Raketen-Euro für die Umweltbombe

30. Dezember 2011, 18:49
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Die massive Luftbelastung, Unfälle und Verletzungen durch Silvester-Feuerwerke lassen die politischen Parteien kreativ werden

Salzburg/Wien - Das funkelnde Feuerwerk zu Mitternacht gehört in Österreich genauso zum Jahreswechsel wie ein Glas Sekt und der Donauwalzer. Doch die private Silvesterknallerei birgt auch Risiken. Abgetrennte Finger, Augenverletzungen und Hörschäden sind oft die Folgen der unsachgemäßen Verwendung von Feuerwerkskörpern.

Häufig sind Jugendliche in Unfälle mit Böllern und Raketen involviert. Ein Problem, das SPÖ-Konsumentenschutzsprecher Johann Maier dem Pyrotechnikgesetz zuschreibt. Seit der Novelle von 2010 können Feuerwerkskörper der Kategorie F2, zu der etwa Schweizerkracher und Vulkanfontänen zählen, bereits an 16-Jährige abgegeben werden. Maier fordert, die Altersgrenze wieder auf 18 Jahre anzuheben.

Auch die Verkaufszeiten für Feuerwerkskörper müssten eingeschränkt werden, betont Bernhard Carl von der Bürgerliste Salzburg. Wie in Deutschland solle der Verkauf von Pyrotechnik nur drei Tage vor Silvester gestattet werden. "Damit würde man verhindern, dass die Knallerei schon Mitte Dezember beginnt", betont Carl. Grundsätzlich dürfen private Feuerwerke im Ortsgebiet nur mit Genehmigung des Bürgermeisters abgefeuert werden. In den meisten österreichischen Städten sind Kleinfeuerwerke mit der Ausnahmebewilligung am Silvestertag zwischen zwölf Uhr Mittag und ein Uhr früh gestattet.

In Wien verboten

Am Wiener Silvesterpfad hingegen ist die Mitnahme von Raketen und Knallkörpern auch heuer wieder verboten. Bei Verstößen drohen Verwaltungsstrafen bis zu 3600 Euro. Das offizielle Silvesterfeuerwerk wird - vorausgesetzt das Wetter passt - um Mitternacht auf dem Heldenplatz gezündet.

Die Salzburger ÖVP hat für die Feuerwerksproblematik eine ganz spezielle Lösung: neue Steuern. Der sogenannte Raketen-Euro soll als zweckgewidmete Sonderabgabe direkt in das Gesundheitssystem fließen. Vorbild ist die Tabaksteuer. Rund zehn Millionen Euro werden allein zu Silvester mit Feuerwerkskörpern umgesetzt. Der Verfassungs- und Verwaltungsausschuss des Salzburger Landtags hat einstimmig für den Antrag von ÖVP-Klubobfrau Gerlinde Rogatsch gestimmt. Nun warte man auf die Prüfergebnisse des Finanzministeriums.

Maier weist darauf hin, dass Feuerwerkskörper auch Umweltbomben seien. Am Neujahrstag 2011 wurde in Graz eine Feinstaubbelastung von 193 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen, der Grenzwert liegt bei 50. Zudem enthalte jede fünfte in Österreich verkaufte Rakete die krebserregende Substanz Hexachlorbenzol, die weltweit auf der Liste der zwölf verbotenen Giftstoffe ("Dreckiges Dutzend") steht. (Stefanie Ruep/DER STANDARD, Printausgabe, 31.12.2011/1.1.2012)

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    Schön und giftig: Feuerwerk über Salzburg. Aus der Politik kommt der Vorschlag, den Verkauf von Raketen einzuschränken und neu zu besteuern.

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