Wienerberger-Streubesitz wird demnächst größer

6. Juni 2003, 18:51
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Um rund zehn Prozentpunkte - Mutter Koramic soll von der Börse genommen werden

Wien - Der Streubesitz an dem in Wien notierten Ziegelhersteller Wienerberger wird sich in absehbarer Zeit um zehn Prozentpunkte auf rund 63 Prozent vergrößern - sollte das Anlegerpublikum in Belgien auf ein von den Koramic-Eigentümern gelegtes Umtauschangebot eingehen. Die Korfinco, Hauptaktionärin der Koramic Building Products bietet an, sechs Wienerberger-Aktien mit einem Zuschlag von 17,50 Euro für 5 Aktien von Koramic Building Products einzutauschen, heißt es in einer Mitteilung der belgischen Banken- und Finanzkommission (CBF) am Freitag.

Hintergrund ist das geplante Delisting der bisherigen Wienerberger-Hauptaktionärin Koramic Building Products, die zusammen mit der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) derzeit noch rund 47 Prozent an der Wienerberger AG hält. Findet der Umtausch statt, werden rund 10 Prozent der Wienerberger-Aktien an die bisherigen Koramic-Aktionäre gehen, schätzt man in der Wienerberger.

"Squeeze out" möglich

Das Angebot ist nur gültig, wenn am Ende 95 Prozent der Koramic-Aktien in den Händen der Korfinco liegen (und damit ein "squeeze out" der verbliebenen Kleinaktionäre möglich ist).

Derzeit besitzt die Korfinco knapp 40 Prozent an der Koramic Building Products, weitere knapp 28 Prozent hält die Korfinco-Mutter, die Investitionsgesellschaft Koceram. Rund 32 Prozent der an der Brüsseler Börse notierten Koramic befinden sich im Streubesitz. Die Wienerberger-Papiere, die Korfinco als Zahlungsmittel für die Koramic-Anteile anbietet, sind offenbar die bisher von Koramic gehaltenen Wienerberger-Aktien.

Koramic konnte Kontrollmehrheit nicht erreichen

Grund für das Vorhaben, sich von der Brüsseler Börse zurückzuziehen, sei ein Strategiewechsel gewesen, zu dem sich Koramic im vergangenen Jahr entschlossen hat, heißt es in einer Aussendung der belgischen Koramic Building Products am Freitag. Als erstes Motiv für diesen Strategiewechsel nennt Koramic "die Unmöglichkeit, seine Position einer gemeinsamen Kontrolle (mit der BA-CA, Anm.) zu einer Kontrollmehrheit über die österreichische Wienerberger-Gruppe weiterzuentwickeln".

Der Kauf der Wienerberger-Anteile der BA-CA hätte nach den Wiener Börseregeln nämlich ein öffentliches Übernahmeangebot notwendig gemacht, "was für die Koramic finanziell nicht leistbar" gewesen sei. Koramic wolle aber langfristig 10 Prozent an der Wienerberger behalten.

Neuorientierung

Als Konsequenz daraus habe sich Koramic "definitiv" entschieden, den Versuch aufzugeben, die Kontrolle bei Wienerberger zu erlangen. Koramic habe sich daher zusammen mit der BA-CA dazu entschlossen, Wienerberger zu einer "free float"-Company zu machen und den Anteil an der Wienerberger kontrolliert zu reduzieren.

Koramic selbst werde sich künftig weg von einem Industrie- hin zu einem Finanzunternehmen entwickeln, heißt es. Dies und die neue Firmenstrategie habe ein Delisting ratsam erscheinen lassen, argumentiert Koramic. (APA)

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