Ungarns Reformen

Verspekuliert

Kommentar | András Szigetvari, 30. Dezember 2011, 19:09

Nicht alles, was Orbán umsetzt, sollte verteufelt werden. Aber das Land verabschiedet sich zusehends von demokratischen Prinzipien

Ungarns Premier Viktor Orbán macht es seinen Kritikern wieder einmal leicht. Der kurz vor Silvester durchgeboxte Beschluss zur Reform der Notenbank wird den Eindruck in Europa und den USA verstärken, dass in Budapest ein autoritärer, antiliberaler und kompromissloser Politiker das Kommando hat. Bisher ist Orbán mit seinem Hauruck-Stil durchgekommen. Doch mit der Notenbankreform hat er eine rote Linie überschritten.

Ziel des neuen Gesetzes ist es, den Einfluss der regierenden Fidesz auf die Zentralbank durch eine Reihe von Maßnahmen auszudehnen. Das ist fatal, weil unabhängige Notenbanken Teil moderner Marktwirtschaften sind und weil hier jeder Eingriff europäisches Recht verletzt.

Nun ist es zwar so, dass die Bestellung führender Zentralbanker in Österreich nicht viel anders funktioniert als künftig in Ungarn. Aber: Problematisch ist das gesamte Paket, das da geschnürt wurde. Und darum geht es Orbán-Kritikern aus Brüssel und Washington - und nicht bloß um legistische Einzelheiten. Zuerst wurde in Ungarn die Medienkontrolle verschärft. Nun folgt eine Justizreform, die laut EU die Unabhängigkeit der Richter gefährdet. Die Befugnisse des Verfassungsgerichts werden beschnitten.

Nicht alles, was Orbán umsetzt, sollte verteufelt werden. Gerade in der Wirtschaftspolitik wurde manches als autoritär kritisiert, weil es Investoren einfach nicht in den Kram passte. Aber das Gesamtbild bleibt: Da verabschiedet sich ein Land zusehends von demokratischen Prinzipien.

Zeitgleich verliert Ungarn den Zugang zu den Finanzmärkten. Ohne Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU droht dem Land Mitte 2012 die Pleite. IWF und EU haben Budapest klargemacht, dass sie die Notenbankreform nicht akzeptieren werden.

Das Gesetz wurde trotzdem beschlossen. Orbán spekuliert darauf, sich mit EU und IWF doch zu einigen. Vielleicht glaubt er, sich mit dem Gesetz Zugriff auf die Reserven der Notenbank zu sichern und so von den Märkten unabhängig zu werden. Verspekuliert hat er sich in jedem Fall. Ungarn kann sich nicht abkoppeln, dazu reichen die Notenbankreserven nicht aus. IWF und EU werden schon wegen des drohenden Gesichtsverlustes nicht nachgeben. Sie werden abwarten und zuschauen, wie Ungarn vom Markt zerpflückt wird. Dass ausgerechnet die Märkte - und nicht die Wähler oder die EU - die Disziplinierung Budapests übernehmen, ist keine beruhigende Aussicht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.12.2011/1.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 62
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GreenTwig
00
Warum...

ist es ein beunruhigendes Signal, wenn "die Märkte die Disziplinierung Budapests übernehmen"???
Freie Märkte sind in Summe die freien Entscheidungen der Marktteilnehmer. Was daran ist beunruhigend?
Warum fürchten sich eigentlich heutzutage alle vor der Freiheit?
Sind eigentlich heutzutage die Politiker nicht viel gefährlicher?

Waran
00
Anarchie

ist im weitesten Sinne auch Freiheit!

Max Merlin
00
Stimmt

Stimmt, da ist der Fehler im System. Too-Big-to-fail muss ein Ende haben ...

Max Merlin
12
Was sonst?

Wer sonst als die Märkte disziplinieren überall auf der Welt größenwahnsinnige Politiker?

Reich sein muss sich lohnen!
11

Und wer diszipliniert die Banken?
Die können ja praktisch machen was sie wollen - wenn es schief geht haftet ja eh die Staaten...

Reich sein muss sich lohnen!
02
Wenn unabhängige Notenbanken Teil einer freien Marktwirtschaft sind

sind dann system-relevante Banken, die nicht pleite gehen dürfen und im zweifel vom Staat gerettet werden auch teil eine freien Marktwirtschaft?

Also Banken deren Gewinne zwar privatisiert werden, das Risiko aber letztendlich immer beim Staat liegt?
Sieht so etwa eine freie Marktwirtschaft aus?

Alpenkönig & Menschenfeind
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"Nicht alles, was Orbán umsetzt, sollte verteufelt werden. "

Wieso?
Baut er auch Autobahnen?

Reich sein muss sich lohnen!
20

Naja, er hat immerhin das Geld wieder unter die Kontrolle der demokratisch gewählten Regierung gebracht.

AlliGator
00

Der Schickelgruber war auch demokratisch gewählt. Insofern sollten Sie mit derartigen Aussagen vorsichtiger sein.

hazafi
11
ja

Leider noch nicht. Es wurde aber dafür die Möglichkeit geschafft.
Die Kontrolle über die MNB ist ähnlich zu Irans Attomwaffen.
Die Selbstverteidigungsmöglichkeit muß verhindert werden.

Carlos Alberto Valderrama Palacio
01
dass ausgerechnet die maerkte...

so funktioniert's ueberall. siehe auch schuldenkrise eurozone. ohne "die maerkte" wuerden auch unsere kasperln sich gemuetlich zuruecklehnen und am besten sich bzw. uns weiter verschulden. den buergern ist, wie in ungarn, schon laengst alles egal. damit stellen "die maerkte" und rating-agenturen die einzige opposition dar. ist vielleicht eh besser so...

rrrn
 
01
Oesterr. Nachahmer

FPOe-chef Strache jubelte ueber den Erfolg von Jobbik.
"Salzburger Nachrichten"-Lokalteil S.2 v 6.10.2011: Salzburgs FPOe-Chef Karl Schnell lobt den ungarischen Regierungschef Viktor Orban, weil der sich schuetzend vor die kleinen Haeuslbauer stelle durch die Tilgung von Fremdwaehrungskrediten.

der tueftler
01
31.12.2011, 19:04
ungarn hat sich längst von den prinzipien der eu verabschiedet

was wollen die in einem verein, dessen statuten sie von a-z zuwider handeln? es stimmt, die eu hat mitglieder aufgenommen ohne richtig hinzusehen. das haben inzwischen alle begriffen. bei griechenland hat man gedacht, diesen einen fall müssen wir durchstehen. wahrscheinlich richtig; nur es ist eben nicht der eine einzige fall. einige andere länder sind in ähnlichen schwierigkeiten. das wird die eu nicht durchhalten, so viel geld ist einfach nicht da und die reichen länder (naja, die weniger armen) werden nicht noch mehr geld hinterherwerfen.

ungarn zeigt der eu die zunge und verlangt gleichzeitig deren geld... ob das geht?

Reich sein muss sich lohnen!
20
31.12.2011, 19:17

Warum, Ungarn ist doch gerade dabei dafür zu sorgen, dass sie kein Geld mehr von außen brauchen (Finanzierung über die Zentralbank).

Nur ein Außenhandelsdefizit geht sich so halt nicht mehr aus.

Erwin Wolfram
31
...

ich versteh nicht den unterschied zwischen der eu und ungarn ausser der groesse und dem gehaltsniveau und dem ort auf der landkarte, daher ist das eher ein rassistischer artikel, der meint auf kosten der aermsten die verbrechen der eu und der anderen staaten verschleiern zu koennen, als ob es von der zahlung abhaengt und nicht der mitgliedsaufnehmer die regeln machen wuerde. vor 3 jahren hat sich die nazijournaillie noch ueber die hohen beitrittsanforderungen ausgelassen LOL

Michael B
01
Zu viel schlechten Sekt getrunken?

Reich sein muss sich lohnen!
00

Ich denke nicht, der postet eigentlich immer wirres Zeug. Am besten einfach ignorieren.

byron sully
38
31.12.2011, 18:56

daß ausgerechnet die notenbankreform, die nicht wirklich schlimm ist, und nicht etwa andere untragbare sachen (wie etwa die neue verfassung, die zerstörung der pressefreiheit etc.) als überschreiten der roten linie bezeichnet wird, zeigt wieder mal: in der EU darf man alles, sogar demokratie und rechtsstaat zerstören. nur eines darf man nicht: gegen die interessen der finanzindustrie handeln.

Marcus Maccabaeus
21
31.12.2011, 16:45
Wer sich letztendlich verspekuliert, wird man sehen:

Erstens kann ein Staat mit eigener Währung nicht pleite gehen und selbst wenn Ungarn Geld vom Ausland braucht um den Aussenwert der Währung zu sichern, gibt es noch einen anderen Player, nämlich China.
Es war ja schon davon die Rede, dass sich China in Ungarn engagiert. Politisch wäre das für China nicht uninteressant und für die EU fatal.

Ich denke, Orban wird sich sicher gut überlegt haben, welche Backup-Lösungen er hat, falls er vom IWF kein Geld mehr bekommt!

globetrottel
23
31.12.2011, 19:00

Ich denke, Sie sollten das eine oder andere von Ihrem Posting vielleicht noch einmal durchdenken.....

hayseed
12
31.12.2011, 18:21

Ich glaub nicht, dass Ungarn irgendwen interessiert. Die hätten nie in die EU kommen dürfen, man sollte den Verheugen auf Schadenersatz verklagen.

walter prohaska
16
31.12.2011, 17:35

ein staat mit eigener waehrung kann nicht pleite gehen? lol, wie war das, lernen sie geschichte.

Reich sein muss sich lohnen!
20
31.12.2011, 19:19
Er kann zumindest nicht insolvent werden.

Gut, wenn sie es mit der Finanzierung über die Zentralbank übertreiben gibt es Inflation, möglicherweise Hyperinflation. Aber auch das geht vorbei.

globetrottel
11
31.12.2011, 23:08

Werch ein Illtum !

walter prohaska
02
31.12.2011, 21:57

bin da eigentlich nicht so bewandert aber das stimmt doch nur fuers inland aber wenn der staat schulden nach aussen hat die kann man mit der notenpresse doch nicht bezahlen, zumindest ich wueder diese banknoten nicht an zahlungsstatt akzeptieren.

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