Südkorea zeigt, wie sparen geht

Martin Koelling, 1. Jänner 2012, 18:12

Das Land verabschiedet trotz geringen Schulden ein Sparpaket

Tokio - Europa versinkt in der Schuldenkrise, Japan stellt trotz Rekordschulden von 230 Prozent des Bruttoinlandsprodukts einen Rekordhaushalt auf. Nur das niedrig verschuldete Südkorea beginnt das Sparen. In einem raren Schritt haben die sonst zerstrittenen Regierungs- und Oppositionsparteien einen gemeinsamen Haushaltsentwurf vereinbart, der mit 325 000 Milliarden Won (216 Millionen Euro) sogar leicht unter dem Regierungsantrag zurückbleibt.

Aufgeschreckt durch die dramatische Entwicklung in Europa will das Land sein Haushaltsdefizit 2012 ungeachtet der Abkühlung der Weltwirtschaft auf ein Prozent halbieren, obwohl der Schuldenpegel derzeit nur bei etwas 35 Prozent liegt. Dafür hält die Regierung frei nach dem Motto "wehret den Anfängen" die Erhöhung der Ausgaben mit fünf Prozent deutlich unter den prognostizierten Einnahmesteigerungen zurück. Für 2013 strebt die Regierung von Lee Myung-bak sogar einen ausgeglichenen Haushalt an und will dann mit dem Schuldenabbau beginnen.

Mit dem frühen Beginn des Schuldenabbaus stellt Südkorea ein weiteres Mal seine Sonderrolle unter den kriselnden Industrienationen unter Beweis. Bereits während der Weltwirtschaftskrise konnte das Land mit einer Mischung aus Konjunkturprogrammen, niedrigen Zinsen und weicher Landeswährung als einzige Industrienation einen Fall in die Rezession verhindern. Heuerwächst die Wirtschaft voraussichtlich sogar mit vier Prozent.

Die Aussichten verdüstern sich zwar, aber verglichen mit anderen Ländern läuft die Konjunktur noch immer rund. Erst diesen Monat hat die Regierung ihre Wachstumsprognose für 2012 zum zweiten Mal auf jetzt 3,7 Prozent (von 4,5) gesenkt. Aber nach einer Flaute zu Beginn des kommenden Jahres sagt die Regierung in der zweiten Jahreshälfte wieder flottes Wachstum voraus. (Martin Koelling, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 2.1.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
1 2
wolf navarrete
 
00
20.3.2012, 17:14

Immer diese Probleme mit Millionen und Milliarden...
216 Millionen Euro ?

Robert Alexander
00
17.1.2012, 12:47
Sie haben einen Vorteil;

sie brauchen nicht im Sozialsystem zu sparen, weil sie keines haben....

mike sierra
02
Wenn alle sparen

wird es sicher etwas mit der weltweiten Rezession.

Stimme der Vernunft
54
12.1.2012, 16:24
Verwoehnte Prolls

Ich stelle jetzt mal so einfach in den Raum, dass es den Leuten in Oesterreich immer noch viel zu gut geht. Leute, die in Branchen arbeiten, in denen sie in den USA im Trailerpark leben muessten, hauen in Oesterreich nur so um sich mit dem Geld. Ein Markenturnschuh fuer den Sproessling, eine Hello-Kitty-Schultasche fuers Toechterl. Eh klar, und so schnell wie moeglich wieder was Neues.

Wozu?

Wenn diese Leute weniger Geld kriegen, dann sollen sie halt die Hofer-Turnschuhe und -Schultaschen kaufen, davon geht weder die oesterreichsiche Wirtschaft unter (allenfalls die chinesische) noch das Familenglueck.

Unglaublich, wie "selbstverstaendlich" es fuer manche Prolls ist, sich jedes Klumpert kaufen zu koennen.

--: SID :--
01
20.3.2012, 12:42

Prolls (=Proletarier) haben ansatzweise etwas mit der Realwirtschaft zu tun (sofern nicht wieder eine Kündigungswelle ansteht, weil es den armen gebeutelten Konzernen ja sooo schlecht geht). Jene "Prolls" haben also nicht viel zu lachen, weil das Geld aus unerfindlichen Gründen dort landet wo nichts produziert wird (z.B. Finanzmärkte) und somit der Realwirtschaft (= jener Teil der Bevölkerung, der tatsächlich etwas für das Geld arbeitet) fehlt :-)

fow
01
20.3.2012, 11:29
bitte ändere deinen nickname

1.) südkorea ist nicht china
2.) wenn chinas wirtschaft "nur" mehr 7% wachsen würde hätten sie schon probleme. würde unsere wirtschaft um 7% zulegen wären wir weltmeister. die beiden wirtschaftfblöcke sind nicht vergleichbar.
3.) woher glaubst du kommen die hoferturnschuhe?.. aus deutschland?
4.) das anschaffen von gütern besserer qualität für den nachwuchs ist nicht zwangsläufig selbstverständlich.
5.) weißt du eigentlich was "prolls" (respektive proletarier) sind?

Dr. Ehrlich
03
17.1.2012, 10:37
proll oder troll?

Mike Myers
01
12.1.2012, 13:38
Klar,

wenn es 3 statt 9 Bundesländer gibt, wenn Agrarüberproduktion nicht mehr gefördert wird, wenn Früh-Pensionisten 2 Jahre länger arbeiten, und das gesparte Geld zur Hälfte in Forschung und Entwicklung gesteckt und zur anderen Hälfte zum Schuldenabbau verwendet wird, bricht sicher die Welt zusammen.....

Andreas Prucha
01
12.1.2012, 16:41

Jo, nur wo hört die "Effizienzsteigerung" und Sparerei dann mal auf? Dann wenns ein Bundesland namens "Erde" gibt, wenn das Pensionsantrittsalter dem Ablebensalter entspricht, etc? Klar kann man mit sparen und billiger werden konkurrenzfähiger werden - wenns aber alle machen, gibts ein Problem, weil Konkurrenzfähigkeit immer nur im Vergleich zum Anderen besteht. Letztendlich ist diese Vorgehensweise eine Nivellierung der Lebensqualität auf unterstes Niveau.

Dr. Ehrlich
00
17.1.2012, 10:38
dass, es genau in diese richtung geht haben vor kurzem

flederer und co bereits bestätigt. leider nichts neues.

mike sierra
01
12.1.2012, 13:50
Gefahr der Gleichzeitigkeit des Sparens

Wusste gar nicht, dass Südkorea auch 9 Bundesländer hat.
;)

Im Ernst: Wenn heuer schon gespart werden soll, geht das nur über Aufnahmestopp, Verzögern von Projekten, neue Steuern und Kürzung bei Ermessensausgaben.
Dass ist natürlich Geld, dass der Wirtschaft und dem Konsum fehlt.

Wenn jetzt auch noch rundherum in Europa, aber auch weltweit - Beispiel Südkorea - gespart wird, fehlt auch Geld für den Export.

Ich bin nicht gegen einen langfristig ausgeglichenen Staatshaushalt, aber die Gleichzeitigkeit des Sparens ist problematisch.

Schulden werden als % Schulden/BIP angegeben.
Frage: Was passiert wenn das BIP sinkt

Dr. Ehrlich
00
17.1.2012, 10:39
Antwort:

siehe griechenland.

radlfahrer
01
Ich war während des Höhepunkts der Asienkrise

in Korea und dort wurde extrem gegen den IWF gewettert und dem IWF wurde für alles der schwarze Peter zugeschoben.
Aber anscheinend sind die Rezepte des IWF doch nicht so schlecht. Das Land wurde nicht ruiniert, sondern es steht besser da als die meisten anderen.
Möglicherweise ist die recht frische Erinnerung an die Krise ein Grund warum die Politik dort konsequenter gegen das Schuldenmachen vorgeht.

vgnuser
00
16.1.2012, 18:25
ich kenne korea nicht..

aus persönlicher erfahrung, auch nicht südamerika.

meine vermutung ist, dass ein IWF Programm nur möglicherweise nur auf eine halbwegs intelligente bevölkerung erfolgreih anwendbar ist - siehe korea.

ein volk, welches jedem rattenfänger nachläuft, weil der süsses futter verspricht, wird sich schwertun, sparprogramme zum eigenen erfolg durchzuziehen. in teilen europas hat man sich seit jahrzehnten derart an subventionierung durh andere gewöhnt, dass jedes notwendige sparprogramm mit wüsten, existenzbedrohenden streiks boykottiert wird.
siehe GR, teilweise PO, hoffentlich nicht IT !

tho_mi
10

Wenn ich's richtig in Erinnerung hab, dann sollten Sie mal Argentinien und Brasilien zum IWF befragen...

CEEIT
02
In vielen Standardartikeln scheint es Probleme mit

Millionen, Milliarden, Billionen, etc. zu geben.

m+m
00

Die Recherche in ausländischen Medien ist ein Hund.
Die Millionen stimmen in der Regel, aber bei den Milliarden und Billionen wird es schon schwieriger;-)

vielleicht sollte man denen ein Englisch Wörterbuch besorgen aber eigentlich tut es auch in link zu google translate
http://translate.google.com/#auto|en|... 0Billionen

GreenTwig
00
;-)

Mit einer solchen Währung täte sich Europa auch leichter, Milliarden einzusparen.
Außerdem haben die einen Vorteil... die haben Samsung.

m+m
00

ja und wir haben siemens ;-)

andreas stampf
00
17.3.2012, 06:41

genau die banken habens uns doch eingebrockt ;)

Wicked Vienna
00
Vorsicht

Soeben in die Auslage zum Abschuss durch die Finanzmafia gestellt...

Richard S
01

irreführender titel!
alles, was die apa sagt und der standard nachplappert ist, dass südkorea weniger schulden macht als zuvor und in zukunft schulden abbauen will - genau so, wie es alle vorhaben. der artikel zeigt nicht, wie und wo die s-koreaner sparen bzw. sparen wollen. obwohl's doch interessant wäre

Peter_23
22
"Gespart" wird bei den Pensionen, Kranken, Spitälern, Bildung, Kindererziehung, Pflegekosten, etc.

Würde bei den Reichen "gespart" werden, wäre es ja kein "Sparen" sondern ein ach so böses "Enteignen" der Leistungsträger.

Peter Widzky
00
wo sollen sie denn sonst sparen?

die reichen haben die politiker doch schon lange gekauft...

Sonata
10
Die haben auch keinen riesigen Beamtenapparat aus der Kaiserzeit zu versorgen...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.