Die Protagonisten des heimischen Kunstmarktes konnten 2011 nur bedingt an die Vorjahresbilanz anknüpfen. Die Freude ist getrübt. 2012 warten neue Herausforderungen
Nun liegen sie vor, die Umsatzzahlen der österreichischen
Auktionshäuser, die zu den wenigen Koordinaten gehören, die Rückschlüsse
auf die Stimmung des nationalen Kunstmarktes zulassen. Etwas kryptisch
formuliert es das Dorotheum, wo man laut aktueller Bilanz "2011 an den
Erfolg des Vorjahres anschließen konnte", der 2010 mit 143 Millionen
Euro beziffert worden war. Anders gesagt, lief es besser als erwartet,
aber schlechter als erhofft: Mit der Verlautbarung der "besten
Frühjahrs-Saison in der Geschichte des Hauses" befand sich das Dorotheum
noch zum Halbjahr auf Rekordkurs, konkret lag der Zuwachs bei 1,8
Prozent. Ein kleiner Vorsprung, der kurz vor Saisonende wohl
rückläufigen Absatzquoten (u. a. Klassische Moderne: 2010: 70 Prozent;
2011: 52 Prozent) zum Opfer fiel.
Deutlicher ist der bei "im Kinsky" verzeichnete Umsatzrückgang, der sich
von 28 auf 19,2 Millionen Euro dezimierte, womit sich der nach den
ersten sechs Monaten verzeichnete Schwund von 15 Prozent am Ende
verdoppelte. Die zweite Jahreshälfte lief also da wie dort besser als
2009, allerdings auch nicht gerade brüllend. Das belegen ebenso die zehn
höchsten in Österreich verzeichneten Zuschläge (siehe Tabelle). Ein
Ranking, das im Gegensatz zum Vorjahr (Dorotheum: Frans Francken II, 7,
02 Mio.; Kinsky: Egon Schiele, 4,43 Mio.) heuer ohne Millionenwerte das
Auslangen finden muss und dessen Wertvolumen mit 4,48 Millionen Euro
deutlich unter dem Niveau von 2010 liegt (13,08 Mio.).
Angespannte Stimmung
Und dennoch repräsentieren diese Zahlen nur eine Seite der Medaille, da
sie weder das Primärsegment (Galerien) noch die Gruppierung der
Kunsthändler berücksichtigen, die ausschließlich Steuerbehörden Einblick
in ihre Bücher gewähren. Jene Fraktion, die auf ein Hinterfragen
vermeintlichen Messejubels zunehmend empfindlich reagiert oder in
faktenorientierter Berichterstattung ein die Stimmung trübendes
Grundübel wittern. Die Praxistauglichkeit tradierter Messekonzepte mit
Hinblick auf nächste Besuchergenerationen zu inspizieren oder primitive
Kostendeckung zu thematisieren, sind angesichts der allgemeinen
Wirtschaftslage noch weniger erwünscht als bisher. Das will doch bitte
eh keiner wissen, so der Tenor.
Angespannt, dieser Terminus beschreibt das aktuelle Klima nur
notdürftig. Die Angst vor einer Verschärfung der Situation ist
allgegenwärtig - und verständlich. Die steigenden Kosten, an denen
jedermann laboriert, sind für den Kunsthandel noch das kleinere Übel.
Ein größeres stellt die Akquisitionsfront, im Mangel an Kunstwerken
bestimmter Güteklassen und teilweise überzogenen Preisvorstellungen
seitens der Verkäufer. Die gemeinste aller Plagen lauert jedoch in den
seit Jahren schrumpfenden Gewinnspannen, die künftig noch kärglicher
ausfallen.
Denn jene, die mit Künstlern handeln, die nicht länger als 70 Jahre tot
sind (aktuelles Stichjahr 1942), müssen über die Erweiterung des
Folgerechts ab 1. Jänner - sowohl beim Ein- als auch beim Verkauf - vier
Prozent (maximal 12.500 Euro) abführen: An Erbengemeinschaften, die zum
Teil erst ermittelt werden müssen. Oder an die Verwertungsgesellschaft,
die diese "Tantiemen" nur für Künstlernachfahren verwaltet, die auch
ihre Mitglieder sind.
Keine Frage, diese EU-Harmonisierung ist eine Herausforderung, der sich
der Handel punkto Administration und wirtschaftlicher Geschäftsführung
stellen muss. Manche werden ihr Sortiment entsprechend justieren und auf
Künstler ohne Folgerechtsabgabe verlagern. Andere von Ankäufen aus
Privatsammlungen auf Übernahme in Kommission schwenken, womit die
Abgaben um die Hälfte reduziert werden können. Gesichert ist, dass die
Auktionsbranche eine gewisse Zurückhaltung ihrer handelnden Klientel zu
spüren bekommen wird, da der Einkauf im Auktionssaal die Margen
reduziert und damit deutlich an Attraktivität verliert. (Olga
Kronsteiner / DER STANDARD, Printausgabe, 31.12.2011/1.1.2012)