Afrikas Hoffnung ruht auf den "Löwenstaaten"

Carola Frentzen, Laszlo Trankovitsr, 1. Jänner 2012, 17:48
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    foto: ap/shayne robinson

    Nicht nur der Klimawandel - im Bild eine Performance von Greenpeace-Aktivisten bei der Klimakonferenz in Durban in Südafrika - bedroht den Aufschwung der afrikanischen Löwenstaaten. Deren Boom steht auf tönernen Füßen.

Afrikas Blüte ist aber verletzlich - und sie vermag Unterentwicklung und Armut nicht zu beseitigen

Kapstadt / Addis Abeba - Afrika südlich der Sahara boomt weiter. Die Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) sagen nach über fünf Prozent Wachstum 2011 auch für 2012 einen Anstieg des Bruttosozialprodukts von 5,8 Prozent voraus. In den vergangenen zehn Jahren blühte die Wirtschaft in keinem Erdteil so stark wie hier. "Afrika könnte am Beginn eines Wirtschaftsaufschwungs stehen, so wie China vor 30 Jahren und Indien vor 20", attestierte der IWF jüngst euphorisch. Der britische Ex-Premier Gordon Brown glaubt gar, dass das 21. Jahrhundert ein "afrikanisches" werden könnte. Doch Zweifel sind angebracht.

Der Optimismus mancher Ökonomen speist sich aus vielen positiven Indikatoren. Inflationsraten sanken, Auslandsverschuldungen nahmen ab. Länder wie Ghana, Angola oder Mauritius scheinen mit jährlichen Wachstumsraten von fast zehn Prozent "asiatische Tigerstaaten" wie Taiwan, Südkorea oder Singapur zu kopieren. Schon wird von Afrikas "Löwenstaaten" gesprochen. Der IWF erwartet, dass sich bis 2015 unter den zehn prosperierendsten Ländern der Welt sieben in Afrika befinden - darunter Äthiopien, Mosambik und Tansania.

Bestärkend ist die Entstehung einer breiteren Mittelschicht. 600 Millionen Handys sind nur ein Zeichen für erwachenden Konsumhunger. Weit über 300 Millionen Afrikaner haben heute täglich mehr als zwei US-Dollar zur Verfügung - was in Entwicklungsländern als Armutsgrenze gilt. 60 Millionen Haushalte verfügen laut der südafrikanischen Standard Bank über ein Jahreseinkommen von mehr als 3000 US-Dollar (2317 Euro). Allerdings gehören Elendsviertel nach wie vor zum Bild der explodierenden Metropolen Lagos, Nairobi oder Luanda.

Afrikas Blüte hat aber noch eine Kehrseite: Sie wird hauptsächlich vom Export von Öl, Uran, Titan, Kupfer oder Gold gespeist. Diese Rohstoffe stehen für etwa zwei Drittel aller Exporte, betonte Direktor Emmanuel Nnadozie von der UN-Wirtschaftskommission für Afrika (ECA). Nur äußerst langsam kommt so etwas wie ein afrikanischer Binnenmarkt voran, nur 14 Prozent des Außenhandels findet innerhalb des Kontinents statt. Denn Afrika produziert zu wenig Waren - zur Freude der Importeure aus China, Indien oder Südkorea, die von Handys und Computern bis zu Töpfen und Kleidung alles liefern. Zwar hängt Afrika nicht mehr nur am Tropf Europas und der USA. Die Bande zu China, Indien oder Brasilien machen Afrikas Volkswirtschaften unabhängiger, aber die Exportstruktur blieb qualitativ unverändert: Rohstoffe gegen Waren.

Armut und Elend

Die Probleme von Unterentwicklung und Elend aber sind ungelöst. Der Anteil der Menschen in absoluter Armut sei südlich der Sahara zwischen 1996 und 2005 nur von 59 auf 51 Prozent zurückgegangen, bemängelt der IWF. Eine der Ursachen: Von Ölreichtum wie in Angola oder Äquatorial-Guinea profitieren nur wenige. Nach wie vor lasten Bürgerkriege oder korrupte Eliten auf den Völkern - wie in Somalia, Kongo oder Simbabwe. Es fehlt an Schulen, Straßen, Häfen, Kliniken - und Energie. Zudem wurde die Landwirtschaft vernachlässigt. Mehr als die Hälfte der über eine Milliarde Afrikaner südlich der Sahara lebt von Ackerbau und Viehzucht, aber es fehlt an Technik, Dünger und Lagern. Selbst Mosambik, Sambia oder Nigeria mit fruchtbaren Regionen sind - wie vor 50 Jahren - von Lebensmittelimporten abhängig. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 2.1.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 38
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darkwing
02
Hey, Foromat

Wo bleibt mein Antwort-Posting auf den Post von Ravenna? In den letzten Tagen sind hier locker 10 Postings verschluckt worden - wenn das so weiter geht, such ich mir ein anderes Forum.

Slaveverwandler
00
11.1.2012, 01:01

zahlen tuns auch schlecht.

dr.no3
00
seit Oktober 2008 ist die volle Operationsfähigkeit hergestellt

das is genau der zeitpunkt zu dem der krieg gegen afrika begonnen hat

http://de.wikipedia.org/wiki/Unit... ca_Command

dasandere
21
IWF hofft auf Aethiopien

Ersterer hat schon immer Diktaturen favorisiert...

so oder so (oder so ähnlich)
 
06
Na ja, in einigen Punkten recht unvollständig, der Kommentar, find ich

1) wenn ein Land, zB, ein Wirtschaftswachstum von 4% hat, die Bevölkerung aber gleichfalls um 4% wächst, dann geht die Armut PRO KOPF logischerweise ja nicht zurück. Mit anderen Worten, bei hohem Bevölkerungswachstum - wie in den meisten afrikanischen Ländern üblich - ist hohes Wirtschaftswachstum fast Pflicht, damit die Bevölkerung nicht noch ärmer wird.
2) Ein Grossteil der Armut des Kontinentes wird durch die unmoralischen Subventionssysteme in der Fischerei und Landwirteschaft der Industriestaaten zumindest vertieft. Hochsubventionierte Baumwolle aus den USA wird so am Weltmarkt billiger als Baumwolle aus Afrika, hochsubventionierte EU Fischereiflotten fischen die KÜsten leer und subv. Agrarexporte zerstören die dortige Landwirtschaft.

froilein froilein
13
Ein Klassiker zu Wirtschaft+ Statistik

Hans Rosling auf TED
http://tinyurl.com/aebbuw

20 Minuten die sich auch deshalb lohnen, weil sie einige Vorurteile - auch in Hinblick auf Prognosen- widerlegen.

Johannes Benn
11
.

die aermsten laender der welt haben das weltweit hoechste prozentuale bip wachstum. so wuchs die afghanische wirtschaft im letzten jahrzehnt durchschnittlich 10% per annum. kein grund grund angesichts dieses einfachen zusammenhanges in jubelchoere auszubrechen

woifee 0.0
06

Nehmen wir mal an in einem fiktiven armen Land gibt es nur ein ein Gemüseladen. Das ist dort die ganze Wirtschaft. Wenn dann ein zweiter Gemüseladen aufmacht ist das glatt ein Wachstum von 100%.

Dr. Seltsam
 
11

Sehr arrogante und selbstgefällige Sichtweise der Dinge!

woifee 0.0
01

Bitte um Erläuterung, was ist Arrogant und Selbstgefällig?

Dr. Seltsam
 
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Afrika ist weit davon entfernt, bei einem Gemüseladen anzufangen. Immerhin hat man sich innerhalb von 100 Jahren von einer Vormittelalterlichen Gesellschaft ins 20. Jahrhundert katapultiert.
Es gibt funktionierende Kommunikationsnetze, massive Verbesserungen in der Gesundheitsvorsorge und in manchen Ländern ganz beachtliche wirtschaftliche Fortschritte.

Das wirtschaftliche Niveau in manchen Gegenden Afrikas ist absolut beachtlich (Nigeria, Angola, Botswana, Ghana ...). Daher ist der Vergleich der afrikanischen Wirtschaft mit einem Gemüseladen unangebracht.

woifee 0.0
01

Huiuiuiui!

Sie wissen schon was "fiktiv" bedeutet?

Zudem hab ich mit meiner stark vereinachten Darstellung einer Volkswirtschaft den %uellen Wachstum eben dieser und deren die Realität falsch darstellende Wirkung derart einfach erklärt, dass ein jeder Hauptschüler es verstanden hätte.

Ich habe nichts gegen Staaten und teilweise beachtliche Leistungen aus der Region gesagt.

Dr. Seltsam
 
11

Sie konnotieren die afrikanische Wirtschaft mit einem Dorfgemüseladen. Das ist angesichts der beachtlichen Leistungen arrogant.

Stehen Sie wenigstens zu Ihrer Arroganz!

woifee 0.0
01

Es ist verständlich, dass Sie diese Verbindung herstellen, da ich das unter einem Artikel zu Afrika gepostet habe, aber ich habe es mir schon zu hunderte andere Artikel gedacht und heute habe ich mich einmal entschieden es wirklich zu schreiben. Es ist eine zusätzliche Info zur %uellen Angabe des Wachstums. Meine Parabel (Gleichnis) passt genau so gut zu Nordkorea, China oder auch Österreich.

Wo wir gerade bei Arroganz sind, wer sind Sie, der ganz Afrika in einen Topf wirft. Ein Kontinent mit mehr als 1 Mrd. Einwohner, ein Kontinent, der sich über 4 Klimazonen erstreckt, ein Kontinent, der von Staaten die mit postkommunistische Staaten um 1990 vergleichbar sind bis zu gescheiterte Staaten.

Dr. Ehrlich
01
nein!

Dr. Seltsam
 
10

Sehr wohl!
Afrika hat es trotz widrigster Umstände (Kolonialismus, Einflussnahme von außen ..) geschafft, innerhalb von rund 100 Jahren eine Entwicklung von vormittelalterlichen Gesellschaften zu einem Niveau, das im Durchschnitt Europa nach dem 1. Weltkrieg entspricht zu machen. Manche Staaten sind natürlich schon deutlich weiter. D.h. man ist weit davon entfernt, von einem sehr niedrigen Niveau auszugehen.

Sehen Sie sich Brasilien an! Das hat gerade GB beim BIP überholt! Hinsichtlich des Potentials stehen Staaten, wie Nigeria, der Kongo oder Südafrika Brasilien um wenig nach.

Johannes Benn
00
.

a) trotz guenstiger umstaende, riesigem land, vielen rohstoffen gab es in west und suedafrika nie eine eigenstaendige hochkultur
b) der entscheidene unterschied zu brasilien ist der sehr viel geringere anteil von europaeischstaemmigen in nigeria oder kongo.

Dr. Seltsam
 
00

Ad b.
Stimmt! In Brasilien hat die europäische Landnahme zu einer Dezimierung von rund 90% der Ureinwohner geführt. Im Kongo waren es nur 50%. Daher die Bevölkerungsanteile.
Grund für die Unterschiede von Brasilien und dem Kongo sind aber nicht die ethnischen Unterschiede, sondern die Geschichte.
Brasilien wurde vor 500 Jahren kolonisiert, der Kongo vor 130 Jahren. Manche Bereiche Brasiliens waren klassische Einwanderungszonen. Die Menschen kamen, um eine neue Existenz zu gründen. Brasilien war vor 100 Jahren schon recht weit. Der Kongo wurde bis 1920 wie ein Bergwerk ausgebeutet. Es gab nie eine ernsthafte Intention einer Entwicklung.

Sie sollten einmal ihren mehr oder weniger offen gezeigten Rassismus hinterfragen.

Dr. Seltsam
 
00

ad a.) greater simbabwe
Es gibt natürlich auch eine Menge von naturräumlichen Gründen: Fehlen von brauchbaren Nutztieren, Fehlen von besonders ertragreichen Kulturpflanzen und v.a. fehlende Akkumulationseffekte: Errungenschaften, wie Eisenverarbeitung, aber auch Kulturpflanzen, wie Weizen wurden ja meist nur einmal erarbeitet und haben sich dann verbreitet. Das geht in Ost-West-Richtung deutlich einfacher, als in Nord-Süd-Richtung.

Wenn es nicht naturräumliche Gründe sind, die zu Hochkulturen geführt oder diese verhindert haben, was soll es dann sein? Schließlich stammen wir alle von Afrikanern ab.

Johannes Benn
00
.

das ost/west vorteilhafter als nord/sued argument fuehrt ja so auch jared diamond an, das ist ein wichtiges arguement. eine sinnvolle ergaenzung dazu ist harpernding/cochran the 10000 years explosion.
die heutigen afrikaner sind ja nicht unsere vorfahren sondern stammen genau so wie wir von den selben vorfahren ab.
im uebrigen bringt dieses arguement gar nichts, alles heutige leben stammt von den selben vorfahren ab

Dr. Seltsam
 
00

Das Vorfahrenargument bringt schon was! Es wird ja immer wieder mehr oder minder unterschwellig rassistisch begründet, warum das Subsahara-Afrika keine mit Ägypten, Mesopotamien, Indien oder China vergleichbare Hochkultur hervorbrachte. Im Übrigen hat sich da Mittel- und Nordeuropa auch nicht mit Ruhm bekleckert. Ohne den Einfluss der Hochkulturen aus Afrika und Vorderasien wären wir vielleicht noch immer auf dem Niveau von Stammeskulturen.

Und natürlich macht es einen Unterschied, ob sich Entwicklungslinien vor 50-100Tausend oder vor 100 oder 200 Millionen Jahren getrennt haben.

Erwin Wolfram
10
...

weil eine metakommunikation in den medieninhalten zb schreib ich metakommunikation weil man auch sprache als werkzeug verwenden kann ... ist ja im westen verboten um die exportpfruende zu schuetzen... dabei liest man allethalben wie egalitaer es hier nicht ist zur stuetzung dieser kommunikationsstrategien...

Die Stimme
134

Hm. Chinas und Indiens Aufschwung haben (natürlich unterstützt durch Entwicklungshilfe) den Klimawandel besiegelt, was passiert eigentlich wenn Afrika auch so loslegt?
Die Afrikaner leisten sich dann 2025 ein paar hundert Millionen Klimaanlagen? Wollen wir das?

Werden unsere Grünen das Problem durch ein paar neue 30er Zonen im 7. Bezirk, und mehr Fairtrade Biowaren lösen? Fragen über Fragen.

Dr. Seltsam
 
00

Diesmal muss ich ein wenig explizit werden:
China und Indien die Klimagas-Emmissionen umzuhängen ist absolute Chuzpe.
Den chinesischen und indischen Wirtschaftsaufschwung auf Entwicklungshilfe zurückzuführen, ist an Dummheit kaum mehr zu überbieten.

derrabe
12

was für ein krankes posting

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