Vormittag der fröhlichen Intensität

Ljubiša Tošic, 1. Jänner 2012, 17:44
  • Dirigent Mariss Jansons legte sich auch bei nur sympathischen Stücken 
gehörig ins Zeug: Die Wiener Philharmoniker antworteten mit herzhaftem 
Spiel.
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    Dirigent Mariss Jansons legte sich auch bei nur sympathischen Stücken gehörig ins Zeug: Die Wiener Philharmoniker antworteten mit herzhaftem Spiel.

Dirigent Mariss Jansons erwies sich als so präziser wie impulsiver Gestalter, der die Wiener Philharmoniker in Bestform brachte

Wien - So haben es die Wiener Philharmoniker also doch geschafft, einmal auch während des Neujahrskonzertes für den finalen Zugabenblock zu proben: Gleich zu Beginn kredenzten sie mit Dirigent Mariss Jansons den Vaterländischen Marsch, in dem der Radetzky-Marsch (plus Kaiserhymne) resch herumtänzelt. Und in Johann Strauß' Rathaus-Ball-Tänzen schwebte danach gleich auch noch der liebe Donauwalzer selig umher.

Dass diese zitatenfreudige Eröffnung auf zu wenig Proben für diesen philharmonischen Gruß an das Jahr 2012 zurückzuführen sei, wäre allerdings ein beschwipster Schluss. Wie man Mariss Jansons kennt, ging dem Ganzen gründlichste Vorarbeit voraus - und das hörte man schließlich: Hier war, was die Präsenz einzelner Klanggruppen anbelangt, keine Schwäche zu erkennen. Es herrschte vom ersten bis zum letzten Ton eine aus Konzentration erwachsende Kompaktheit vor; jedwede Note, jede Passage transportierte bemerkenswerte Dringlichkeit.

Sehr konzentriert

Nichts wurde also beiläufig erspielt oder in Unscheinbarkeit gehüllt. Zu erspüren war Jansons' akribische Handschrift, der sich so elegant wie impulsiv ins Zeug legte. Nicht auszudenken, welche Subtilitäten da noch das Vormittagslicht der Welt erblickt hätten, so das auserwählte Repertoire mehr melancholische Walzertiefe zur dirigentischen Gestaltung angeboten hätte. Allein, es dominierten eher fetzige Stücke, in denen sich Daseinsfreude stampfig Gehör verschaffte.

Große Eleganz

Auch hier natürlich nichts Derbes: Jansons schafft es jederzeit, selbstverständliche Eleganz zu erzeugen, auch in Stücken wie Strauß' Entweder-oder!-Polka Akzente zu setzen und Phrasierungspointen zu fordern (Sperl-Galopp), wo andere Kollegen die Sache womöglich einfach laufen ließen. Es herrscht also jederzeit große Ausgewogenheit bei Klang und Ausdruck.

Kommt jedoch bei den Miniaturen musikalische Substanz (abseits des rein Lustig-Maschinellen) hinzu, wird das wahre Ausmaß an Gestaltungs-Intelligenz und -Intensität offenbar: Hans Christian Lumbyes Kopenhagener-Eisenbahn-Dampf-Galopp erwies sich da als geeignete Vorlage, wie auch Eduard Strauß' furios umgesetzte Carmen-Quadrille. Und bei Tschaikowskys Walzer aus Dornröschen glühte der Streichersound förmlich.

Schließlich Strauß' Delirien-Walzer: Dieses Stück wurde dramatisch aufgeladen, man zeigte allerdings, dass dessen Charakter auch süßlich-selige Facetten in sich barg, ohne dass sich jedoch ein Stück Zucker zu viel in den Walzer-Kaffee verirrte. Andererseits: Hier - wie dann auch beim Donauwalzer - konnte man etwas von jener Fragilität, Doppelbödigkeit und schmerzerfüllten Sehnsucht vermissen, wie sie Georges Prêtre einst herbeigezaubert hatte.

Die Ausnahme - Pizzicato-Polka - soll keinesfalls unterschlagen werden. Bei ihr lieferte man ein Meisterstück an subtiler Sanftheit und Intimität ab. Zu den Scherzen: Bei Joseph Strauß' Feuerfest!-Polka dirigierte Jansons (auch die lieblichen Wiener Sängerknaben) und schlug mit zwei Hämmerchen. Und bei der Tik-Tak-Polka ließ er sich von Geiger Tibor Kovác mit einer riesigen Uhr ermahnen, dass es nun langsam Zeit wurde, dem Auditorium (wie der TV-Welt) mit den Philharmonikern alles Gute für das junge Jahr zu wünschen, was Jansons auch kurz und knapp tat. Später sollte er die an ihn gereichten Blumen schnell an Konzertmeister Rainer Honeck weitergeben und beim Radetzky-Marsch alle Klatschbedürfnisse befriedigen. Ohne dass sich jedoch Erschöpfung einstellte. Es gab hernach großen Jubel.

Ach, die TV-Bilder liefernde Camcat: Diese technische Neuerung schwebte über allen Anwesenden (diagonal zwischen den Lustern) und weckte das Bedürfnis, die Erfinder mögen für 2013 eine unsichtbare Variante entwickeln. Sollte dies unmöglich sein, könnte der Camcat beim nächsten Neujahrskonzert zumindest ein Musikstück gewidmet werden, etwa der Hummelflug. Ist ja zu diesem Anlass nie gespielt worden und sicher besser als so manche dürftige Polka. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD - Printausgabe, 2. Jänner 2012)

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schön, dass Schostakowitsch nicht vergessen wurde!

foto

dachte schon unser bundespräsi zupft da die geige

mfg ;-)

Das dürfte eher der Seif sein...

Lohnende Pause

Musikalisch am wertvollsten waren für mich die kammermusikalischen Einlagen in der Pause als interkultureller Hintergrund einer interkulturellen Wienpräsentation. Sehr gelungen ! Schade, daß es nachher weiter ging.

hier ein link, der ein wenig nüchternheit in die

überschwänglichen urteile manches musik-experten bringen sollte:

http://www.spiegel.de/wissensch... 48,00.html

vielleicht verhält es sich ja mit dem 'wiener klang' und der 'klangkultur' der wr. philharmoniker ähnlich wie mit den berühmten geigen.

aber einbildung ist wohl die nachhaltigste und unbeirrbarste bildung!

ergreifend

diese symbiose von vollkommener musikdarbietung und wunderbarer kameraführung war einfach ein erlebnis.
auch der pausenfilm fand ich sehr berührerend. naja, hatte noch restalk.
auch das mit den sängerknaben hat gepasst.

Herr Wrabetz höchstpersönlich? :-)

eher niko,

alex lässt posten, er macht sich seine zarten finger nicht selber schmutzig.

;-)

ich hab mich jetzt echt kaputtgelacht.
trotzdem steh ich zu meinen worten.

Mir hat sehr gut gefallen...

...das Barockkonzert, das zeitgleich in Arte gezeigt wurde. Dieser primitive Walzerschas ist ja nicht auszuhalten!

wow, 4 grün in nicht mehr als 3 minuten...
dafür wird meine antwort blockiert. ist wohl auch der ze'sor der meinung, dass es sich beim concerto di capodanno, das von ARTE am neujahrstag übertragen wurde, um ein "barock"-konzert gehandelt hat?

welches

"barock"-konzert?
hier das programm vom concerto da capodanni 2012 im teatro la fenice:

http://www.teatrolafenice.it/dettaglio... tacolo=566

puccini, verdi, mascagni, bellini usw

Traditionell verschlafen.

ein sehr gelungenes konzert.jansons holte das beste aus dem orchester heraus..
toll war auch der film in der pause mit musik aus aller welt und verschiedenen musikrichtungen.

Übrigens gefällt mir die Musik des J-Strauß-Vater weit besser als die seines Sohnes.

Neujahrkonzert ohne Konzertmeisterin Albena Danailova und Olesya Kurylyak und Isabelle Ballot! Warum?

Die Damen wollen mit Recht Urlaub machen.

Das Konzert ist ein Stress mitten in den Ferien. So lustig ist das auch nicht!

Die Philharmoniker spielen ja nicht immer in der gleichen Besetzung. Vielleicht wollten die Damen selbst einmal Silvester feiern. ;)

Bei dieser famosen musikalischen Darbietung könnte man sich die dümmlichen Filmchen und walzer- und lipizzanerseligen Streifzüge endlich sparen. Entweder war ich heuer besonders kritisch oder selbige waren so einfältig wie noch nie.

"weltweite Werbeeinschaltung"

Soweit ich es verfolgen durfte ein gelungenes Konzert, Kompliment!

Es gibt jedoch einen Aspekt, der mir persönlich leider sehr negativ aufgefallen ist. Bei allem Respekt vor der musikalischen Leistung, die dieses Orchester (zumeist) bietet, aber eine Werbeeinschaltung für "the philharmonics", eine willkürlich zusammengewürfelte Formation, die sich damit weltweite PR verschafft hat, ist definitiv ein Grund den Fernseher auszuschalten!

Das Neujahrskonzert dafür zu missbrauchen finde schlichtweg unerträglich!

aber immer noch weniger schmerzhaft ...

als das oftmalige auftauchen von super-alex während der übertragung .... hat nur noch der kampfgrinser N. gefehlt ....

probierts es halt amal mit anderen komponisten.
ewig diese strauss, auch fad mit der zeit.
tschaikowsky, smetana, rossini, puccini, kugel, ludwig van, telemanm, bruckner, händel um nur ein paar zu nennen, gibt eh so vü.

da haben wir wohl nicht aufgepasst...

...es wurden unter anderem zwei Stücke von Tschaikowsky gespielt, Lumbey wurde gespielt.

innsbruck hatte richard strauss. den ganzen ersten teil....

die stellen das programm zu einem bestimmten thema zusammen. einmal italien, mit rossini u. co, einmal usa mit gershwin. und heuer wars halt richard strauss ich nehme an zu ehren von brigitte fassbänder, die heuer die intendanz des theater abgibt, und sehr sympathisch durch das programm geführt hat.

im zweiten teil war dann johann strauß zu hören, allerdings auch operettenlieder, von sängern des landestheaters.

an die Grantler:

Bin nur stolz in dieser wunderbaren Stadt zu leben und zu arbeiten, nicht wegen euch, sondern wegen der vielen netten und positiven Menschen hier.

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