Jansons versus die Krise

1. Jänner 2012, 14:13
  • Der Goldene Saal im Wiener Musikverein.
    foto: apa/andreas pessenlehner

    Der Goldene Saal im Wiener Musikverein.

Wiener Philharmoniker ehrten im Musikverein Dirigenten, EU-Ratspräsident Dänemark und Klimt - Übertragung in 73 Länder

Wien - Seit Jahrzehnten gilt es als musikalisches Bollwerk gegen nationale Einfalt: Als Mariss Jansons am Sonntag mit dem "Vaterländischen Marsch" das Neujahrskonzert 2012 der Wiener Philharmoniker einläutete, bestand kein Zweifel, dass er damit eher Weltoffenheit einmahnte, anstatt krisenbedingten Groll gegenüber den "Anderen" zu hegen. Der Lette lieferte in weiterer Folge ein subtil beschwingtes Bekenntnis zu Europa ab. Der spezielle Gruß ging diesmal an das neue EU-Vorsitzland Dänemark. Und auch Jansons selbst, der das Ereignis zum zweiten Mal dirigierte, sowie der Musikverein und Gustav Klimt wurden gefeiert.

Noch einen Monat zuvor hatten Fans des Konzerts gezittert, ob Jansons auch wirklich am Pult stehen würde: Krankheitsbedingt hatte er Auftritte absagen müssen. Energiegeladen betrat er nun aber am Neujahrstag den Goldenen Saal, nachdem er 2006 sein Debüt als Dirigent des Neujahrskonzert gegeben hatte. Mit der "Carmen-Quadrille" von Eduard Strauß hatten ihm die Philharmoniker eine kleine programmatische Überraschung gemacht, da Jansons aus Gesundheitsgründen 2010 seinen Einsatz an der Staatsoper in der Bizet-Oper absagen hatte müssen. Dementsprechend ungebremst und wendig gestaltete er "seine" Quadrille.

Polka Francaise "Feuerfest"

Nicht genug der Verehrung für den Maestro. Dieser durfte bei der Polka Francaise "Feuerfest" von Josef Strauß mit Hämmern publikumswirksam einen Amboss bearbeiten. Einige Werke der Strauß-Dynastie, die speziell für St. Petersburg, dem Wohnort Jansons, geschrieben wurden, rundeten die Hommage ab. Da passte auch Peter Iljitsch Tschaikowsky als heuriger "Gastkomponist" perfekt ins Konzept, dessen "Panorama" und "Walzer" aus "Dornröschen" mit ungewohnt optimistischer Patina dargeboten wurden.

Aber auch sonst hatten die Philharmoniker wieder viel zu ehren. Etwa ihre musikalische Herberge, den Goldenen Saal des Musikvereins. Karina Fibich, die zum zweiten Mal die Regie der Live-Übertragung übernahm (73 Länder strahlten den Bilderreigen aus) rückte das opulente Ambiente unter anderem mit einer Schwebekamera ins rechte Licht, während der "Künstler-Gruß" von Joseph Strauß ertönte. Und noch eine weitere musikalische Institution Wiens erhielt ihren Platz eingeräumt: Mit der Polka "Tritsch Tratsch" von Johann Strauß Sohn sowie bei "Feuerfest" traten die Wiener Sängerknaben erstmals seit 1998 beim Neujahrskonzert auf.

Hommage an EU-Ratspräsidentschaft

Traditionell ist auch die Hommage an die jeweilige neuen EU-Ratspräsidentschaft zu Jahresbeginn, die diesmal Dänemark galt. Der "Kopenhagener Eisenbahn-Dampf Galopp" von Hans Christian Lumbye - laut Programmheft als der "dänische Strauß" gefeiert - ließ nicht nur die eisenbahnergerecht bemützten Schlagwerker der Philharmoniker dampfen und schnauben, Jansons selbst gab via Pfeife das Signal zur Abfahrt. Und auch bei der Polka schnell "Unter Donner und Blitz" von Johann Strauß Sohn, die den Abschluss des regulären Teils bildete, bewies das Orchester Meisterhaftigkeit in der Klangmalerei.

Ein tatsächlicher bildender Künstler wurde in den Balletteinlagen in der Choreographie von Davide Bombana geehrt: Gustav Klimt, der in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden wäre, hatte mit der Nachstellung seines berühmten Gemäldes "Der Kuss" seinen eigenen Auftritt im Oberen Schloss Belvedere. Und für den Pausen(tourismus)film ließ Regisseur Werner Boote Menschen auf Wiener Plätzen durch die Luft schweben.

Was im "Vaterländischen Marsch" ganz zu Beginn bereits zitatenhaft angeklungen war, wurde bei den traditionellen Zugaben abermals euphorische Realität. Der Walzer "An der schönen blauen Donau" und der "Radetzky Marsch" taten das ihre, um die drohende bzw. schon allgegenwärtige Krise zumindest für ein paar Minuten zum Verstummen zu bringen.

Jansons hat mit seinem zweiten Neujahrskonzert abermals ein Meisterstück abgeliefert, das zwischen Barenboims genialer Neuerfindung der Strauß-Musik und der intellektuell versunkenen Auffassung von Franz Welser-Möst für sich alleine stand. Letzterer ist es auch, der das Neujahrskonzert 2013 dirigieren wird - egal ob Krise, oder nicht. (APA)

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Pausenfilm

Einen größeren Schmarren konnte man sich für die Pause nicht ausdenken. Schade!
So wurde aus einem großartigen Konzert eine durchschnittliche Veranstaltung.
Wer ist denn dafür verantwortlich?

Für mich persönlich der beste Pausenfilm beim NJK,

an den ich mich je erinnern kann. Endlich die Umsetzung einer echten künstlerischen Idee, verbunden mit einer Geschichte, und auch sehr sorgfältig durchgeführt. Nebenbei hat der Regisseur Boote (Plastic Planet) ganz fein seine politische Grundhaltung (gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit) mit dem gebotenen Augenzwinkern - dem Anlaß entsprechend - eingebracht.

Auch wenn das anscheinend sonst iemand im Forum so sieht...

Grundsätzlich ja, aber nicht so!

Grundsätzlich ist eine gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gerichtete künstlerische Haltung natürlich löblich. Aber man kann sie kaum plumper, unglaubwürdiger und dusseliger in das Werk umsetzen, als hier geschehen. Dieser wohl gut gemeinte Schuss ging meiner Meinung nach voll nach hinten los. Und statt der urlangen sinnentleerten Levitationen im aktuellen Fall schaue zumindest ich mir lieber Klassiker wie Mary Poppins oder Peter Pan an - mit den Kindern.

Einfach nur großartig!

Dieses Neujahrskonzert war eines der wunderbarsten, das ich je gehört habe. Ich habe mir auch gleich noch die Wiederholung am Abend angesehen.
Jetzt bin ich mir absolut sicher, dass ich das Konzert 2013 auslassen werde, weil ein Herr Welser-Möst ist nach der "Leistung" von 2011 wirklich nicht akzeptabel. Besonders verdient er es nicht, mit würdigen Dirigenten, wie eben Kleiber, Prêtre oder eben Jansons in einem Atemzug genannt zu werden.

PAUSENFILM KATOSTROPHAL

Der Dirigent, die Wiener Philharmoniker und die Sängerknaben waren exzellent. Der Pausenfilm entsetzte jedoch mit seinem pubertären Handlungsstrang, peinlichen Klischees und unnötigen Effekten.

frischer wind...

nur 1 Frau im Orchester ... ?!

WIENER PHILHARMONIKERINNEN

Die Gründung der WIENER PHILHARMONIKERINNEN wäre eine Lösung . . .

das fängt Jahr gut an...

Es waren 2 Musikerinnen ...

Meinen Sie, dass es mit einer größeren Anzahl von Frauen im Orchester noch besser geklungen hätte? Vielleicht. Aber es war ein Konzert auf musikalisch höchstem Niveau. Dem Anlass entsprechend.

Spätestens seit ich das "Heldenleben"

unter Prètre mit einer exzellent solisierenden KonzertmeisterIN der Philharmoniker erlebt habe, fallen solche Medlungen wie von Frau Corleona eh nur mehr unter "Hervorbringungen eines tympanon flatulosum".

mal abgesehn davon, dass es 2 waren, is das doch ziemlich egal, hauptsache sie spielen gut

"Barenboims genialer Neuerfindung der Strauß-Musik"

Wer auch immer bei der APA den Sonntagsschreiberling macht, er scheint den Silvesteralkohol noch nicht überwunden zu haben!

Seit Carlos

mit Abstand das beste Neujahrskonzert!

Vom Herzen und mit höchster Qualität. Wunderbar und erbauend. Danke Mariss Jansons!

PS: Man fragt sich, wie es sein kann, dass ein FWM am selben Pult stehen darf...

Der Höhepunkt des Konzerts

war der gähnende Japaner in einem Zwischenschnitt ins Publikum! Gut wäre gewesen, hätten die Sängerknaben einen Sopran, der nicht zu tief singt. Haben sie aber nicht.

ja ! so sollte es immer sein

auch die Sängerknaben waren eine überraschende Bereicherung. Das beste Konzert seit langem. Ich war rundum zufrieden, nein, begeistert!

Tolles Konzert, aber...

bin ich die einzige, die den Film in der Pause peinlich fand? Die Musik war ja sehr schön, aber die fliegenden Menschen waren nicht zum anschaun

wenns sonst nix waren (hab zuwenig aufgepaßt um mir eine "künstlerische" Wertung zu erlauben)

zumindets tricktechnisch sehr verblüffend, alleine schon die Koordination mit dem gestörten Wasserstrahl des Brunnen oder mit dem Hund...

sie sind schon 3 ....

Die fliegenden Menschen waren echt unnötig... und die Japanerinnen in Schuluniformen.

Bei aller Begeisterung: Die ersten Ambossschläge bei der Polka "Feuerfest" erschienen mir eher klangarm und harmoniefrei. (Beim Video passt es wieder perfekt - muss der Schlussteil gewesen sein ;-)

Wunderschön!

Es war nicht eine Minute langweilig. Nur die Sängerknaben gehen mir auf die Nerven!

Ja und ihr Outfit is noch mieser als die WestBahn-Uniform. Ist ja kein Matrosenchor.

Eine wohltuende Erfrischung

nach der Abscheulichkeit vom letzten Jahr.

ein grandioses neujahrskonzert, der vergleich zum etwas langweiligen vorjahr geht klar an jansons.

hab's übrigens heuer nicht (wie üblich) im tv mitverfolgt, sondern erstmals im radio. der optische teil (balletteinlagen) fiel dadurch zwar weg, aber dafür war's vom akustischen her ein intensiveres erlebnis als sonst. insgesamt kann ich aber schwer sagen, ob tv oder radio das "bessere" medium für's neujahrskonzert ist.

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