Wien soll Europas Drehscheibe für den Bahngüterverkehr werden

6. Juni 2003, 19:55
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Europas Bahnen wollen den Gütertransport vereinfachen, beschleunigen und mit neuen Trassen attraktiver machen - Die Abstimmung soll von Wien aus koordiniert werden

Wien - Europas Bahnen rücken zusammen. Um den dramatischen Verlust an Marktanteilen im Gütertransport zu stoppen, will man insbesondere den grenzüberschreitenden Verkehr auf der Schiene beschleunigen und effizienter machen. Gesteuert werden soll das ganze von Wien aus.

"Wien als Standort für die Zentrale von RailNetEurope wurde wegen seiner geografischen Lage als Schnittstelle zu den EU-Erweiterungsländern gewählt", sagte ÖBB-Infrastrukturvorstand Alfred Zimmermann in einem Pressegespräch am Freitag. Auch der hohe Marktanteil des Schienengüterverkehrs in Österreich - 34 Prozent gegenüber durchschnittlich zehn Prozent in Europa - habe zugunsten von Wien gesprochen.

Bereits im vergangenen Herbst haben sich 18 Schienennetzbetreiber in Europa zur RailNetEurope zusammengeschlossen. Von Österreich ist der Infrastrukturbereich der ÖBB dabei, der nach Plänen der Regierung im Zuge der Bahnreform eine eigene Aktiengesellschaft unter einem Holdingdach werden soll. Mussten bisher bei einem Transport von Italien nach Skandinavien bis zu fünf Verträge mit fünf verschiedenen Bahnverwaltungen abgeschlossen werden, soll künftig ein Vertrag reichen. "Wir sprechen von einem One-Stop-Shop - einem Ansprechpartner, dem der Tag und die Zeit gemeldet wird, wann ein Transport von X nach Y organisiert wird. Und der macht das dann", sagte Zimmermann. Ein Internetauftritt ist in Vorbereitung.

400 Bahnunternehmen

Auch Länder wie die Schweiz oder Norwegen, die nicht der EU angehören, sind dem Bündnis beigetreten und ziehen seither an einem Strang. Ungarn ist über die Raaberbahn mit dabei, Gespräche laufen auch mit den Schienennetzbetreibern in Polen und in Tschechien.

"Während der Lkw immer schon grenzüberschreitend unterwegs war, endete das Denken der nationalen Bahnen bisher meist an der Außengrenze", sagte Zimmermann. "Das muss sich ändern." Gerade für die ÖBB sei eine gute Zusammenarbeit mit anderen Bahnen entscheidend. Immerhin fänden 75 Prozent des von den ÖBB abgewickelten Güterverkehrs grenzüberschreitend statt.

Im Generalsekretariat von RailNetEurope werden ab 1. Jänner 2004, dem offiziellen Starttermin den Projekts, etwa zehn Mitarbeiter koordinierend und kontrollierend tätig sein. Ansprechpartner sind die mehr als 400 Unternehmen in Europa, die über eine Eisenbahnkonzession verfügen und Güter auf der Schiene befördern dürfen. Jedes Jahr kommen dank der Liberalisierung des Schienenverkehrs 30 bis 40 neue Bahngesellschaften dazu. (Günther Strobl, DER STANDARD Printausgabe, 7./8.6.2003)

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