33 Tote bei Busunglücken in Türkei und Italien

7. Juni 2003, 15:34
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Beide Fahrzeuge gegen Tunnelportale geprallt, beide Fahrer schliefen vermutlich - Insgesamt mehr als 65 Verletzte

Istanbul/Vicenza/Rom/Gladbeck - Bei einem schweren Busunglück in der Türkei sind in der Nacht auf Samstag 27 Menschen getötet worden, darunter auch mehrere Kinder. Mehr als 30 Passagiere wurden verletzt, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Der türkische Überlandbus war 30 Kilometer vor der ostanatolischen Stadt Erzincan ungebremst gegen die Mauer einer Tunneleinfahrt geprallt. Viele Passagiere wurden in dem zerstörten Bus eingeklemmt.

Schlaf am Steuer

Die Behörden gehen davon aus, dass der Busfahrer am Lenkrad eingeschlafen war. An der Unfallstelle wurden nach ersten Ermittlungen keine Bremsspuren gefunden. Der in Sivas losgefahrene Bus war im innertürkischen Überlandverkehr im Einsatz.

Italienisches Busunglück in der Nähe von Vicenza

Ein deutscher Reisebus hat am Samstagmorgen in Norditalien eine Tunnelwand gerammt und mindestens sechs Menschen in den Tod gerissen, unter ihnen zwei Kinder. 38 Reisende wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Die Ursache sei vermutlich ein Sekundenschlaf des Busfahrers, berichtete die italienische Polizei. Der Bus war am Freitag gegen 13.00 Uhr von Bottrop aus Richtung Adria gestartet und sollte am Samstagmorgen Rimini erreichen. Bei den meisten der 67 Reisenden handelt es sich nach Angaben des Gladbecker Busunternehmens Urban-Reisen um Russlanddeutsche und Moldawier.

Aufprall gegen die Tunnelwand

Der Doppeldecker-Reisebus war nahe der Stadt Vicenza gegen 5.30 Uhr bei der Einfahrt in einen wenige hundert Meter langen Tunnel von der Fahrbahn abgekommen und seitlich gegen die Tunnelwand geprallt. Das Fahrzeug schleifte rund 100 Meter an der Tunnelwand entlang und stürzte um, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA unter Berufung auf die Polizei.

Routinierte Fahrer

Die beiden deutschen Fahrer waren nach Angaben des Reiseunternehmens erfahren und routiniert. Einer wurde bei dem Unglück leicht verletzt und erlitt einen Schock. Der Unglücksfahrer hatte nach Polizeiangaben nach einer Ruhepause erst eineinhalb Stunden zuvor das Lenkrad übernommen. Andere Fahrzeuge seien nicht an dem Unfall beteiligt gewesen. Die Sichtverhältnisse seien zum Unglückszeitpunkt gut gewesen.

Der deutsche Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) drückte den Angehörigen und Verletzten am Samstag sein Mitgefühl aus. Die Serie von schweren Busunglücken der vergangenen Wochen zeige, wie notwendig die Verschärfung von Kontrollen und Sanktionen sei. Nachlässigkeit bei der Sicherheit dürfe in keinem Fall mehr hingenommen werden. Im Zweifel dürfe nicht gezögert werden, Unternehmen die Lizenz zu entziehen, sagte Stolpe.

Die Opfer

Nach Stunden waren noch nicht alle Todesopfer identifiziert. Unter den Toten sind eine 38-jährige in der Ukraine geborene Frau sowie ein 66-jähriger in Russland geborener Mann und dessen 8-jährige Enkelin, meldete ANSA. Auch ein 10-jähriger Junge sowie ein Mann und eine Frau im Alter von etwa 60 Jahren seien ums Leben gekommen. Von den Verletzten befänden sich drei in kritischem Zustand, hieß es.

Das Busunternehmen Urban-Reisen existiert seit 1962 und organisiert Reisen, aber auch Gruppen-, Vereins- und Schülerfahrten. In der Sommersaison startet einmal wöchentlich ein Bus in Richtung Adria.(APA/dpa)

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