Guter Vorsatz: Kaufen!

Einserkastl |
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    foto: reuters/henry romero

Vielleicht lässt sich der Kollaps ja abwenden, wenn wir die Welt aus der Krise shoppen

Willkommen im Jahr der Entscheidung. So arm wie die Weltfinanzen beinander sind, bleibt uns eh nur eins: Kaufen, was das Sparbuch hergibt. Wenn die Geldvernichtung so weitergeht, ist ganz Europa bald so stier wie die griechischen Götter. Deshalb lieber verjubeln, solang es noch etwas gibt fürs Knödel!

Vielleicht (aber nur ganz vielleicht) lässt sich der Kollaps ja abwenden, wenn wenigstens wir Konsumenten ganz fest an die Wirtschaft glauben - und die Welt aus der Krise shoppen. Anstatt deppert Golddukaten zu horten oder Erdäpfel für die erste Aussaat nach dem Megacrash einzulagern, hüpfen wir in die Spendierhosen, stecken die Marie ganz locker ein und lassen es auch sonst richtig scheppern!

Ein bisserl prickelnder dürfte der Handel uns den Kaufrausch aber schon gestalten. Ausverkauf allein macht das Kraut nicht fett. Außerdem passt ein vierter Fernseher mit 3D-Bügelbrett und Weichwasch-Surroundeffekt schlicht nicht in die Wohnung.

Statt dessen wäre jetzt die Zeit, auch einmal höhere Werte feilzubieten: Mega-Sale, metaphysisch! Zum Beispiel einen Fitness-Trainer für die Seele (Modell "Ewige Tugend") - der ginge weg wie warme Semmeln. Oder den Zwölferkarton "Wahres Mitgefühl" - Geld zurück, falls es gar zu klebrig ist!

Und schließlich, exklusiv für unsere armen, armen Banker: Doppelmoral im Doppelpack, komplett mit Ersatzgewissen und einem Großkanister Krokodilstränen. Aber: So etwas kostet natürlich. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.1.2012)

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