Die kroatische Alu-Gruppe der Bank könnte im Reich des Wiener Investors Michael Tojner landen. Seine Montana Tech hat die besten Karten
Wien - Die 2009 notverstaatlichte Hypo Alpe Adria ist drauf und dran, eines ihrer Sorgenkinder loszuwerden: den kroatischen Aluminium- und Verpackungskonzern Aluflex. Wie zahlreiche andere Beteiligungen auch, soll das Unternehmen, das insgesamt rund 800 Mitarbeiter beschäftigt und damit zu den größten Industriekonzernen des Landes zählt, verkauft werden.
Interessenten gibt es einige - besonders gute Chancen hat nun aber, indirekt, der Wiener Investor Michael Tojner. Und zwar über die Schweizer Montana Tech Components AG, die zu rund einem Fünftel der Michael Tojner Industriebeteiligungs- und -beratungs GmbH gehört.
Deren Tochter Alu-Menzingen hat seit 23. Dezember ein Memorandum of Understanding in der Tasche, das ihr das Recht gewährt, bis Ende Jänner 2012 Exklusivverhandlungen mit den Verkäufern von der Hypo Alpe Adria zu führen. Das erfuhr der Standard von einem anderen Interessenten, der über die Absprache mit Montana informiert wurde. Die Gespräche mit den anderen Interessenten liegen so lange auf Eis. Das betrifft einen ukrainische Fonds, die auf Osteuropa spezialisierte Argus Capital und österreichische Interessenten. Zu ihnen zählt etwa der frühere steierische Landesrat und Ex-Estag-Manager Herbert Paierl, der in einem Konsortium mit strategisch ausgerichteten Interessenten geboten haben soll.
Die Aluflex-Gruppe ist der Bank 1999 zugewachsen. Das Institut hatte den stillen Ausgleich des vormaligen Eigentümers finanziert, zwei Partner ausgekauft. In den folgenden Jahren erwies sich die Gesellschaft als Fass ohne Boden. Immer wieder kam es zu Liquiditätslöchern, die mehrmals mit Kärntner Geld gestopft wurden. Zudem ging man in die Offensive und kaufte zum Verpackungskonzern auch noch die Aluminiumschmelze TLM dazu.
Der bisher letzte Finanzierungsengpass entstand vor einem Jahr - damals flossen peu à peu weitere 20 Mio. Euro in die Gesellschaft. Einen Teil der Kredite hat die Bank in den vergangenen Jahren wertberichtigt, derzeit sollen noch rund 40 Mio. Euro offen sein, wie aus der Bank zu hören ist.
Auch der Buchwert der Tochter wurde sukzessive abgeschichtet; derzeit soll er noch zwischen 60 und 80 Millionen Euro liegen. Damit, dass der Verkaufserlös in dieser Höhe ausfallen könnte, rechnet man in Bankkreisen nicht. "Um jeden Preis verkaufen wir aber nicht, die Bank muss zumindest ihre Haftungen loswerden", meint ein Involvierter. Tojner kann bei einem Zuschlag jedenfalls mit einem Forderungsverzicht der Hypo rechnen.
Tojners Chancen sollen sich nicht zuletzt wegen der strategischen Ausrichtung erhöht haben. Über die Montana, der er präsidiert, ist der Investor im Metallurgie-, Luftfahrt- und Batterien-Geschäft (Varta) tätig. Die Gruppe erzielte 2010 mit 2700 Beschäftigten 351 Millionen Euro Umsatz. Tojner und sein Partner in dem Deal, Martin Ohneberg, waren am Freitag für keine Stellungnahme erreichbar.
Mehr Zeit für Kapitalpolster
Die Verkäufe dienen der Reduktion der Risiken, die vor zwei Jahren notverstaatlichte Bank braucht bekanntermaßen mehr Kapital. Die Aufsichtsbehörde FMA verlangt 1,5 Milliarden Euro mehr Eigenkapital - das muss nun bis Ende 2012 auf dem Tisch liegen. Den entsprechenden Bescheid hat die FMA der Bank am Donnerstagabend avisiert. Damit ist sie dem Wunsch der Banker (der Vorstand hat die aktuelle Kapitallücke mit 400 Mio. Euro beziffert) auf Fristerstreckung nachgekommen: Ursprünglich wollten FMA und Notenbank, dass die Hypo Group ihren Kapitalpolster bis Ende März 2012 auffüllt. (Renate Graber, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.12.2011/1.1.2012)