Privat-TV Frage der Einstellung

7. Juni 2003, 07:07
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Eine Woche nach Start seines "McDonald's" nimmt ATV-Chef Prenner Quoten noch nicht ernst - Und kämpft mit Tücken des TV-Empfangs

34.000 Seher bei "The Chair", 24.000 Seher am Donnerstag bei "Tausche Familie", 16.000 bei "ATVplus aktuell": Diese eher bescheidenen Daten weist die Reichweitenmessung des ORF dem neuen Privatsender aus. Trotzdem bedeutet es nicht Realitätsflucht, wenn Manager Franz Prenner sagt, diese Quoten nimmt er noch nicht ernst.

Eine knappe Woche nach dem Start ist Privatfernsehen in Österreich eine Frage der Einstellung: Nicht selten fahndet der Sendersuchlauf ohne Erfolg. Weil sieben von 18 Sendern noch gar nicht in Betrieb sind wie in Wolfsberg, Spittal an der Drau Gmunden und Bruck an der Mur. Oder weil die Hausantenne ein Stückchen zu kurz ist und ähnliche Widrigkeiten. Oder weil der Suchlauf noch gar nicht betätigt wurde.

Nicht einmal die Hälfte

Besonders schmerzt Prenner eine dieser Varianten in jenen 1500 Haushalten, deren Fernsehverhalten Fessel GfK für den ORF-Teletest exakt misst. Schätzung der Marktforscher: Nicht einmal die Hälfte der relevanten Teletest-Seher hat ATVplus bisher eingestellt. In einem Schreiben hat Fessel sie zuletzt - laut Prenner ohne Sendernamen oder Zeitpunkt - informiert, dass neue Sender kommen. Und dass für den Teletest nichts dagegen spricht, sie auch einzustellen.

Beim britischen Channel 5 brauchte diese technische Einführung ein Jahr. Prenner will bis September soweit sein. Dann werden auch die Seherdaten realistischer. Die Werbewirtschaft wird ATVplus spätestens dann daran messen.

2,4 Prozent Marktanteil in den ersten fünf Tagen

In den ersten fünf Tagen nach dem Neustart kommt der Sender auf 2,4 Prozent Marktanteil bei den für die Werber wichtigen zwölf- bis 40-Jährigen und 2,3 Prozent bei Sehern unter 29 Jahren. Mit 3,2 beziehungsweise 3,5 Prozent liegen die Eigenproduktionen über dem Schnitt, auch spät abends geht es für den Sender nach oben. Im Hauptabend hingegen liegt ATVplus unter dem Senderschnitt.

Dann können geringe Seherzahlen eigentlich nur noch am Programm liegen, das so manchen TV-Kritiker bisher nicht gerade begeisterte. "Wenn ich zu McDonald's gehe, erwarte ich auch keine Gourmetschmankerl wie in einem Haubenlokal." Er räumt allerdings "Justierungen" ein. Von jedem Format hat ATVplus bisher nur zwölf Folgen produzieren lassen. Was partout nicht funktioniert, endet nach dem Sommer.

Für Herbst kündigt Prenner eine Castingshow mit "Österreich-Tournee" an, die sich von bisherigen Ansätzen unterscheide. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 6./8.6.2003)

  • ATVplus-Chef Franz Prenner
    foto: orf

    ATVplus-Chef Franz Prenner

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