Das Land verabschiedet trotz geringen Schulden ein Sparpaket
Tokio - Europa versinkt in der Schuldenkrise, Japan stellt trotz Rekordschulden
von 230 Prozent des Bruttoinlandsprodukts einen Rekordhaushalt auf. Nur
das niedrig verschuldete Südkorea beginnt das Sparen. In einem raren
Schritt haben die sonst zerstrittenen Regierungs- und
Oppositionsparteien einen gemeinsamen Haushaltsentwurf vereinbart, der
mit 325 000 Milliarden Won (216 Millionen Euro) sogar leicht unter dem
Regierungsantrag zurückbleibt.
Aufgeschreckt durch die dramatische Entwicklung in Europa will das Land
sein Haushaltsdefizit 2012 ungeachtet der Abkühlung der Weltwirtschaft
auf ein Prozent halbieren, obwohl der Schuldenpegel derzeit nur bei
etwas 35 Prozent liegt. Dafür hält die Regierung frei nach dem Motto
"wehret den Anfängen" die Erhöhung der Ausgaben mit fünf Prozent
deutlich unter den prognostizierten Einnahmesteigerungen zurück. Für
2013 strebt die Regierung von Lee Myung-bak sogar einen ausgeglichenen
Haushalt an und will dann mit dem Schuldenabbau beginnen.
Mit dem frühen Beginn des Schuldenabbaus stellt Südkorea ein weiteres
Mal seine Sonderrolle unter den kriselnden Industrienationen unter
Beweis. Bereits während der Weltwirtschaftskrise konnte das Land mit
einer Mischung aus Konjunkturprogrammen, niedrigen Zinsen und weicher
Landeswährung als einzige Industrienation einen Fall in die Rezession
verhindern. Heuerwächst die Wirtschaft voraussichtlich sogar mit vier
Prozent.
Die Aussichten verdüstern sich zwar, aber verglichen mit anderen Ländern
läuft die Konjunktur noch immer rund. Erst diesen Monat hat die
Regierung ihre Wachstumsprognose für 2012 zum zweiten Mal auf jetzt 3,7
Prozent (von 4,5) gesenkt. Aber nach einer Flaute zu Beginn des
kommenden Jahres sagt die Regierung in der zweiten Jahreshälfte wieder
flottes Wachstum voraus. (Martin Koelling, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 2.1.2011)