Kontra kürzere Schulferien: Besser im Stück

6. Juni 2003, 18:23
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Von Johanna Ruzicka

Für das Aufdröseln der großen Ferien in kleinere Einheiten können nur die großen Leute sein, und eigentlich nicht mal die. Wer je den berührenden Entwicklungsschub miterlebt hat, den der Nachwuchs über den Sommer, fernab der schulischen Zwänge, erfährt, bleibt dabei: Große Sommerferien sind einfach die coolere Variante, der Lichtblick jedes Schülers.

In dieser lustvollen Zeit des Nichtstuns fällt nicht nur stressiger Ballast ab, dem unsere Kinder in hohem Maße ausgesetzt sind. Auch vieles vom Lernstoff, der sich übers Jahr angesammelt hat, geht unwiederbringlich verloren. Und das ist gut so! Gestärkt von neun Wochen ohne oder mit geringer intellektueller Anstrengung, ist wieder Platz im Hirn, ist - hoffentlich - wieder Lust auf Neues da. Das, was an Unterrichtsstoff über den langen Zeitraum schlichtweg vergessen wird, ist - das muss man leider sagen - sehr oft auch das, was wert war, vergessen zu werden. Das, was vom Schulstoff des vorigen Schuljahres im Gedächtnis hängen bleibt, geht in die Bildung des Kindes ein. Das sollte idealerweise das Ziel der Schule sein: Schaffung von Bildung - nicht auf Abruf angesammeltes schulisches Wissen.

Logistisch ist es für berufstätige Eltern, die über vier Wochen Urlaubsanspruch verfügen, gleich schwierig - egal ob die Ferien mehr oder weniger en bloc oder als Fleckerlteppich konsumiert werden. Die rund zwölf Wochen, die Schulkinder in Österreich übers Jahr zu Hause sind, gehören gemanagt, keine Frage.

Das einzige Argument gegen die großen Ferien könnte von den Schulen selbst kommen: Es ergibt keine gute Auslastung, wenn Bildungsinstitutionen mehrere Wochen geschlossen sind. Dazu ein Vorschlag: Staffelung der großen Ferien zwischen den Monaten Mai bis September.(DER STANDARD, Printausgabe, 7./8./9.6.2003)

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