Exporteinbruch beförderte Schweiz in die Rezession

6. Juni 2003, 17:50
posten

Die Schweizer sind geschockt: Zwei Quartale in Folge ist die Wirtschaftsleistung des Landes geschrumpft

"Die Schweizer Wirtschaft befindet sich im Krebsgang." Wirtschaftsminister Joseph Deiss musste eingestehen, dass die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2003 um ein Prozent geschrumpft ist. Zudem musste das Schweizer Wirtschaftsamt Seco auch die Zahlen für das letzte Quartal 2002 deutlich nach unten korrigieren - auf minus 0,7 Prozent. "An diesen Zahlen gibt es nichts zu beschönigen", so Deiss. "Die Schweiz ist in eine Rezession geschlittert."

Exporte eingebrochen

Hauptgrund ist der dramatische Rückgang bei den Exporten - Minus neun Prozent in der Berichtsperiode. Namentlich die Lieferungen in die EU gingen wegen der Konjunkturschwäche und wegen des hohen Frankenkurses stark zurück. Dies lässt sich am Beispiel der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie zeigen: Die wichtigste Schweizer Exportindustrie erarbeitet zwei Drittel ihrer Umsätze im Euroraum; 2002 brachen die Umsätze um zwölf Prozent ein, 15.000 Angestellte verloren innert Jahresfrist ihren Job.

Doch auch die Binnenkonjunktur macht den Schweizer Ökonomen Sorgen: Die Investitionsausgaben sanken nach Angaben von Seco um 1,3 Prozent, und der Konsum der Privathaushalte und des Staates stieg gerade noch um rund ein Prozent; dies, nachdem der private Konsum in letzter Zeit immer eine wichtige Stütze der Wirtschaft gewesen war.

Nullwachstum 2003

Für das Gesamtjahr 2003 rechnen die Behörden nun offiziell mit einem Nullwachstum. Immerhin steht die Schweiz in Sachen Arbeitslosigkeit nicht so schlecht da: Rund 140.000 Arbeitslose be 4. Spalte deuten eine Quote von weniger als vier Prozent.

Als Ausweg aus der Krise setzt Deiss nicht auf kurzfris^tige Investitionsprogramme, sondern auf wirtschaftspolitische Reformen: "Nachholbedarf stelle ich vor allem in binnenwirtschaftlich ausgerichteten Wirtschaftszweigen fest", so Deiss. "Hier muss der Staat den Anpassungsdruck herbeiführen." (DER STANDARD Printausgabe, 7./8.6.2003)

Klaus Bonanomi aus Bern
Share if you care.