Wulff intervenierte bei "Bild"-Chef Diekmann

2. Jänner 2012, 20:27

Auch Friede Springer und Verlagschef Döpfner angerufen - Bundespräsident gerät nun auch wegen möglicher versuchter Einflussnahme auf Journalisten unter Druck

Berlin - Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff hat in der Kreditaffäre offenbar persönlich massiven Druck auf Journalisten ausgeübt, um Enthüllungen zu verhindern. Die "Bild"-Chefredaktion bestätigte am Montag, Wulff habe in einem Anruf bei Chefredakteur Kai Diekmann dem verantwortlichen Redakteur mit strafrechtlichen Konsequenzen gedroht, sollte ein Beitrag über seinen umstrittenen Kredit veröffentlicht werden. Auch beim Chef des Springer-Verlages, Mathias Döpfner, hat er demnach von einem Staatsbesuch aus interveniert. Und selbst die Mehrheitsaktionärin des Verlages, Friede Springer, soll Wulff in seinem Versuch eingeschaltet haben, die unliebsame Veröffentlichung eines Privatdarlehens zu verhindern.

Während das Bundespräsidialamt zu den Vorwürfen schwieg, rügte der Deutsche Presserat das Vorgehen Wulffs. Die SPD gab ihre Zurückhaltung auf und übte erstmals scharfe Kritik an Wulff. Die Bundesregierung schwieg zu dem neuen Vorwurf.

Nachricht auf Mailbox

In einem im Voraus veröffentlichten Beitrag bestätigte die "Bild"-Zeitung, Wulff habe am 12. Dezember bei Diekmann angerufen und eine längere Nachricht auf dessen Handy-Mailbox hinterlassen. "Der Bundespräsident zeigte sich darin empört über die Recherchen zu dem Hauskredit und drohte unter anderem mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen "Bild"-Redakteur", heißt es in dem Artikel.

"Bild" berichtet weiter, dem Bundespräsidenten sei zuvor Gelegenheit zu einer Stellungnahme zu den Vorwürfen gegeben worden. Wulff habe diese zunächst abgegeben, aber am 12. Dezember kurz vor Redaktionsschluss zurückgezogen. Der Artikel, der die Affäre um den Privatkredit maßgeblich ins Rollen brachte, erschien trotz der Intervention am nächsten Tag. Zwei Tage später habe Wulff erneut Diekmann angerufen und um "Entschuldigung für Ton und Inhalt" seiner Äußerungen auf der Handy-Mailbox gebeten, erklärte die "Bild"-Chefredaktion weiter.

Rubikon überschritten

Die "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hatten zuvor berichtet, Wulff habe in dem Telefonat mit einem endgültigen Bruch mit dem Springer-Verlag gedroht, falls der Bericht gedruckt werde. Für ihn "sei der Rubikon überschritten" habe Wulff gesagt. Wenn die "Bild"-Zeitung "Krieg führen" wolle, dann könne man darüber nach seiner Rückkehr sprechen.

Eine Sprecherin von Wulff erklärte, über Vier-Augen-Gespräche und Telefonate gebe Wulff grundsätzlich keine Auskunft. Zugleich beteuerte sie, die Pressefreiheit sei für ihn ein hohes Gut. Der Springer-Verlag bestätigte der "Süddeutschen Zeitung", Wulff habe auch mit Döpfner gesprochen. Der Verlagschef habe aber auf die Unabhängigkeit der Redaktion hingewiesen. "Cicero online" meldete, Wulff habe auch bei der Witwe des Verlagsgründers Axel Springer angerufen, um eine Veröffentlichung über den zinsgünstigen privaten Immobilienkredit zu verhindern. Friede Springer soll dabei die "kühle Auskunft" gegeben haben, dass sie keinen Einfluss auf ihre Chefredakteure zu nehmen pflege.

Der Deutsche Presserat wertete die Einflussnahme als sehr bedenklich. Wulff habe das Bild, das er in der Öffentlichkeit und in den Medien abgebe, selbst zu verantworten. Er habe sich mit dem Kredit angreifbar gemacht und nur auf intensive Nachfrage nach und nach informiert.

Die SPD ging weiter auf Distanz zum Staatsoberhaupt. Ein Präsident sollte nicht versuchen, eine kritische Berichterstattung zu unterbinden, sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Hubertus Heil. "Die Salamitaktik muss ein Ende haben." SPD-Präsidiumsmitglied Ralf Stegner warnte im "Handelsblatt", Wulff habe nicht mehr viel Zeit, um Klarheit zu schaffen.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Erwin Lotter bekräftigte seine Forderung nach einem Rücktritt Wulffs. "Mit seinem kruden Verfassungsverständnis von Pressefreiheit hat sich Wulff endgültig für das Amt diskreditiert", erklärte er. Auch Journalistenverbände forderten, Prominente müssten sich eine kritische Berichterstattung als Teil der Meinungsfreiheit gefallen lassen.

Auslöser der Affäre ist ein Kredit über 500.000 Euro, den die Gattin eines befreundeten Unternehmers Wulff 2008 gewährt hatte. Im niedersächsischen Landtag verneinte der damalige Ministerpräsidenten im Februar 2010 die Frage, ob er Geschäftsbeziehungen zu dem Unternehmer Egon Geerkens habe. Vor knapp zwei Wochen räumte Wulff dann erstmals ein, es sei ein Fehler, damals dem Landtag den Kredit der Unternehmers-Gattin verschwiegen zu haben.

Einen Monat nach der Befragung im Landtag 2010 löste Wulff den Privatkredit durch ein Darlehen der BW-Bank ab. Dieses Darlehen soll weitaus günstigere Konditionen gehabt haben als üblich. In Medienberichten war von einem Zinssatz von höchstens 2,1 Prozent die Rede. Dieses Darlehen wurde durch einen neuen, langfristigen Kredit der BW-Bank ersetzt. Den Vertrag dazu unterschrieb Wulff drei Tage vor Weihnachten. Der SPD-Innenexperte Sebastian Edathy erklärte dazu, es sei "sehr bezeichnend, dass Wulff auf seinen zinsverbilligten Kredit bei der BW-Bank erst verzichtet hat, als dieser Kredit bekannt geworden war". (APA/Reuters)

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P. aus B. bei S.
01
Da jetzt alle wieder nach Joachim Gauck rufen:

In der Tat ist Gauck eine der integersten (wenn man diesen Superlativ bilden kann) Personen, die man sich auf dem Präsidenten-Posten vorstellen kann. Er ist tatsächlich so integer, dass er seine Meinung zu aktuellen Fragen auch ohne Rücksichtnahme auf Parteien - auch die, die ihn, wie die SPD, auf's Schild hoben - äußert. Und das würde eben diesen Parteien gar nicht schmecken. Der nächste Knatsch wäre vorprogrammiert.

Gutmensch2
 
01
Das können unsere Spitzen(?)politiker auch!

Journalisten beschimpfen und Ihnen drohen, obwohl es der Politiker ist der OFFEN LÜGT und nicht der Journalist:

http://diepresse.com/home/poli... auen-Flirt

regen bringt segen
01
der beruehmte tropfen...

hoffentlich!!!

ps: wie unintelligent muss man sein um dem bild-chefredakteur die mailbox vollzuraunzen bitte?

Hans-Peter Dollhopf
01
Es wäre doch interessant zu erfahren,

was der "Der Mann, der bei Bild Hans Esser war" dazu denkt. Mein Vorschlag an die Standard-Redaktion:

Beteiligen Sie sich doch aktiv an dem Rummel, indem Sie ein Interview mit Günter Wallraff beisteuern, in dem er als BILD-Experte seine Einschätzung darlegt!

Rainer Miedler
01
Laura Rudas Lehrbuch

Bitte diesen Artikel als eigenes Kapitel in das kommende Laura Rudas Buch "Politiler wollen keine Einfluss auf Jounalisten nehmen" aufnehme! Danke!

Keyser
02

Wie ich letztens anmerkte, der Druck muss erst groß genug werden, bevor er gedenkt - sich aus Amt und Würden zu verabschieden.

Noch aber - scheint es ihm nicht zu reichen, um den Schritt zu gehen, der Aufgrund des Vorfalls längst überfällig wäre.

Dhimmi
03
"sich aus Amt und Würden zu verabschieden"

Das läuft nicht so.
Noch nicht bemerkt, wie schweigsam und zahm die Opposition ist? Sie wollen ihn halten, und das aus 2 Gründen:

1.Als deklarierter I.lamfreund bedient er das grün-rote Klientel
2. Der zweite Rücktritt in kurzer Zeit würde das Amt insgesamt beschädigen

August Hoffmann
01
Unglaublich.

"Interessant" fand ich auch die Bemerkung der deutschen Justizministerin, man solle doch mit der Kritik an Wulff aufhören, weil sonst das Amt des Bundespräsidenten beschädigt würde.

Keyser
00

Aufgefallen ist mir das schon, jedoch denke ich, dass die Opposition auch insgesamt nicht genug Druck auf Ihn auszuüben - damit er abtritt.

Grundsätzlich ist das Amt nun ohnehin durch Ihn schon beschädigt, ob nun ein Rücktritt das Amt noch mehr schädigen würde - bleibt immo. dahin gestellt.

ich sag so:
02

aus den würden hat er sich eh schon verabschiedet, oder? hatte damals wirklich gehofft, dass sie den anderen - wie hieß der nochmal schell? - wählen. der hat so einen integren, normalen, klaren und vernünftigen eindruck gemacht. schade.

Keyser
01

Vllt. als Privatperson, nicht aber durch das Amt welches er weiterhin inne hält.

Joachim Gauck war übrigens der Gegenkandidat. Und einige Zeit sah es auch tatsächlich so aus, als würde er die Wahlgänge gewinnen. Da es aber am Ende doch nur bei der "Pflichtwatsche" für die Kanzlerpartei blieb, sollte es eben nicht sein.

Im Nachhinein wäre es natürlich besser gewesen, ein Hr. Gauck hätte das Amt bekommen, doch - hinterher ist man ja immer klüger. :)

Chilligreen
04

er ist ein "typisches Aushängeschild" der politischen "Eliten". Evtl. ist er sogar noch harmlos im Vergleich zu al den Unbekanntemn.

Müllers Mops
13
"Die Springer-Blätter greifen den Bundespräsidenten nicht selbst an..

..sondern lassen das die Kollegen von der Frankfurter Allgemeinen und der Süddeutschen Zeitung machen. Man hat seine investigativen Leutchen, seine Dienstboten, und um die und deren Benehmen geht es in der Causa Wulff insgesamt.

Wulff war beim Bild-Chefredakteur in einer Art und Weise vorstellig geworden, die den Tatbestand der Unbotmäßigkeit erfüllte. Das bekam er zwar schnell mit und entschuldigte sich, aber mit seiner untertänigen Vorsprache bei Konzernvorstand Mathias Döpfner war alles vermasselt.

Gehe nie zu deinem Fürst, wenn du nicht gerufen wirst, sonst ist es Majestätsbeleidigung. Wulff hatte nicht begriffen: Er ist von unten, bleibt deswegen unten und wird und wird immer ... ."

http://www.jungewelt.de/2012/01-03/039.php

gg

Postingname geändert
10
christlich/konservativer leistungstraeger.

nix neues.

friesfux
00
strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen "Bild"-Redakteur

Dieser Leistungsträger sollte doch alle Voraussetzung für ein Österreichisches ÖVP
Mandat mitbringen!

WiKaBot
12
Wulff ist schon Geschichte, er weiß es nur noch nicht …

… und als Nachfolger gibt es einen echten, unparteiischen Präsidenten der Herzen der auch Klartext kann. Hier die Meldung von Wulffs Rücktritt … und seinem Nachfolger … *g*

http://qpress.de/2012/01/0... prasident/

Vera Rschung
 
01
In Österreich würde Wulff durchtauchen

in Deutschland sind seine Tage gezählt. Ich hoffe auf eine neuerliche Kandidatur von Joachim Gauck, den ich als überragende und hoch integere Person schätze.

Phil2009
03
Hinter dem Rennweg beginnt der Balkan

Das Zitat mit Wien (eigentlich dem Rennweg) und dem Balkan ist von Metternich.
Und Hannover hat übrigens immer (erfolglos) auf Seiten Österreichs gekämpft. Kein Wunder, dass da Übereinstimmungen in der Mentalität bestehen.

Wobei sich in Österreich eigentlich kaum jemand über so banale Vergehen wie jene Wulffs aufregt, da ist in Wien doch noch viel Luft nach oben...

meresi
00
ja da ist noch viel luft nach oben...

ein wahres wort...aber was kratzt es die deutsche eiche wenn die wildsau sich dran reibt...

zuckergoscherl
00

..."is ma wuascht" is halt unsere religon. tausende jahre dummheit oder weisheit zu 3 wörtern zusammengefasst^^.

Mostbluzza
01
war ein ablenkungsmanöver, denn

metternich war deutscher.

immer in die andere richtung schauen .... manche sagen nach vorne, manche sagen hinten (seh ich nix).
wie die irren in brüssel. fällt mir grad auf.

"WILLKOMMEN" - im Sumpf der Verblödung!
 
04
in österreich gäbe es das nie! in österreich wäre das unmöglich!

"WILLKOMMEN" - im Sumpf der Verblödung!
 
00
unmöglich wäre in österreich auch, dass die presse dem bp "wulff"

wegen sowas eine grosse sache macht.

in deutschland ist wulff nur noch kurze zeit im amt, ob es tage oder stunden sind wird sich noch zeigen.

Mostbluzza
00
er ist fertig

aber ist solange im amt, als es merkel möchte.

sie machte die 3. wahl zu ersten.
und sie machte den nächsten zur 1. wenn sie es für richtig hält. da kann bild jammern, springer springen was sie wollen.

in 2 wochen ist er weg. aber diese posse wird bald vergessen sein, ... bild wird ihm den gnadenstoss geben und merkel den nachfolger präsentieren, als wäre es die verständlichste sache der welt. wie in nordkorea oder der ddr ... apropo ...

ShineOnYouCrazyDiamond
00
So ein dummes Missverständnis

Wulff schätzt die Presse- und Informationsfreiheit als hohes Gut. Nur deshalb hat er bei der Bild angerufen und gesagt, die Zeitung soll bitte frei von Informationen über seine Korruptionsaffäre sein.

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