Rolle im internationalen Drogenhandel spielen, indem sie bei großen Transaktionen unter Großdealern inzwischen als Bonitätsbeweis akzeptiert würden. Sollte die "Saliera" in einen derartigen Kreislauf geraten, dürfte es länger dauern, bis die Skulptur wieder im KHM gezeigt werden kann, so "profil".(APA)

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