Französischer Zentralbankchef Noyer spricht bei endender Krise von "Nummer eins" - Premier Sarkozy will konkrete Reformen
Paris - Der Euro kann nach Ansicht des französischen Zentralbankchefs Christian Noyer trotz der Schuldenkrise zur weltweiten Leitwährung aufsteigen. Wenn die Länder der Euro-Zone ihre Pläne für eine stärkere Abstimmung der Wirtschaftspolitik erfolgreich umsetzten, sei dies binnen eines Jahrzehnts durchaus möglich, schrieb Noyer in einem Kommentar für die französische Sonntagszeitung "Journal du Dimanche". Wenn die Euro-Zone alle Entscheidungen des jüngsten Gipfels umsetze, werde sie stärker aus der Krise hervorgehen. "In zehn Jahren ist der Euro möglicherweise die Währung Nummer eins auf der Welt."
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat für das neue Jahr Wirtschaftsreformen
im Kampf gegen die Schuldenkrise angekündigt. Vor allem der Arbeitsmarkt müsse
flexibler werden, sagte Sarkozy in seiner Neujahrsansprache am Samstag. Bereits
bei einem Treffen mit Gewerkschaftsspitzen am 18. Jänner wolle er Reformen
vorantreiben, mit deren Hilfe Stellen geschaffen und die Wettbewerbsfähigkeit
der Wirtschaft gestärkt werden sollten.
Strafferer Haushaltspakt
Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone hatten sich im Kampf
gegen die Schuldenkrise am 9. Dezember auf einen strafferen
Haushaltspakt verständigt. Die Finanzmärkte konnte dies aber nur kurz
beruhigen. Vor allem die Furcht vor langwierigen Verhandlungen sorgte
weiter für Verunsicherung.
Die Angst vor einer Ausweitung der
Schuldenkrise hatte die Gemeinschaftswährung in der vergangenen Woche
zeitweise auf den tiefsten Stand seit über einem Jahr gedrückt. Der Euro
beendete 2011 knapp unter der Marke von 1,30 Dollar und mit einem Minus
von rund drei Prozent, das zweite Jahr in Folge mit einem Verlust.
Angesichts der schweren Probleme in der Euro-Zone halten Experten die
Abschläge aber für moderat.
Sarkozy: "Schicksal selbst bestimmen"
Zudem sollten Steuern auf Importgüter
zur Finanzierung von Sozialleistungen beitragen. Weitere Einsparungen, um den
drohenden Verlust der französischen Top-Bonitätsnote zu vermeiden, erteilte er
eine Absage. Die Regierung habe bereits alles Notwendige getan, sagte der
konservative Politiker, der auch wegen der Präsidentenwahl im April unter
Handlungsdruck steht, die stagnierende Wirtschaft anzukurbeln.
Seine Landsleute stimmte Sarkozy auf ein weiteres mühsames Jahr ein. Auch
2012 bekämen die Franzosen die schwerste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten
Weltkrieg zu spüren. Die Menschen dürften aber nicht verzagen, auch wenn schon
zwei schwere Jahre hinter ihnen lägen. "Der einzige Weg, unsere Souveränität zu
bewahren und unser Schicksal selbst zu bestimmen, führt über Strukturreformen
und nicht über impulsives Handeln, das nur weitere Verunsicherung und Chaos
schafft, ohne Vertrauen wiederherzustellen", sagte der Präsident. (APA)