Kapitalerhöhung der UniCredit wird zum Testlauf
Frankfurt - Die Krise der Banken geht ins fünfte Jahr. Die Situation
bleibt angespannt, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) zuletzt rund
eine halbe Billion Euro in die europäischen Geldhäuser pumpte. Denn in
den nächsten Tagen müssen die Sorgenkinder des jüngsten Stresstests
erklären, wie sie ihre teils riesigen Kapitallücken schließen wollen.
Ist das geschafft, stellt sich eine viel tiefergehende Frage: Wie wollen
Banken ob der strengeren Kapitalvorschriften künftig Geld verdienen?
Mit der Geldspritze der EZB dürften die Refinanzierungssorgen der Banken
erstmal vom Tisch sein. Insgesamt müssen die europäischen Institute nach
Expertenschätzungen heuer rund 725 Milliarden Euro Schulden
zurückzahlen. Angesichts des großen Misstrauens der Banken untereinander
wäre dies ohne die EZB ein schwieriges Unterfangen.
Mit der frischen Liquidität ist aber das nächste Problem der Geldhäuser
nicht gelöst. Ihre Kapitalstruktur hat sich dadurch nämlich nicht
verändert. Um auf die von der europäischen Bankaufsicht geforderte harte
Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen, brauchen Europas Banken
rund 115 Mrd. Euro - allein sechs deutschen Großbanken fehlen insgesamt
13,1 Mrd. Euro.
Unter Europas Großbanken hat bisher nur die italienische UniCredit -
Mutter der Bank Austria - eine Kapitalerhöhung angekündigt, um ihr
Eigenkapital zu stärken. Sie will 7,5 Mrd. Euro einbringen. Dieser
Schritt wird mit Spannung erwartet. Scheitert das Vorhaben, könnte das
der Branche einen Schlag versetzen. Die Kapitalerhöhung der UniCredit
wird zeigen, ob sich die krisengeplagten Banken Geld am Kapitalmarkt
beschaffen können. (dpa, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 2.1.2011)