Chemo- und Strahlentherapie mit Langzeitfolgen

9. Juni 2003, 15:39
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Forscher stellen vermehrte Herzprobleme bei ehemaligen Kinderpatienten fest

Rochester - Forscher der Universität des Rochester Medical Center sind nach der Auswertung zweier Studien zu dem Ergebnis gekommen, dass eine in der Kindheit durchgeführte Krebsbehandlung durch Chemo- und Strahlentherapie die Entstehung von Herzkrankheiten im Erwachsenenalter fördert. Präsentiert wurden die Ergebnisse im Rahmen des jährlichen Treffens der American Society of Clinical Oncology von Co-Autor Steven Lipshultz, Onkologe und Kindercardiologe am Rochester Medical Center, wie die American Cancer Society bekannt gab.

Bisher war bekannt, dass besonders die Chemotherapie mit Anthracyclinen zu Herzmuskelschwäche führen kann. Die Krebstherapie ist jedoch auch mitverantwortlich für die Entstehung anderer cardiovaskulärer Krankheiten wie Atherosklerose (Fettablagerungen in den Arterien), hohen Cholesterinwerten und Bluthochdruck, so die Wissenschaftler. Lipshultz dazu: "Ärzte achten in der Regel nicht darauf, ehemalige Krebspatienten auf andere Herzkrankheiten hin zu untersuchen."

Studie 1

Im Rahmen der ersten Studie verglichen die Forscher drei Personengruppen: 132 Patienten, die in ihrer Kindheit mit Anthracyclinen behandelt wurden oder mit Strahlentherapie in Herznähe; 41 Patienten, die anderen Therapien unterzogen wurden und 59 Geschwister der Patienten aus beiden Gruppen, die selbst nie Krebs hatten.

Jene Patienten der Anthracyclin-Gruppe hatten ein erhöhtes Herzinfarktrisiko durch Atherosklerose. Selbst die Patienten, die mit einer anderen Therapie behandelt wurden, zeigten Herzerkrankungen, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie die Personen der ersten Gruppe, so Lipshultz. Und weiter: "Grundsätzlich sollten alle Patienten, die in ihrer Kindheit gegen Krebs therapiert wurden, in regelmäßigen Abständen auf das Atherosklerose-Risiko hin untersucht werden."

Studie 2

In der zweiten Studie untersuchte das Team 48 ehemalige Morbus Hodgkin-Patienten, die erfolgreich mit Strahlentherapie im Herzbereich behandelt wurden. M. Hodgkin ist eine Erkrankung des lymphatischen Gewebes mit tumorartiger Wucherung. Keine der untersuchten Personen hatte eine bekannte Erkrankung des Herzens und alle gaben an, ihr Gesundheitszustand sei gut. Dennoch entdeckten die Forscher bei etwa 60% der Probanden unterschiedliche Herzanomalien, fanden bei einigen Personen Narbengewebe in der Hauptkammer des Herzens oder entdeckten eine Verengung der Arterien bei körperlicher Belastung.

"Kinder, die eine Strahlentherapie im Herzbereich erhalten, müssen regelmäßig auf alle möglichen Krankheiten untersucht werden", so Lipshultz. Intensive Kontrollen sollten besonders z.B. während einer Schwangerschaft erfolgen oder wenn die Patienten mit regelmäßigem Bewegungstraining beginnen. (pte)

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