SAP sieht Kaufangebot von Oracle an PeopleSoft gelassen

6. Juni 2003, 16:29
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Weltweit zweitgrößter Softwareanbieter Oracle will PeopleSoft für 5,1 Mrd. Dollar übernehmen

Frankfurt - Europas größter Softwarekonzern SAP reagiert auf das milliardenschwere Übernahmeangebot seines US-Konkurrenten Oracle an PeopleSoft gelassen. "Gemessen am Marktanteil für Betriebssoftware würden wir weiterhin doppelt so groß sein wie Oracle/Peoplesoft", sagte SAP-Sprecher Markus Berner am Freitag. Sollte die zuvor angekündigte Übernahme klappen, würde eine klare "Nummer Zwei" auf dem Markt entstehen.

Der nach Microsoft weltweit zweitgrößte Softwareanbieter Oracle hatte zuvor bekannt gegeben, PeopleSoft für 5,1 Mrd. Dollar (4,32 Mrd. Euro) in bar übernehmen zu wollen. PeopleSoft ist ebenso wie SAP im Bereich Betriebssoftware tätig, während Oracle sich bisher vor allem auf Datenbanken konzentriert hat.

16 Dollar je PeopleSoft-Aktie

Oracle wolle im Rahmen der Offerte 16 Dollar je PeopleSoft-Aktie zahlen, hatte der US-Konzern mitgeteilt. Das entspricht einem Aufpreis von sechs Prozent gegenüber dem PeopleSoft-Schlusskurs vom Donnerstag von 15,11 Dollar. Eine PeopleSoft-Sprecherin sagte allerdings, sie wisse bisher nichts von einem Übernahmeangebot von Oracle.

Erst vor vier Tagen hatte PeopleSoft die Übernahme des Konkurrenten J.D. Edwards für 1,7 Mrd. Dollar per Aktientausch angekündigt, wodurch der weltweit zweitgrößte Hersteller betriebswirtschaftlicher Software nach SAP entstehen würde. Oracle will nun aber die geplante Verschmelzung von Peoplesoft mit J.D. Edwards nach der angestrebten PeopleSoft-Übernahme überprüfen.

Die PeopleSoft-Papiere legten im vorbörslichen US-Geschäft um mehr als 13 Prozent auf 18,40 Dollar zu. Oracle-Titel kletterten auf 13,60 Dollar nach 13,36 Dollar zum Börsenschluss am Vortag. Auch SAP-Aktien bauten ihre Kursgewinne nach der Übernahmeankündigung von Oracle deutlich aus. Sie notierten in Frankfurt am Nachmittag mehr als sieben Prozent im Plus bei 105,60 Euro.

"Machtvolle Kombination"

Über die längerfristige Bedeutung der Übernahme in den USA für SAP waren sich Händler und Analysten zunächst uneins. "Wenn das wirklich klappt, entsteht da eine machtvolle Kombination. Das wird für SAP ein ernstzunehmender Konkurrent sein", urteilte Torsten Schellscheid von WestLB Panmure. Analyst Mirko Maier von der LBBW sagte: "SAP bleibt aber unangefochten die Nummer eins."

Zu Jahresbeginn 2003 hatte SAP mit seiner Sparpolitik einen währungsbedingten Umsatzrückgang mehr als wettgemacht. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis war im ersten Quartal um 28 Prozent auf 304 Mio. Euro gestiegen, obwohl der Konzernumsatz um acht Prozent auf 1,52 Mrd. Euro nachgegeben hatte. Vor allem in den USA hat SAP seinen Marktanteil zuletzt kontinuierlich ausgebaut. Die aktuelle Schwäche des Dollar schlägt sich dort allerdings belastend in der Bilanz nieder. (APA/Reuters)

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