AUA-Streit: Weiter keine Lösung in Sicht

11. Juni 2003, 13:04
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Die AUA-Führung lehnt den geforderten Konzern- Kollektivvertrag ab

Wien - Bei der AUA sind auch am Dienstag kurzfristig 16 Piloten krank geworden, so dass drei Frühmaschinen nach Brüssel, Sofia und Paris gestrichen werden mussten. Seit Pfingsten mussten insgesamt 40 Flüge infolge von Krankenständen, die mitunter erst eine halbe Stunde vor Check-in angemeldet wurden, gestrichen werden.

Hintergrund dieser vom AUA-Vorstand als Störaktion genannten Maßnahme sind die in Summe 51 gekündigten Piloten bei der AUA. Es handelt sich dabei unter anderem um jene Piloten, die kurzfristig krank wurden. AUA-Betriebsrat Wolfgang Hable wies in einer Pressekonferenz jedenfalls darauf hin, dass es international üblich sei, gekündigte Piloten aufgrund der emotionalen Belastung sofort freizustellen, während sie bei der AUA noch weiterfliegen müssen.

Fronten verhärtet

Während der Betriebsrat von einem neuen kostengünstigeren Gehaltssystem für neu eintretende Piloten nichts wissen will, lehnt der AUA- Vorstand den vom Betriebsrat und der Gewerkschaft geforderten Konzern-Kollektivvertrag für alle drei Gesellschaften - AUA, Lauda Air und Tyrolean - ab. Über die ebenfalls verlangte Übertrittsmöglichkeit innerhalb der Gruppe zeigt sich die AUA gesprächsbereit, sofern die Entscheidung beim Vorstand liegt. Eine pauschale Erlaubnis könne es nicht geben, denn dann würde ein Automatismus eintreten, der alles verteuert. Schließlich müssten die Piloten für die Maschinen auch entsprechende Typ-Ratings absolvieren, die Geld kosten.

Marketing-Vorstand Josef Burger begründet das Nein zum Konzern-Kollektivvertrag mit einer Nivellierung der Personalkosten nach oben. Während nämlich Lauda und Tyrolean marktgerecht agierten, verliere die AUA aufgrund der hohen Pilotengehälter, die um rund 30 Prozent über dem Rest der Gruppe liegen, ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Burger: "Unser Problem ist, dass wir 56 Prozent variable Kosten haben und kein lagerfähiges Produkt. Wir schlitterten von einem Krisen- in ein Kriegsszenario, dann kam Sars, und das alles wurde vom Konjunktureinbruch überlagert. Wir können aufgrund der Nachhaltigkeit mit den Piloten nicht dealen und keine faulen Kompromisse eingehen, zumal das Kostenniveau auf immer weniger Märkten verdient werden kann."

Genug Piloten

Mischkalkulationen gehören der Vergangenheit an, schlicht und einfach, weil sie der Markt nicht hergebe, betonte Burger. Dass die AUA angesichts der Kündigungen nun zu wenig Piloten habe, dementierte der Leiter des Flugbetriebes, Gustav Baldauf. Schließlich seien von den 473 AUA-Piloten derzeit 13 an die Lufthansa Cargo verliehen und zwischen drei und zehn seien Fluglehrer bei Airbus.

Über weitere Maßnahmen, die womöglich bis zum Streik gehen, wollten sich die Betriebsräte nicht äußern. In den nächsten zwei Wochen laufe eine Urabstimmung unter den Mitarbeitern, wo über ein konzernweites Karriere- und Gehaltssystem abgestimmt wird, das in Summe kostengünstiger sein soll als das jetzige. (Claudia Ruff, DER STANDARD Printausgabe, 11.6.2003)

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    Der Konzern-Kollektivvertrag für alle drei Gesellschaften - AUA, Lauda Air und Tyrolean - ist hart umstritten.

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