Soziale Marktwirtschaft heißt auch Vermögenssteuer

1. Jänner 2012, 15:57

Österreichs Privathaushalte verfügen über ein Vermögen von 473 Milliarden Euro - Drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts kommen aus vermögensbezogenen Abgaben

"Die Vermögenden" ist ein viel besserer Ausdruck als "die Reichen". Denn Vermögende sind nicht nur reich, das Wort spiegelt auch die Macht des Reichtums. Mit dieser Macht ist nicht nur politischer Einfluss verbunden, sondern auch die Chance, in Krisenzeiten mit den weniger Reichen, vor allem mit den Armen, solidarisch zu sein.

Ein Hauptargument der Gegner jeder Art von Vermögenssteuer ist die unbestreitbare Tatsache, dass allein damit aus dem Ruder gelaufene Budgets nicht zu sanieren sind. Worum es geht, ist die Verteilungsgerechtigkeit. Denn es ist ebenfalls eine unbestreitbare Tatsache, dass in den letzten Jahrzehnten die Vermögenden immer reicher, die wenig Verdienenden immer ärmer geworden sind. Jüngster Beweis: die Aufstellung des Rechnungshofs über die Gehälter in den staatsnahen Betrieben. Mit ihren Leistungen haben die Manager in diesen Betrieben den Prognosen der Privatisierer nicht entsprochen, aber das getan, was am Biertisch immer gesagt wird: Sie haben abkassiert.

Die Gegner jeder Art von Vermögensbesteuerung äußern fast täglich vor allem zwei Argumente: 1. Solche Steuern bringen nichts. 2. Sie schaden dem Wirtschaftsstandort Österreich. Ebenso oft melden sich Befürworter, unter ihnen auch erfolgreiche Industrielle und Bankmanager. Ein Beispiel von vielen: Ex-Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper. Manche wollen Vermögensabgaben zeitlich begrenzen. Ganz wenige knüpfen sie an eine Verwendungszusage. Wäre das eine Bedingung, dann müsste man solche Zusagen allen Steuerzahlern einräumen.

Der renommierte US-Ökonom Paul Krugman hat sich kürzlich in der New York Times gegen eine Privilegisierung der Vermögenden und gegen den oft erhobenen Vorwurf gewandt, die Linke (in den USA the liberals) würde mit neuen Steuern "die Reichen dämonisieren und bestrafen" wollen. Allerdings müsse man in Bezug auf die "Rechten und Reichen" in Amerika das Gegenteil vermeiden: sie auszusparen und ihnen nichts abzuverlangen.

Vielfach wird verschwiegen, dass die USA bereits eine Vermögenssteuer haben. Sie macht 3,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und fast 13 Prozent des gesamten Steueraufkommens aus. Auch in Großbritannien sind es über vier Prozent. Haben die deshalb Standortnachteile?

In Österreich kommen rund drei Prozent aus vermögensbezogenen Abgaben. 1965 waren es noch über vier Prozent. Die Lücke zu schließen würde dem Fiskus allein 1,2 Milliarden bringen.

1965 prägte noch die soziale Marktwirtschaft, erfunden von christlich orientierten deutschen Ökonomen, das Geschehen. Nach einer Studie dreier Salzburger Wissenschafter, Helmut Gaisbauer, Gottfried Schweiger und Clemens Sedmak, verfügten die Privathaushalte vor 20 Jahren über ein Vermögen von 67 Milliarden Euro. Heute sind es 473 Milliarden. Gleichzeitig liegen in den Händen von einem Prozent der Bevölkerung 27 Prozent des Vermögens.

Zur Sanierung der Budgets genügte es also, Instrumente der sozialen Marktwirtschaft zurückzuholen. (Gerfried Sperl, DER STANDARD-Printausgabe, 2. Jänner 2012)

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fmi
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11.1.2012, 08:11
Dieses Geld

wurde schon X Mal besteuert.

Grünling
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Was mich wundert: Kann es sich die ÖVP auf Dauer leisten, mit dem Sparpaketes in der Hauptsache den Durchschnittsösterreicher zu belasten anstelle des Kapitals? Was ist aus Transaktionssteuer geworden? Und was mich weiter interessiert: Wie will Frau Fekter zukünftige Bankenstützungen rechtfertigen, wenn dem Staat eine Schuldenbremse auferlegt ist?

Grünling
00
soziale marktwirtschaft

wird mit der FPÖ zu grabe getragen werden. denn in dieser partei zählt nur der "fleissige". alle anderen, die entweder wegen physisch oder psychisch oder aufgrund ihrer ethnischen zugehörigkeit oder ihrer familiensituation nicht in der lage sind, ihren lebensunterhalt vollständig alleine zu bewerkstelligen und auf die staatliche hilfe angewiesen sind, für die werden harte zeiten anbrechen, wenn eine FPÖ/ÖVP regierung ans Ruder kommt. die anzeichen sind bereits heute unübersehbar!
wenn der mensch hungert, stirbt er irgendwann oder er wird zum unmensch. österreich nach 1930 ist beispiel genug. so ist das. und daran sollte auch einmal gedacht werden.

Der Geist der Ahnung
 
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Sehr geehrter Herr Sperl,

der isolierte Vergleich der Relation von Vermögensteuern zum BIP ist kein Argument für irgendwas, solange nicht auch ein Vergleich der Relation des Gesamtsteueraufkommens zum BIP (sprich: der Abgabenquote) angestellt wird. Und diese Quote liegt in AT bei etwa 42 %, in UK bei ca 36 ½ % (also um 5 ½ %-Punkte oder 13 % niedriger), in US bei nur ca 25 % (um sage und schreibe 40 % niedriger) [Werte für 2010 laut EU-Kommission/EUROSTAT].

Sich immer nur genau die eine Zahl rauszupicken, die die eigene Argumentation stützt, ohne das Gesamte zu sehen, ist – sorry – demagogisch.

Cake of Peace
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Eigentlich wollte ich eine eigene Analyse als dilettantisch bezeichnen. Offensichtlich hat die Zensur das Wort Dilettantenanalyse auf den Beitrag von Sperl bezogen.

Cake of Peace
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Dilettantenanalyse

Österreich lockt Vermögende mit Kultur, med. Versorgung, günstige Privatstiftungen, großer Wichtigtuermarkt, etc. Die Politik schielt auf das Vermögen zahlreicher Deutscher. Viele Politiker glauben, dass wir als Zwerg besser fahren, wenn wir immer etwas großzügiger sind als unsere Nachbarn. Wenig Steuern auf große Vermögen soll mehr einbringen als hohe Abgaben auf wenig Vermögen. Auch der kleine Mann - wird er noch so abgezockt - vermutet hinter dem großen Geld offenbar eine Art schutzversprechende Struktur. Darum wählen die Ärmsten immer noch das Programm für die Reichsten. Viele Junge <30 glauben sich natürlich auch bald reich - später >40 sind sie froh wenn sie eine Anstellung haben und werden furchtbar konservativ und wählen auch so.

Clemo
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Unlängst war eine OECD Statistik in den Medien. Österreich hat, ich glaube mit der Slowakei, die niedrigsten Vermögenststeuern. 0,5% vom BIP war damals genannt, nicht 3%.

Kann jemand die Zahlen überleiten?

Unsere Grundsteuer bringt keine 500 Mio im Jahr. Was soll der Rest sein?

EuroExpert
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vermögen

es ist ja in österreich wirklich so, dass es genug menschen gibt, die ein sehr geringes arbeitseinkommen aber ein hohes vermögen haben !!!!!
natürlich gibt es auch den umgekehrten fall. wie soll man diese gruppen fair besteuern ????

Erzpiefke
 
30
Es ist keine unbestreitbare Tatsache sondern eine

freche Lüge, daß die Vermögenden im letzten Jahrzehnt immer reicher geworden sind. Man schaue sich doch bloß einmal den DAX an. Im Jahr 2000 war der bei über 8000, Ende 2011 unter 6000. Im DAX sind auch die Dividenden VOR Steuern enthalten. In Wirklichkeit war also der Vermögensverfall in diesem Jahrzehnt noich wesentlich stärker. Herr Sperl will jetzt noch obendrein eine Enteignungssteuer und nennt das "Verteilungsgerechtigkeit" . Das ist Räuber-Gerechtigkeit aber keine Verteilungsgerechtigkeit.

Wohlstand kann nur erwirtschaftet aber nicht erstohlen werden.

the bugger_off
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piefke go home!

Manahmanah
01

Ist diese Ironie jetzt Ansicht?

Manahmanah
02

Absicht

Trombone53
 
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Neid und Vermögenststeuer

Sperl, Verfechter der Neidgesellschaft, Leveller von Standards Gnaden, hat Argumente: 1. Steuern bringen nichts. – das ist wahr, weil sie von Politikern und ihren Apparaten verschluckt werden und nicht beim Bedürftigen ankommen. 2. Schaden dem Standort – das ist wahr, weil es bessere Standorte gibt. Die Meldung, dass sich Banker und Industrielle für Vermögensteuer eingesetzt haben, möchte ich nicht überprüfen. – Wahrscheinlich wurden diese Pharisäer für ihre Aussagen bezahlt. Paul Krugman, den falschen Propheten, in Österreich noch einmal als Experten anzuführen, betrachte ich eher als naiv, nachdem seine Aussage, dass Österreich, aufgrund seiner faulen Ostkredite nach Irland pleitegehen wird, sich als falsche Prophetie herausgestellt hat.

Standard deviation
10

Die generalisierende Behauptung, dass die Reichen
reicher und die Armen ärmer geworden sind ist
natürlich falsch. Was stimmt ist, dass es heute mehr Reiche und Wohlhabende gibt, als vor etwa 20 Jahren. In diesem Zeitraum sind auch Zehntausende aus bitterarmen Ländern zugezogen, viele sind nach unseren Standards "arm". Natürlich sind auch hier Beheimate in die Armutsfalle geraten, aber meist durch eigenes Verschulden.

fmi
00
11.1.2012, 08:13
Wirklich reicher geworden

Sind nur die Spekulanten.

Bruno Weipl
01
Soziale Marktwirtschaft heißt auch Vermögenssteuer

Also diese Überschrift halte ich für Unsinn..Der Begriff "Soziale Marktwirtschaft" wird immer zu Romantisierend verstanden. MARKT UND SOZIAL sind wie Feuer und Wasser.(Markt=Angebot/Nachfrage dem Profit dienend, Sozial=der Allgemeinheit dienend) Daher Markt unter einer Sozialen Gesetzgebung wäre richtiger...Vermögensteuer NEIN Erbschaftssteuer JA und mit hohen Prozentsätzen versehen.

sociovation
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Markt hat nach den klassischen Theorien

eher nichts mit Profit sondern etwas mit Preisbildung zu tun.
Profit ergibt sich erst dann, wenn der Markt nicht mehr funktioniert und durch Macht (bzw. "asymmetrische Information") ersetzt wird.
Schauen Sie in ihren Wirtschaftslehrbüchern nach, das steht dort wirklich so drin.

Bruno Weipl
00
das steht dort wirklich so drin...

Aha, das heißt erst dann wenn jeder seine Leistungen im Markt NICHT mehr anbietet erzielt er einen PROFIT...jetz ist mir alles klar...

byron sully
06

grundsätzlich zustimmung. aber ich halte massive besteuerungen im bereich der finanzindustrie (transaktionen, spekulationen, aktiengewinne etc.) für noch wichtiger als die frage von vermögenssteuern.

Standard deviation
00
Besteuerung von Finztransaktionen ist ok, ....

aber massive Besteuerung würde den Finanzplatz
ruinieren, wäre also kontraproduktiv. Regulierung ja,
aber in Grenzen.

santa fe
 
11
wie jede steuer wird auch die vermögenssteuer zunächst in die nebelzonen der FI (finanzindustrie) zurückfliessen und dann vielleicht einmal einen - wie immer marginalen - umverteilungsbeitrag leisten.

das alles ist durch die absolutistische herrschaft der FI obsolet geworden, heute muss sie direkt dazu veranlasst werden, selbst die umverteilung durchzuführen und das

BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN für alle

zu finanzieren, und zwar aus dem unermesslichen guthaben, das den unermesslichen schulden entspricht, deren gläubiger sie ist.

die 1% FI hat statt in ihren wahnsinnskrieg in die allgemeine kaufkraft zu investieren, von der wirtschaftsgesundung zu 80% abhängig ist. alles hängt von einer manifestation der demokratischen mehrheit der 99% ab. an einer entsprechenden internet-technologie wird gearbeitet.

sozialer und internationaler frieden - frieden auch mit einer sich demokratisierenden FI. 1% sind von 99% abhängig, nicht umgekehrt.

Standard deviation
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Das 1%-Argument geistert durch die Foren!

Ein BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN für alle
würde sich negativ auswirken. Viele würden das Grundeinkommen kassieren und anstatt einer
legalen Erwerbsarbeit am Fiskus vorbei etwas "dazu-
verdienen". Folge wäre eine Vervielfachung der
Schattenwirtschaft und des Pfuschs.

santa fe
 
00

bedingungslosigkeit heisst, dass jeder dazuverdienen kann soviel er will. der pfusch wird durch das BGE abnehmen.

LGM
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Gepfuscht wird, weil man dadurch Steuern spart. Da zusätzlich zum BGE verdientes Geld ja auch in Zukunft versteuert werden muss, gelten genau dieselben Argumente für den Pfusch wie bisher. Eher wird der Pfusch zunehmen, da sich die Leute aufgrund des BGE ja weniger der eigentlichen Arbeit widmen müssen.

Grünling
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Der Pfusch ist sicher ein Problem

sogar bis hinauf zu den frühpensionierten A-Beamten, die sich auch gerne pfuschend einbringen, obwohl sie- im Gegensatz zum ASVG Früh/pensionisten- unbegrenzt dazu verdienen können.
Man sollte sich vielleicht überlegen, wie dem Pfusch wirksam begegnet werden könnte, denn er belastet das Budget und schädigt die Allgemeinheit, auch ohne bedingungsloses Grundeinkommen!

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