Flachgauer Biogas kommt ins Erdgasnetz

6. Juni 2003, 19:19
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Bei Pilotprojekt in der Flachgauer Gemeinde Seekirchen soll erstmals in Österreich Biogas direkt in das Erdgasnetz eingespeist werden

Salzburg - Aus organischem Abfall Energie gewinnen. So könnte man kurz das Prinzip der Biogasgewinnung zusammenfassen, die schon seit geraumer Zeit auf zahlreichen Bauernhöfen erfolgreich betrieben wird. Dabei wird Gülle, Silage und Grünschnitt vergoren und das entstehende Methangas verfeuert und zur Stromproduktion genutzt.

Der Salzburger Landesenergieversorger Salzburg AG und die auf Umwelttechnologie spezialisierte oberösterreichische Firma "Profactor" wollen nun dieses technologisch relativ einfache Prinzip zur Energiegewinnung im größeren Maßstab weiterentwickeln. Die Idee für eine neue Anlage im Flachgauer Seekirchen sei, "Biogas in das bestehende Erdgasnetz einzuspeisen", erläutert der Projektleiter der Salzburg AG, Thomas Kettl.

Geringere Brennleistung

Doch da beginnen die ersten Schwierigkeiten. Während bei bäuerlichen Anlagen die Qualität des Biogases keine zentrale Rolle spiele, dürften im Erdgasnetz durch das Dazumischen von Biogas die Brenneigenschaften des Gases nicht wesentlich verändert werden. Biogas habe aber aufgrund des hohen Kohlendioxidgehaltes eine wesentlich geringere Brennleistung, erklärt Kettl. Daher will die Salzburg AG das in Seekirchen gewonnene Gas derzeit noch nicht in das Haushaltsnetz einspeisen, sondern im städtischen Heizkraftwerk Mitte zur Stromerzeugung nutzen.

Nach den vorliegenden Planungen sollen so etwa 150 Kubikmeter Erdgas pro Stunde substituiert werden. Das entspricht rund 1,5 Prozent des Salzburger Gasverbrauches im Sommer. Da im Winter zu wenig organischer Abfall anfalle, dürfte die Anlage laut Kettl nur etwa drei Viertel des Jahres in Betrieb sein. Als längerfristige Vision gehen die Experten der Salzburg AG davon aus, dass bis zu 20 Prozent des gesamten Gasverbrauches über Biogasanlagen abgedeckt werden können.

Noch kein Einspeistarif für Ökogas

Wirtschaftlich rechnen dürfte sich das Experiment für die Salzburg AG vorerst freilich nicht. Für das Biogas seien zwar Leitungsgebühren zu entrichten, "im Gegensatz zum Ökostrom gibt es aber noch keinen eigenen Einspeistarif für Ökogas", so Kettl. Die Salzburg AG hofft aber, dass bei der zuständigen Behörde des Wirtschaftsministeriums bald eine Entscheidung für einen Ökogastarif fällt.

Trotz der nicht geregelten Frage des Einspeistarifes will Kettl aber noch heuer mit dem Bau der Anlage beginnen. Mit den Bauern im Umkreis von zehn Kilometern wurden bereits Lieferbedingungen verhandelt. Sie erhalten pro gelieferter Tonne Gülle zwischen drei und fünf Euro. Pro Jahr würden dann rund 33.000 Tonnen Gülle vergoren. Der dabei entstehende Abfall kommt als hochwertiger, geruchsneutraler Dünger wieder zurück auf die Felder. (neu, DER STANDARD Printausgabe 7/8.6.2003)

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