"Ich wünschte, es gäbe keine Presseförderung"

9. April 2004, 16:03
6 Postings

Oscar Bronner, STANDARD-Herausgeber, über Medienpolitik, Medienkonzentration und Qualitätsjournalismus in Österreich

Oscar Bronner, geboren 1943, kann mit Sicherheit als einer der Mitbegründer des Qualitätsjournalismus nach 1945 in Österreich angesehen werden. Der heute 60jährige Herausgeber und Chefredakteur des STANDARD machte sich vor allem mit der Gründung der Magazine "Trend2 und "profil" Ende der 70er Jahre und der Tageszeitung DER STANDARD 1988 einen Namen.

"Eine Zeitung muss der Wahrheit verplichtet sein"

"Eine Zeitung muss der Wahrheit verplichtet sein“, denn nur dann kann sie als vierte Macht im Staat, als Instrument der Machtkontrolle und nicht der Machtausübung dienen. Dieser Grundsatz spiegelt sich auch in den von ihm herausgegebenen Blättern wieder. So besteht Bronner auf dem Postulat der Trennung von Bericht und Kommentar, denn selbst wenn dies schon allein auf Grund der Wortwahl nicht zu 100 Prozent einhaltbar ist, so ist sie doch notwendig um dem Leser sich sein eigenes Bild machen zu lassen. Meinungen, auch kontroversielle, gehören in den Kommentarteil.


Das größte Problem des Journalismus sieht Oscar Bronner in der Medienkonzentration, welche Österreich zum Schicksal einer "medienpolitischen Bananenrepublik" verdammt. Die "Mediamil" (Fusion der News-Gruppe mit einer Tochter der Kurier-Gruppe und Verflechtungen zur Mediaprint) beherrscht über 60 Prozent des Zeitschriften- und Zeitungsmarkts in Österreich, was ihr Kostenvorteile bei Synergien im Vertrieb und Druck gegenüber den restlichen 40 Prozent des Marktes bringt, die widerrum in Konkurrenz zueinander stehen.

Bronner über die Presseförderung

Ein weiteres Mittel für massive Wettbewerbsverzerrung sei auch die Presseförderung des Bundes. Diese wäre, laut Bronner, ohne Marktkonzentration gar nicht notwendig. "Ich wünschte es gäbe keine Presseförderung, sondern Rahmenbedingungen die sie nicht notwendig machen würden", sagt Bronner und spielt damit auf mehrere EU-Staaten an, die mit liberalen politischen Schritten, wie der Aufhebung der Mehrwertsteuer auf Tageszeitungen oder über die Förderung von Postgebühren, den Wettbewerb fairer gemacht haben.

"Gute Journalisten werden immer gute Jobs bekommen"

Auf die Frage eines Studenten, was man bei einer derartigen Marktkonzentration, die unabhängigen Journalismus beinahe unmöglich macht, und der momentanen rezessiven Wirtschaftslage als junger Journalist tun könne, verwies Bronner zynisch darauf, daß es nicht einfach sei, es zur Zeit seiner Blattgründungen aber auch nicht gewesen sei.

Man solle sich aber von der Situation nicht abschrecken lassen wenn man die Grundvoraussetzung für gute journalistische Arbeit mitbringt, nämlich Neugier. Denn "gute Journalisten werden immer gute Jobs bekommen."

Ansichtssache

"Elder Statesmen"
6. Juni: Oscar Bronner


Von Andreas Besenböck.

Der Autor ist Teilnehmer der Lehrveranstaltung "Elder Statesmen" am Institut für Publizistik- und Kommunikations- wissenschaft.
  • Artikelbild
    foto: alina weidmann
Share if you care.