Internes Papier

Darabos' Pilotprojekt zur Berufsheer-Erprobung droht zu scheitern

1. Jänner 2012, 11:00
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    foto: ronald zak/dapd

    Kein Geld und rechtliche Probleme: Das Projekt Berufsheer wackelt.

Verteidigungsminister spricht von "Desinformationspolitik" und hält an angekündigten Pilotprojekten fest: "Mehrkosten verantwortbar"

Wien - Mit den von Verteidigungsminister Norbert Darabos geplanten Pilotprojekten zur Erprobung eines Berufsheeres soll es gravierende Schwierigkeiten geben. Wie kürzlich aus dem Ministerium zu erfahren war, sollen sie nicht wie geplant am Jahresbeginn 2012, sondern erst zu Jahresmitte starten. Grund dafür dürften finanzielle und rechtliche Probleme sein. Entsprechende Bedenken wurden bereits im Oktober in einem Papier der Sektion I festgehalten. Der APA liegt nun ein weiteres internes Papier vor, in dem nun erstmals Zahlen genannt werden. Demnach braucht Darabos alleine für die Aufstellung einer Milizkompanie von etwa rund 100 Milizsoldaten mehr als 700.000 Euro pro Jahr. Darabos sagt über das betreffende Papier: Es sei "nicht politisch akkordiert und ist somit für die politische Diskussion nicht relevant". Sein Pilotprojekt wolle er weiterhin durchziehen.

***

Prämien-Modell

Die Milizkompanie ist nur eine von mehreren Komponenten der Pilotprojekte. Daneben soll auch noch ein Musterverband, der ausschließlich aus Berufs- und Zeitsoldaten besteht, aufgestellt werden. Auch dafür müsste Geld in die Hand genommen werden, denn die Grundwehrdiener, die derzeit Systemerhalter-Aufgaben erfüllen, müssten durch Berufssoldaten ersetzt werden. Und diese kosten deutlich mehr.

Laut den internen Berechnungen des Ministeriums bräuchte man für die Aufstellung einer Pionierkompanie mit 115 Milizsoldaten mindestens 730.000 Euro pro Jahr. Alleine die von Darabos vorgesehene Jahresprämie von 5.000 Euro pro Soldat würde 575.000 Euro kosten. Im Budget für 2012 hat das Ministerium für diesen Posten allerdings nur 379.000 Euro zu Verfügung. Dieses Geld reicht nur für ca. 75 Milizsoldaten, heißt es in dem Papier.

Um sein Prämien-Modell zu erproben, könnte der Minister freilich umschichten. Das würde allerdings bedeuten, dass das Geld woanders weggenommen werden müsste; dabei ist das Bundesheer im Zuge der anstehenden Budgetkonsolidierung jetzt schon mit Einsparungen von 600 Mio. Euro bis 2015 konfrontiert; und das könnte mit dem neuen Sparpaket noch mehr werden, wie Generalstabschef Edmund Entacher diese Woche sagte.

Probleme mit dem Wehrgesetz

In dem Papier heißt es wörtlich, dass das Projekt unter den gegebenen finanziellen Bedingungen "ohne gravierende nachteilige Auswirkungen für die übrigen Milizverbände (...) nicht durchführbar ist, da ohne zusätzliche Mittel für Anerkennungsprämien nicht einmal eine PiKp (Pionierkompanie, Anm.) (...) darstellbar wäre!".

Das fehlende Geld ist allerdings nicht das einzige Problem, das sich bei der Miliz auftut. Nach dem Darabos-Modell müssten die Milizsoldaten viel öfter üben, als es derzeit für niedrigere Ränge (so genannte Mannschaftsfunktionen) gesetzlich möglich ist. Gegenwärtig sind im Wehrgesetz höchstens 30 Übungstage ohne Zustimmung des Arbeitgebers innerhalb von zwei Jahren zulässig. Das Pilotprojekt sieht allerdings 20 Tage pro Jahr vor. Diese Mannschaftsfunktionen stellen zwei Drittel der Kompanie.

Ein noch größeres rechtliches Problem ergibt sich jedoch bei der Einberufung dieser Soldaten, wie aus dem Papier weiters hervorgeht. Um das Projekt wie vorgesehen zu erproben, müssten die Soldaten zu einem Einsatz einberufen werden. Eine solche Einberufung zum Einsatzpräsenzdienst - besser bekannt als "Mobilmachung" - erfordert allerdings mehrere legistische Schritte. Eine Mobilmachung sieht einen Vortrag des Ministers an den Nationalen Sicherheitsrat, eine Empfehlung des Sicherheitsrats an die Bundesregierung sowie einen Ministerratsvortrag mit Ministerratsbeschluss vor. Da die ÖVP gegen ein Berufsheer und folglich auch gegen Darabos' Berufsheerversuche ist, ist es kaum vorstellbar, dass der Ministerrat einer solchen "Mobilmachung" zustimmt.

Zu Übungen werden Milizsoldaten bereits jetzt mittels eines einfachen Einberufungsbefehls herangezogen. Darabos will allerdings Milizsoldaten auch bei Einsätzen verwenden - und dies geht nur mittels Mobilmachung, wie das Papier des Verteidigungsministerium sagt.

Darabos: "Die Pilotprojekte ziehe ich auf jeden Fall durch"

Darabos hält an den angekündigten Pilotprojekten zur Erprobung eines Berufsheeres fest. Mehrkosten seien bei einem Gesamtbudget seines Ministeriums von 2,1 Mrd. Euro verantwortbar, sagte Darabos am Sonntag gegenüber der APA. Die Gegner des Berufsheeres hätten offenbar Angst vor einem Erfolg der Projekte und würden versuchen, das Vorhaben bereits im Vorfeld mittels "Desinformationspolitik" zu diskreditieren, aber, so der Minister: "Die Pilotprojekte ziehe ich auf jeden Fall durch."

Er werde sich durch "von Reformverweigerern gesetzte Querschüsse" nicht beirren lassen, betonte der Minister. Darabos verwies darauf, dass der Generalstab bis Mitte Jänner Zeit habe, seinen Auftrag zur Vorbereitung der Pilotprojekte zu erfüllen. Danach werde die politische Bewertung erfolgen.

Nach Angaben des Stabschefs des Verteidigungsministeriums, Karl Schmidseder, laufen die Arbeiten an den Pilotprojekten "plangemäß". Dies gehe auch unmissverständlich aus einer schriftlichen Ministerinformation des Generalstabs vom Dezember hervor. Anfang des Jahres werde es eine "politische Entscheidung durch den Minister mit klaren Aussagen zu den Kosten, die mit dem Generalstab akkordiert sind, geben". Danach könne man mit den Projekten starten, so Schmidseder in einer Aussendung. (APA)

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Helmut-at
00
27.1.2012, 02:39
Jeder Kater muß makieren ...

...
je höher gestellt muß er seine Zeichen setzen ... ob sinnvoll oder nicht..

INSTINKT

mfg heli

ceterum censeo faymanem esse d...
01
26.1.2012, 17:20
kjh

positiv gesehen
02
zm thema kosten von wehrpflicht contra berufsheer eine aufschlussreiche meldung

http://www.berlinerumschau.com/news.php?... 1325690406

Jülyet Ksantopulo
03

Dieser Mensch ist standeskünstlich unverantwortbar. Wieso ist er immer noch in Amt Würdenech?

Prof. Alois
 
01
30.1.2012, 21:08
Weil es bei uns eine denkgewaltige vierte Gewalt nicht gibt

In Deutschland wäre der Norbi schon beim Antreten zerlegt worden: Wie ist das?: Selbst nicht schießen. Aber einer ganzen Armee "Feuer frei" befehlen?

Das lässt sich endlos weiterdenken.

Hubert Voller
 
36
Unbelehrbar!

Typisch Darabos. Wie ein kleines Kind welches ein Spielzeug nicht bekommt.
Mit allen Mitteln versucht dieser "Minister" sein abwegiges Konzept durchzubringen. Fehlt eigentlich nur noch wenn sich ein Hr. Kräutler auch noch mit einmischt.

Folgendes...
 
02
Sie glauben doch nicht wirklich ernsthaft...

... dass das nicht abgesprochen war?

Wahrscheinlich dient diese Darabos/Kräuter-Gschicht nur zum Ablenken von Pelinka... Das BH interessiert die SPÖ ja nicht wirklich.

supermike
311
Mehrkosten verantwortbar

Nicht verantwortbar Hr. Darabos

Das derzeitige Heer funktioniert und kostet wenig.
Ihr Konzept wäre bei gleicher Leistung deutlich teurer bzw bei einer geringeren Mannstärke nicht mehr einsatzfähig.

Schade, dass Entacher den Darabos nicht feuern kann...

minxy
110
wider besseres wissen

nur weil die zahlen von darabos nicht freigegeben bzw nicht mit ihm akkordiert wurden, sind sie "nicht relevant". existieren nicht, sind einfach nicht da.

aha.

geld ist auch keins da, aber trotzdem will darabos "die pilotprojekte durchziehen".

hm.

klingt leicht paranoid der gute mann, nicht?
und sowas beim oberbefehlshaber des bundesheeres.

etwas beunruhigend...

Zynami
00
Der Oberbefehlshaber sitzt in der Hofburg,

und hält die Hand über seinen Partei-Günstling.

ERP
 
75
Ist doch klar,

warum sich die alten Generäle gegen ein Berufsheer stemmen und alles boykottieren :
Solange es ein Heer gezwungener junger Wehrmänner gibt, können sie und der Kader des Bundeheers Machgelüste und hierarchische Überlegenheit beliebig ausleben. Berufssoldaten würden gegen Willkür und Demütigung bald auf die Barrikaden steigen.

Orjares
12
Berufssoldaten sind um einiges pflegeleichter als Rekruten

Wer als Berufssoldat zum Heer geht, hat sonst meist keine anderen Optionen mehr. So jemanden kann man mit einem Entlassungsformular leicht unter Druck setzen.

Mit einem Rekruten muss man auskommen, der würde sich über so ein Formular freuen.

supermike
03
Blödsinn

Bei Umstellung auf Berufsheer würde es bei den Offizieren nichts ändern, nur die unteren Ränge der Unteroffiziere würden staat Ausbildungsfunktionen nun auch mehr Funktionen (Arbeit beim Systemerhalt) übernehmen müssen die derzeit von den Grundwehrdienern gemacht werden müssen.
Das Bundeswehr besteht derzeit aus Häuptlinge, Ausbilder und Indiander (Grundwehrdiener).
Künftig gibts halt nur mehr Häuptlinge und Indianer wobei jeder Grundwehrdiener weis, dass es ein Problem geben wird genug Indianer zu finden die ihr Leben lang hauptberuflich die arbeiten durchführen wollen - 4 Monate (2 Monate sind ja Ausbildung) Systemerhalter ist nämlich nur ein Spaß, länger wirds langweilig und zur Qual.

m0nk
32
Bundesheer abschaffen!

"Wem das Militär "Schutz und Hilfe" zukommen läßt, ist klar: den Herrschenden. Die blutige Niederschlagung der ArbeiterInnen im Februar 1934 ist nicht vergessen und muß für immer eine Warnung sein, wessen Interessen das Bundesheer vertritt. Die Menschenjagd an "unseren" Grenzen, zur Abschottung des reichen Europas vor der von uns mitverschuldeten Armut der südlichen und östlichen Länder, macht deutlich, daß das Heer auch heute klar Stellung bezieht"
http://www.raw.at/texte/att... esheer.htm

Hubert Ungeist
 
10
Die ArbeiterInnen damals

waren eine bewaffnete Bürgerwehr.

SIe würden es also befürworten das die SP wieder eine bewaffnete Bürgerwehr hat?

Q.E.D q.e.d
11

Was ist denn das für ein Blödsinn. Ist nur reine Polemik sonst nichts. Sie Können ja nicht die Umstände des Jahres 1934 mit heute vergleichen

HookMind
27
'In Darabos kommt nur Natur rein'

Wie sonst kann man sich diesen 'Mist' erklaeren ...

Zynami
00
Wie bei der Butter

Darabos kann durch nichts ersetzt werden!

ERP
 
73
Darabos hat es schwer,

sich gegen den Block vergreister Generäler, die am Status Quo festhalten, durchzusetzen. Selbst die Abberufung Entachers mußte er wieder zurücknehmen.

StefanausWien
00
30.1.2012, 10:36
mußte er zurücknehmen

soll wohl heißen:

die unabhängige kommission hat den gestzesbruch des herrn mit der lustigen brille wieder rückgängig gemacht

noch sind wir ein rechtsstaat in dem sich auch dieser herr an die gesetze zu halten hat

so einfach ist das...

Zynami
00
Nicht er, die Kommission hat sie zurückgenommen.

Er steht immer noch dazu - hat er gleich danach getönt.

BK W. Shoyssel
10
Geld reicht nur für ca. 75 Milizsoldaten

müssen wir dann vor einer potentiellen Aggression von Liechtenstein Angst haben? Die könnten mit ihren 83 Profipolizisten sicher bis zum Arlberg vorrücken.

www.landespolizei.li/Dassindwi... fault.aspx

Hubert Ungeist
 
00
Naja wenn irgendwo eine Übeschwemmung ist

sind 75 Soldaten doch ein bisserl wenig

bully bullson
00
"...offenbar Angst vor einem Erfolg der Projekte und würden versuchen, das Vorhaben bereits im Vorfeld mittels "Desinformationspolitik" zu diskreditieren.."

...dafür sorgt der Herr Bundesminister schon ganz alleine!;-)))

bully bullson
00
...Looooser!

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